Samstag, 29. September 2012

Die letzte Torfstechmaschine im Großen Moor

Die 1968 im Emsland gebaute Torfstechmaschine sieht vielleicht schon etwas schäbig aus, ist technisch aber noch völlig in Ordnung und funktioniert einwandfrei.
Die Autorin im Moor zwischen den von der
Maschine gestochenen Torfstücken.
Jahrhunderte lang wurde im Großen Moor bei Gifhorn  Torf abgebaut, der vor allem als Brennstoff, aber auch als Dünger diente. Doch damit ist bald endgültig Schluss, denn der Torfabbau zerstört das Moor. Durch Wiedervernässung wird ein ökologisch wertvoller Rückzugsraum für viele Tier- und Pflanzenarten geschaffen. Von der einst florierenden Torfindustrie sind nur noch spärliche Reste vorhanden.
Ich hatte heute für Calluna die Gelegenheit, die letzte Torfstechmaschine im Einsatz zu fotografieren und mit einigen alten Herren zu sprechen, die ihr ganzes Arbeitsleben lang im Moor zugebracht haben. "Wir sind nie nach Spanien geflogen und waren trotzdem immer braun wie Urlauber", amüsierte sich einer der ehemaligen Torfstecher. "
Als Kohle, Öl und Gas die Nachfrage nach Brenntorf sinken ließen, wurden viele der Torfstechmaschinen entweder ins Ausland verkauft oder verschrottet. Düngetorf wird ja nicht in Brikettform benötigt, sondern lose oder als Sackware angeboten. Das Abfräsen der Torfschichten für den Düngetorf ist ziemlich unspektakulär – ganz im Gegensatz zur Brenntorfabbau. Die Torfstechmaschine rattert und rumpelt, dass der weiche Moorboden ins Schwingen gerät, macht ordentlich Lärm und stößt schwarze Qualmwolken aus. Und es stinkt ganz fürchterlich nach faulen Eiern, wenn der im Moorboden gebundene Schwefelwasserstoff freigesetzt wird. Obwohl ich am Ende die Nase buchstäblich voll hatte, war es ein spannender Nachmittag, an dem ich viel gesehen und erfahren habe. Mehr über meinen Besuch im Moor in der Calluna-Winterausgabe.

In einem Arbeitsgang sticht die Maschine den Torf und stellt die Stücke neben dem frisch
gezogenen Graben wie Dominosteine zum Trocknen auf.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen