Freitag, 22. Mai 2015

Totgesagte leben länger

Wieder vital: Die beim Küchenbrand vor zwei Monaten
verschmorten Geranien haben überlebt.
Die Kraft des Lebens ist immer wieder ein Wunder, sie wirkt auch da, wo ernste Zweifel angebracht sind. So wie bei unseren Küchengeranien. Sie heißen so, weil wir sie immer in unserer großen Küche überwintern. Das schon seit mehreren Jahren. Dort ist es nicht wirklich warm, aber es gefiel ihnen trotzdem.
Bis zu unserem Küchenbrand. Was ich danach im Topf in den Händen hielt, war nur noch ein Schatten der schönen großen Pflanzen, die gerade schon wieder begonnen hatten zu blühen: Die grünen Triebe von schwarzem Ruß verklebt, die Blätter in der Hitze zusammengeschmort. Merkwürdig, der Anblick des zerstörten Herds und der nun schwarzen Küche schmerzte weniger als dieses Jammerbild.
Ich entschloss mich zur Radikalkur. Umtopfen, weil auch auf der Erde dieser stinkende Ruß lag, alle Triebe möglichst weit zurückschneiden. An den Spitzen war das Gewebe weich(-gekocht), an der Basis wurde es fester, aber hatten die Pflanzen den Hitzeansturm überlebt oder taten sie nur so? Ich war gleichzeitig skeptisch und hoffnungsfroh, dass in ihnen noch Leben steckt. Knapp zwei Monate nach dem Unglück hat mir der Anblick des Blumentopfes ein Lächeln ins Gesicht gezaubert: Überall neue Triebe, feste schöne Blätter. Beide Geranien, die weiße und die rosafarbene, die zusammen wohnen, haben überlebt.
Im Vergleich zu den beiden Geranien kosten Herd und Schränke ein Vermögen, aber dieses Erwachen der geliebten Blumen hat mich überreich beschenkt. Nicht alles lässt sich in Euro aufwiegen.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen