Donnerstag, 28. Juni 2012

Blume der Nacht

Erst wenn es dunkel wird, öffnen sich die Blüten.
Während wohl die meisten anderen Menschen in diesem Land, die gerade nicht arbeiten müssen, vor dem Fernseher sitzen und gespannt das EM-Halbfinale Deutschland gegen Italien verfolgen, erfreue mich an einem faszinierenden Naturschauspiel. Von meinem sommerlichen Lieblingssitzplatz vor der der Dielentür aus beobachte ich, wie sich bei einsetzender Abenddämmerung die Blüten der Nachtkerze öffnen. Das geschieht innerhalb einer Minute und wie von Geisterhand. Keine andere in Mitteleuropa vorkommende Pflanze blüht so schnell auf!

Tagsüber ist die Nachtkerze eine eher unscheinbare Pflanze, aber gegen 21:15 Uhr wird aus ihr eine traumhaft schöne Blume, die obendrein auch noch nach dem Öffnen der Blüten einen betörenden Duft verströmt. Am nächsten Morgen ist die Vorstellung vorbei, und die Blüten sind verwelkt. Am morgen Abend beginnt das Schauspiel von neuem, und wieder öffnen sich zwei Blüten. Ihr werdet mich vielleicht für bescheuert halte, aber ich finde das viel interessanter als Fußball.

Warum blüht die Nachtkerze nur nachts? Ganz einfach, weil sie durch nachtaktive Insekten bestäubt wird, vormehmlich Nachtfalter. Es gibt sogar eine Falterart, die wegen ihrer besonderen Vorliebe für diese Blume Nachtkerzenschwärmer genannt wird.
Die Autorin schnuppert an
den betörend duftenden
Blüten der Nachtkerze.
Die Gemeine Nachtkerze (Oenothera biennis) ist übrigens keine hochgezüchtete Blume, sondern eine Wildpflanze. Sie stammt ursprünglich aus Nordamerika, wurde ab schon im 17. Jahrhundert als Zierpflanze nach Europa eingeführt. Sie verwilderte und ist seitdem hier heimisch.
Bereits die Indianer verwendeten die Nachtkerze als Heilpflanze. Ihr fettes Öl enthält viel Linolsäure, die sich positiv auf die Zellerneuerung auswirkt. Ich habe zum Beispiel hat eine Bio-Nachtcreme mit Nachtkerzenöl.
Früher wurde die Nachtkerze auch als Gemüsepflanze angebaut. Ihre rübenförmige Wurzel wurde in der Küche wie Schwarzwurzeln oder Pastinaken verwendet. Wir werden die Wurzeln ganz bestimmt nicht essen, denn wir erfreuen uns lieber an dem prächtigen Anblick der Blüten.
Da fällt mir gerade noch etwas ein: In dem Roman "Wenn die Mondblumen blühen" der amerikanischen Schriftstellerin Jetta Carleton versammelt sich die ganze Familie an den Sommerabenden hinter dem Haus, um dabei zuzuschauen, wie sich die Blüten der Mondblume ähnlich denen der Nachtkerze entfalten.
Morgen Abend wird übrigens auch die zweite Nachtkerze blühen, und dann werden wir statt zwei sogar vier Blüten bewundern dürfen.
Und hier noch ein kleiner Videoclip, den ich aufgenommen habe, um zu zeigen, wie schnell sich die Blüten entfalten. Um die Ladezeit zu verkürzen, ist der Film stark komprimiert.

video

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen