Donnerstag, 4. Juli 2013

Im Museumsdorf fliegen die Späne

Interessante Einblicke in das Jahrhunderte alte Drechslerhand-
werk gibt es am Sonntag im Museumsdorf Hösseringen.
Mein Ausflugstipp zum Wochenende: Drechsler Henrik Hinrichs lässt am Sonntag, 7. Juli im Museumsdorf Hösseringen die Späne fliegen. Von 10.30 Uhr bis 17.30 Uhr zeigt er an einer historischen, durch Treten eines Pedals angetriebenen und an einer modernen, mit Elektromotor angetriebenen Drechselbank, wie sich das Handwerk im Laufe der Zeit verändert hat und doch vom Grundsatz her gleich geblieben ist.
Das Drechseln war bereits im Mittelalter bekannt. Mit einem Stahl, der extra für diesen Zweck geschmiedet und geschliffen wurde, ist schon vor Jahrhunderten Holz, Bein (Knochen) und Zinngerät abgedreht worden. Das zwischen zwei Spitzen gespannte Werkstück wurde durch einen Handkurbelantrieb oder durch Pedalbetrieb in Drehung versetzt, sodass mit der frei geführten Klinge die Form gegeben werden konnte. Die Anzahl der speziellen Klingen wuchs mit der Zeit.
Im 16. Jahrhundert wurden in Nürnberg von den „Rotschmiededrechseln“ bereits mit Wasserkraft betriebene Drehbänke zum Abdrehen von gegossenem Messing benutzt.
Die Drechslereien sind dem städtischen Handwerk zugehörig und erst nach Einführung der allgemeinen Gewerbefreiheit  (1866 in der Provinz Hannover)  ließen sich die Drechsler auch in kleinen Orten und Dörfern nieder. Die Herstellung von Treppendoggen,Treppenpfosten und Zierteilen für Möbel gehörte noch im 20. Jahrhundert ebenso zum Fertigungsprogramm, wie die Produktion von Schalen und Deckeldosen. Bis in die 1950er Jahre hinein stellten Drechsler auch Spinnräder und Haspeln für die Flachs- und Wollverarbeitung her.
Im 20. Jahrhundert wurden die meisten Drechselbänke mit Elektro-Motoren betrieben, für die Serienproduktion gab es schon im späten 19. Jahrhundert Drechselbänke, die mit Kopiereinrichtungen ausgestattet waren.
Drechselarbeit verrichteten auch die Stellmacher bei der Produktion der Radnaben für Karren und Wagen. So findet sich auch in der Stellmacherwerkstatt des Museumsdorfes eine Drechselbank.
Henrik Hinrichs zeigt die Dechselarbeit u.a. an einer historischen Bank, die aus Suderburg in die  Museumssammlung gekommen ist. Gern beantwortet er sachkundig die Fragen der Gäste.

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