Donnerstag, 2. August 2012

Gelb und giftig

Die Autorin gräbt das giftige Kraut aus.
Normalerweise reiße ich keine Pflanzen aus, um sie dann wegzuwerfen. Ich unterscheide auch nicht zwischen "guten" Kraut und Unkraut. Aber in diesem Fall muss ich eine Ausnahme machen. Am Rand des Weges zur Biogasanlage stehen, nicht weit von unseren Pferdeweiden entfernt, zwei eine gelb blühende Pflanzen, die eigentlich ganz unscheinbar aussehen und zwischen dem ebenfalls gelb blühenden Rainfarn und Johanniskraut kaum auffallen, aber für die Tiere lebensgefährlich sind: Jakobskreuzkraut. Die Pflanze mit dem botanischen Namen Senecio jacobaea enthält verschiedene Pyrrolizidin-Alkaloide, die zu chronischen Lebervergiftungen führen. Die Giftstoffe reichern sich in der Leber langsam an und führen letztendlich zum Tod. Da die Pflanze nicht nur im frischen Zustand giftig ist, sondern auch noch im Heu oder in der Silage, kann auch bei der Winterfütterung schnell die tödliche Dosis erreicht werden. 
Schwarz-gelb gestreift wie eine
Wespe: Die Raupe des Jakobs-
kreuzbären.
Im Gegensatz zum fiesen Bärenklau hat das Jakobskreuzkraut keinen Migrationshintergrund, sondern ist eine heimische Pflanze – die sich aber seit einigen Jahren erstaunlicherweise extrem stark ausbreitet. Um die weitere Ausbreitung zu verhindern, sollten die Pflanzen rechtzeitig, bevor sich die Samen bilden, ausgerissen oder besser noch gleich mit der Wurzel ausgestochen werden. Da die Gefahr besteht, dass die Giftstoffe auch über die Haut aufgenommen werden, sollte die Pflanze nur mit Schutzhandschuhen angefasst werden. 
Diesen Rat habe ich befolgt, als ich heute Abend das Jakobskreuzkraut am Wegesrand ausgestochen habe. Die Pflanze habe ich in eine Plastiktüte gesteckt und diese dann in die Mülltonne geworfen. Obwohl ich weiß, dass es zum Schutz der Pferde geschieht, tut mir die grobe Tat doch ein bisschen Leid, denn indem ich das Kraut ausreiße oder aussteche, vernichte ich die Nahrungsgrundlage des seltenen Jakobskrautbären (Thyria jacobaeae). In NRW steht dieser schwarz-rote Nachtfalter sogar auf der Roten Liste der bedrohten Tierarten. Als Raupe ist der Jakobskrautbär auffällig schwarz-gelb gestreift – wie eine Wespe. Das Gift macht den Raupen nichts aus, allerdings werden sie für andere Tiere, zum Beispiel Vögel, selbst giftig.

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