Samstag, 4. April 2015

Kollektives Kokeln

So sieht es aus, wenn nach ergiebigem Regen das Osterfeuer entzündet wird. Leider treibt der Westwind den Rauch direkt
zu uns auf den Hof.
Nach unserem Küchenbrand vor zwei Wochen reagieren wir hypersensibel auf jeglichen Brandgeruch. Der steigt mir heute Abend in die Nase, als ich gerade dabei bin, die Pferde, Schafe und Ziegen zu füttern. Oje, brennt es da etwa schon wieder? Ich bin kurz vor einer Panikattacke, da fällt es mir zum Glück ein: Heute ist Ostersonnabend und das heißt: Kollektives Kokeln. Unter dem Deckmantel der Brauchtumspflege wird jegliche Anstrengung zum Klimaschutz ad absurdum geführt. An keinem anderen Tag im Jahr ist die Feinstaubbelastung hierzulande so hoch wie am Ostersonnabend oder Ostersamstag, wie es im südlichen Teil der Republik heißt.
Wir wollen nicht meckern und unseren lieben Mitmenschen den Spaß verderben, der übrigens wie immer, wenn es um Brauchtumspflege geht, mit dem exzessiven Genuss alkoholischer Getränke verbunden ist, aber in diesem Jahr geht es hart an die Schmerzgrenze. Der Westwind pustet den beißenden Rauch, der dem regennassen Osterfeuerhaufen entsteigt, direkt zu uns auf den Hof, und im Nu ist das Licht so diffus wie kürzlich bei der Sonnenfinsternis. Mir tränen die Augen, und ich muss husten. Mit dem linken Arm den Mund zu haltend, flitze ich ins Haus und hole meine Staubschutzmaske, die ich gekauft hatte, als wir nach dem Brand die verkohlte Küche ausräumen mussten. Den Pferden, Schafen und Ziegen scheint der Rauch nichts auszumachen – zum Glück, denn für sie habe ich leider keine Staubschutzmasken.
Während ich die Pferde füttere, stelle ich mir das Bild vor, dass sich den Astronauten an Bord der Internationalen Raumstation bieten muss, wenn in nahezu jedem Ort in Deutschland die Osterfeuer lodern. Gut, dass der Gestank dort oben nicht ankommt!
Als es dunkel wird, lässt der Wind nach, und der Rauch steigt jetzt senkrecht nach oben, sodass wir wieder frei atmen können.

Kommentare:

  1. Was zuviel ist, ist zuviel! Auch hier stinkt es ganz gewaltig, wir können kein Fenster öffnen, man kann nicht schlafen, denn der Qualm dringt in alle Ritzen, obwohl wir ein ziemlich abgedichtetes Haus haben ... dennoch .... mehr als 60 Feuer allein in Braunschweig, ich frage mich, MUSS DAS sein???
    Bei entsprechender Wetterlage haben besonders Allergiker schwer zu kämpfen. Es ist nicht allein der Feinstaub. Das grüne Holz setzt Stoffe frei, die ein Allergiker gar nicht vertragen kann. Da meidet man ein Osterfeuer wie die Pest und es nützt dennoch nicht viel. Und ich will auch kein Spielverderber sein, aber manches geht einfach zu weit!

    Herzliche Grüße, schöne Ostern!
    Sara

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    1. Mehr als 60 Feuer in Braunschweig? Oje, und ich dachte, hier auf dem Land ist es schon schlimm. Warum kann man denn in der Stadt, wenn es denn schon sein muss, nicht ein zentrales Osterfeuer machen? Wahrscheinlich, weil Osterfeuer auch eine beliebte Form der Grünschnittentsorgung ist. Ich muss zugeben, dass auch wir in der Vergangenheit schon mehrfach von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht haben, inzwischen aber darauf verzichten und die Zweige von Bäumen, die vom Sturm umgepustet worden sind, lieber klein schneiden und kompostieren. Wenn es, wie in diesem Jahr, vor Ostern viel geregnet hat und das Zeug nass ist, wird das Osterfeuer zur Dreckschleuder. Kaminofenbesitzer werden gezwungen, Feinstaubfilter nachzurüsten oder ihre alten Öfen gegen neue, emissionsarme Öfen auszutauschen, aber beim Osterfeuer sind offenbar sämtliche Emmissionsschutzverordnungen außer Kraft gesetzt.

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    2. Ja, das verstehe wer will. Den Grünschnitt könnte wirklich gut anders loswerden - besser wären zentrale Container hierfür, denn die Grüne Tonne ist für manche ein wenig klein. In unserem Ort werden auch die Holzfeuerungen zumindest zur Geruchsbelastung der Umgebung. Manchmal kann man nachts kaum lüften.
      Früher habe ich das auch nicht so gemerkt, aber die Feuer nehmen anzahlmäßig zu und "man" reagiert immer allergischer ... da sollte wirklich mal gegengesteuert werden. Man will kein Spielverderber sein, doch sollte bei alledem auch an alte Menschen, kleine Kinder und Kranke gedacht werden, die hier fleißig und gedankenlos eingenebelt werden.

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