Dienstag, 7. Februar 2012

Enten auf der Ilmenau

Die Enten sind vom zugefrorenen Ratsteich auf die Ilmenau umgezogen.
Normalerweise ist der Ratsteich in Uelzen voller Enten. Man hört sie schon von weitem, und wenn jemand sie füttert, übertönt ihr Geschnatter sogar den Autoverkehr auf der Gudesstraße. Heute aber war es gespenstisch still. Das Wasser war zu Eis erstarrt, und alle Enten waren verschwunden.
Dick aufgeplustert stehen die Enten auf dem Eis.
Ich musste an das Buch "Der Fänger im Roggen" von Jerome David Salinger denken, das ich in meiner Jugend geradezu verschlungen habe. Wie ein roter Faden zieht sich die Frage des Ich-Erzähler durch den Roman, wo denn die Enten aus dem Central Park im Winter bleiben. Die Enten vom Ratsteich sind ganz in der Nähe: Auf der Ilmenau, die den Ratsteich mit Wasser speist, bevölkern sie die letzten eisfreien Bereiche. Normalerweise meiden sie den Fluss wegen der starken Strömung, aber jetzt sind sie nicht wählerisch. Hauptsache offenes Wasser!
Hoffentlich frieren sie nicht fest.
Von der schmalen Fußgängerbrücke südlich des Ratsteichs habe ich einen perfekten Überblick über die muntere Entengesellschaft, zu der sich auch zwei Schwäne gesellt haben. Die sind allerdings gerade nicht im Wasser, sondern liegen auf dem Eis, das nach und nach von den Ufern in Richtung Flussmitte wächst.
Ich liebe Enten und könnte ihnen stundenlang zusehen. Das ist interessanter und schöner als so mancher Fernsehbeitrag. Als ich von der Brücke hinab ans Ufer gehe, um ein paar Fotos aus der Nähe zu machen, ergreifen die Wasservögel nicht etwa die Flucht – nein, sie kommen schnurstracks auf mich zugeschwommen, denken wohl, ich hätte trockenes Brot dabei. Um sie nicht zu enttäuschen, mache ich schnell kehrt.

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