Sonntag, 30. Juni 2013

Grenzgänger

Zwei Grenzgänger: Die Autorin und Fyffes unter-
wegs auf dem Grünen Band.
Da ich für ein Buchprojekt unseres Verlages noch etliche Fotos machen muss, habe ich heute das Angenehme mit den Nützlichen verbunden und mit meiner besten Freundin eine Foto-Wandertour gemacht, die uns durch zwei Bundesländer, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt, führte. Die meiste Zeit wanderten wir auf dem Grünen Band Deutschland, wie der ehemalige Grenzstreifen zwischen der Bundesrepublik und der Deutschen Demokratischen Republik genannt wird. Der 1400 Kilometer lange Grüngürtel zwischen Travemünde an der Ostseee und der ehemaligen Dreiländereck bei Hof führt durch traumhaft schöne Landschaften. Das Gehen auf dem früheren Kolonnenweg ist wegen der Lochsteine zwar etwas beschwerlich, aber es lohnt sich! Als wir so durch die friedliche Natur wanderten, flimmerten mir die Bilder vom Kalten Krieg durch den Kopf. Als Kind wirkten die schwer befestigten und bewachten Grenzanlagen ziemlich gruselig auf mich. Gut erinnere ich mich nach an den Tag im November 1989, als ich als Jungjournalistin für eine Lokalzeitung von der Grenzöffnung berichteten. War das ein Fest, als die ersten Trabbis hupend über die provisorische Sandpiste in den Westen rollten! Ich war live dabei, als der rotweiß gestreifte Schlagbaum zersägt wurde. Damals sicherte ich mir als Souvenir ein ein rotes und ein weißes Stück von der Barriere aus massiven Eichenholz (sie stehen immer noch bei mir zu Hause im Regal).

Keine Angst vor großen Tieren! Die Kühe waren neugierig, blieben aber friedlich.

Aber zurück in die Gegenwart: Andere Menschen begegneten uns heute nicht auf dem Kolonnenweg, aber plötzlich sahen wir uns einer Herde Kühe gegenüber. Die Kälbchen waren unter dem Elektrodraht, mit dem die Weide entlang dem Kolonnenweg eingezäunt war, hindurchgekrochen und standen nun direkt vor uns auf den Bonplatten uns starrten uns an, als hätten sie noch nie Menschen gesehen. "Oje, was machen wir denn jetzt?" fragtemeine beste Freundin . "Einfach weitergehen", sagte ich, "es gibt ja keinen anderen Weg hier, und zum Umkehren habe ich keine Lust. Außerdem haben wir ja einen Kampfhund dabei!" Fyffes, der sonst immer vorneweg läuft, ging allerdings vorsichtshalber erst mal in Deckung, blieb hinter uns zurück. Die Kälbchen erwiesen sich jedoch als völlig friedlich, ließen uns ungehindert passieren. Und auch der mächtige Bulle mit den Furcht einflößenden Hörnern blieb wiederkäuend, aber ansonsten regungslos im Gras neben dem Kolonnenweg liegen.
Da es am Nachmittag immer mehr eintrübte und zwischendurch auch nieselte, war die Fotoausbeute heute etwas bescheiden, aber trotzdem war es eine schöne Tour. Am Ende zeigte der GPS-Kilometerzähler fast 15 Kilometer an. 

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