Freitag, 8. August 2014

Elfen im Maisfeld

Leider ist es mir nicht gelungen, eine der Elfen im Mais-
feld von vorne zu fotografieren. Alle drehten mir den
Rücken zu und zeigten mir lediglich ihre schönen lan-
gen, leuchtend roten Haare.
Da fahre ich heute Abend mal wieder mit dem Fahrrad zum Einkaufen und komme an einem großen Maisfeld vorbei, auf dem die Pflanzen jetzt schon so hoch sind, dass ich, sogar wenn ich auf dem Fahrrad sitze, nicht mehr darüber hinwegschauen kann. Macht nichts, denn hinter dem Maisfeld ist Kiefernwald, und den habe ich schon oft genug gesehen. Dafür sehe ich jetzt in Augenhöhe Tausende von rothaarigen Elfen direkt vor mir. Jede von ihnen klammert sich an den Stängel einer Maispflanze, und jede von ihnen wendet mir den Rücken zu. Ich kann kein einziges Gesicht erkennen, nur die in der Sonne leuchtenden Haare, die mit Henna im Farbton Mahagoni (genau das verwende ich auch) gefärbt zu sein scheinen.
Ich bin richtig verzaubert von dem Anblick, und ich stelle mir vor, wie es wäre, jetzt wieder Kind zu sein und nicht zu wissen, dass es sich bei den vermeintlichen Elfenhaaren lediglich um die sogenannten Griffel der weiblichen Maisblüte handelt, die bis zu 40 Zentimeter lang sein können. Ja, Wissen ist meistens ein Gewinn, aber zerstört leider auch jeden Zauber. Das beste Beispiel dafür ist der Mond: Als dieser noch unerreichbar weit weg schien und noch kein Rakete dort gelandet war und kein Mensch dort herumspaziert war, hatte der Mond für uns Menschen etwas Mystisches und Geheimnisvolles. Spätestens mit der ersten Mondlandung 1969 wurde er endgültig entzaubert.

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