Freitag, 18. Juli 2014

Ein Wein will nach oben

Was kriecht denn da in den Dachboden hinein? Eine Weinrebe, mangels Licht etwas blass.
Der Wein im Innenhof bildet keine Früchte,
sondern steckt seine ganze Kraft lieber ins
Wachstum.
Bin ich hier etwa im Dschungel gelandet? Wo kommen denn die Lianen her? Ich musste etwas vom Dachboden des Stalltrakts holen, und da sah ich sie: Meterlange Ranken haben sich durch die Spalte zwischen Wand und Dach gezwängt und wachsen nun munter in den Dachboden hinein. Da sie hier kein Licht abbekommen, sehen sie ziemlich bleich aus, und deshalb komme ich auch nicht sofort darauf, welche Pflanze hier wohl ihre Fühler ausgestreckt hat. Doch als die schmale, steile Treppe, die mehr eine Stiege ist, hinuntergehe, fällt es mir auch schon ein: Na klar, das ist der Wein im Innenhof. Und da haben wir doch auch schon den Titel dieser kleinen Geschichte: Ein Wein will nach oben (frei nach Fallada).
Nein, Früchte trägt er in diesem Jahr auch wieder nicht (er hat noch nie welche getragen), aber dafür steckt er seine Kraft ins Wachstum. Im Innenhof schaue ich ihn mir mal genauer an, und siehe da: Er ist nicht nur auf den Dachboden geklettert, sondern auch schon über die Regenrinne in die Kehle zwischen Stalltrakt und Wohnhaus, und offenbar im Begriff, demnächst den First zu erklimmen.
Vielleicht haben wir ja irgendwann ein Gründach? Eine reizvolle Vorstellung, zumal sich Wein im Gegensatz zu Efeu nicht festsaugt und keine Schäden am Bauwerk zu befürchten sind. Wenn schon kein Solardach – das wäre wegen der vielen Bäume sehr uneffektiv –, dann doch wenigstens ein Gründach. So können wir nur hoffen, dass der Wein fröhlich weiter wächst und nicht doch irgendwann lieber seine Energie umleitet und Früchte bildet.

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