Donnerstag, 16. April 2015

Buchtipp: "Pinnegars Garten"

Altmodisch und modern zugleich: "Pinnegars Garten" von
Reginald Arkell.
"Die vormalige Eigentümerin hatte den Wunsch geäußert, dass Sie hier als eine Art - äh - Schutzengel fungieren, solange Ihre Gesundheit und Kräfte es zulassen, aber 'Schutzengel' sind in unserer Welt modernen Welt doch wohl fehl am Platze ..." Mit diesen dürren Worten soll Herbert Pinnegar, einst Obergärtner, mal eben nach 60 Jahren abserviert und ihm ein neuer Chef vor die Nase gesetzt werden. Das könnte ein Satz aus unserer Zeit sein, dabei führt uns die Geschichte von "Pinnegars Garten" von Reginald Arkell in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, ja eigentlich in die der damaligen Jahrhundertwende zurück, als in England (und nicht nur dort) Obergärtner und ganze Herrscharen von Bediensteten wunderbare Obst-, Gemüse und Blumengärten umsorgten. Das ist auf einmal viel zu teuer, nicht mehr zeitgemäß, und Pinnegar, dieser störrische Mann, passt dem jungen Verwalter  nicht mehr ins Konzept.
Zum Glück wendet sich alles zum Guten, weil es da doch noch Menschen mit Anstand gibt, die eine Achtung vor Gärten und den "Zauberern" haben, die mit Erfahrung und Schweiß dieses menschengemachte Wunderwerk am Gedeihen erhalten.
Eine wunderbare Geschichte über eigensinnige und leidenschaftliche Menschen, über Klassengrenzen, die die gegenseitige Achtung von Menschen auf der einen und anderen Seite nicht ausschließt, und über die zerbrechliche Welt der Gärtner, die ihr Reich von eben auf jetzt an die Natur oder bauwütige Gleichgültigkeit verlieren können.
"Pinnegars Garten" Unionsverlag, ist altmodisch und modern zugleich. Und wenn wir nach der Lektüre die erste Erdbeere des Jahres essen und die erste Königskerze blühen sehen werden, erinnern wir uns an "alte Zeiten", die wir nie erlebt haben, und dürfen uns trösten, warum ohne Obergärtner in unseren Gärten nicht alles perfekt sein kann.

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