Montag, 2. Februar 2015

Jeder sollte sein eigenes Brot backen

Unser selbstgebackenes Brot schmeckt uns stets so gut, dass wir es am liebsten gleich ganz aufessen würden, aber wir können uns zum Glück meistens gerade noch bremsen.
Es ist immer ein Moment des Glücks, wenn ich ein frisch gebackenes, noch warmes Brot aus dem Ofen nehme. Da wir nur zu zweit sind, backe ich nur alle zwei bis drei Tage Brot, und ich freue mich schon, wenn ich den Roggen und den Weizen abwiege und in den Trichter der Getreidemühle fülle. Sonst hasse ich Maschinen, die Lärm machen, aber der Getreidemühle höre ich gerne beim Mahlen zu. Wenn dann vorne das frisch gemahlene, nach Spätsommer duftende Vollkornmehl aus der Mühle rieselt – kein Vergleich zu dem geruchlosen, staubigen, toten Supermarktmehl –, kann ich es kaum erwarten, mit dem Teigkneten zu beginnn.
Es ist viel besser, seine Zeit mit Brotbacken zu verbringen als sich im Büro oder in der Fabrik abzurackern, damit man genug Geld hat, um sich teures Bäckerbrot leisten zu können. Für ein Vollkorn-Bäckerbrot in Bio-Qualität müsste ich beim Bio-Bäcker rund fünf Euro zahlen. Die Herstellung  meines eigenen Brotes kosten mich dagegen nur etwa einen Euro, den Strom für den kleinen, sparsamen Backofen schon eingerechnet. Selbstgebackenes Brot schmeckt schmeckt nicht nur köstlich, sondern es gibt uns auch das gute Gefühl, dass wir uns mit diesem Grundnahrungsmittel selbst versorgen können. Oder anders ausgedrückt: Brot backen bedeutet Freiheit und Unabhängigkeit. Außerdem ist selbstgebackenes Bio-Vollkornbrot gesünder als gekauftes Brot, denn es enthält noch all die guten Inhaltsstoffe des Getreides, da das Mehl unmittelbar nach dem Mahlen des Korns verwendet wird.
Der anarchistische Bohemien und Bestsellerautor Tom Hodgkinson zitiert in seinem Buch "Brave old World" (2011) den Schriftsteller William Cobbett. Dieser schrieb in "Cottage Economy" (1926): "... wie verschwenderisch und ja, wie schmachvoll ist es sodann, wenn die Frau eines Arbeiters in die Bäckerei geht; und wie gleichgültig, wie sträflich fahrlässig gegenüber dem Wohlergehen seiner Familie muss der Arbeiter sein, der eine so schändliche Verwendung der durch seine Arbeit erzielten Einkünfte gestattet."
Wir wollen nicht so weit gehen und es grundsätzlich als schändlich bezeichnen, Brot nicht selbst zu backen, sondern es zu kaufen. Schließlich kaufen wir auch gelegentlich beim Bäcker etwas, was wir nicht selbst backen können oder wollen, zum Beispiel knuspriges Bauernbaguette oder luftig-leichte Körnerbrötchen. Aber wir finden, dass jeder schon in der Schule lernen sollte, Brot zu backen – und sich als Erwachsener hoffentlich irgendwann wieder daran erinnern wird.

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