Dienstag, 21. Juli 2015

Die Inka und das Lama

Noch mit Wintermantel: Die Lamas und die Alpakas vor der Schur in ihrem Stall.
"Für die Zivilisation der Inka war das Lama von überragender Bedeutung", lese ich bei Wikipedia. Die Inka und das Lama gehören also zusammen wie die Sami und das Rentier. Bislang war ich offenbar die einzige Inka, die noch nie eine direkte Begegnung mit einem Lama hatte. Es wurde also höchste Zeit, diese nachzuholen. Heute hatte ich endlich die Gelegenheit dazu. Bekannte von uns, die ein paar Dörfer weiter wohnen, wollten ihre drei Lamas und ihre drei Alpakas scheren lassen und konnten zwei helfende Hände gut gebrauchen. Also machte ich mich mit dem Fahrrad auf den Weg dorthin ...

Während die kleineren Alpakas zum Scheren auf die Seite gelegt werden, werden die größeren Lamas in einem soliden Behandlungsstand fixiert.
Im Gegensatz zu Schafen kann man Lamas nicht in eine Sitzposition bringen, in der sie dann relativ ruhig verharren und das Scheren über sich ergehen lassen. Nein, Lamas sträuben sich mit aller Kraft gegen diese alljährlich notwendige Prozedur und strampeln wie wild. Während die kleineren Alpakas auf die Seite gelegt und von drei Leuten an Kopf, Schulter und Beinen festgehalten werden, sind die größeren Lamas kaum zu bändigen. Deshalb werden sie in einem Behandlungsstand aus Stahlrohren fixiert. Das Gestell muss gut festgehalten werden, damit es nicht mitsamt dem widerspenstigen Lama umfällt.

Damit sich das Lama ruhig verhält, wird sein Kopf weit 
nach oben gezogen.
Der Lamascherer, ein Tierpfleger vom Zoo Hannover, arbeitete ruhig und routiniert, und bald waren die ersten Säcke mit der superweichen, flauschigen Wolle gefüllt. Bis alle sechs Tiere von ihrem Winterpelz befreit waren, vergingen allerdings mehrere Stunden. Nicht nur für den Lamascherer, sondern auch für uns Helfer war das eine anstrengende Arbeit. Für die Tiere aber war es purer Stress, und auf dem Nachhauseweg fragte ich mich, ob wir Menschen den Tieren solchen Stress überhaupt zumuten dürfen. Die Lamas nicht zu scheren und die Wolle einfach immer weiter wachsen zu lassen, ist leider keine Option, denn unter der dichten Wolle würden die Tiere im Sommer stark schwitzen, und Parasitenbefall wäre ein weiteres Problem. Lamas und insbesondere die Alpakas sind  ja eigens mit dem Ziel gezüchtet worden, einen möglichst hohen und hochwertigen Wollertrag zu liefern.
Für uns Veganer ist die Nutztierhaltung ja generell problematisch. Wer es ablehnt, die Lamas scheren zu lassen, müsste konsequenterweise dafür eintreten, dass diese von Menschen domestizierte und durch züchterische Auslese entstandene Tierart ausstirbt. Aber es wäre sehr schade, wenn es so weit kommen würde, denn die Lamas sind durchaus liebenswerte Tiere. Besonders faszinierend finde ich neben dem äußeren Erscheinungsbild ihre Lautäußerungen. Wenn die Tiere zusammen im Stall stehen, geben sie fortwährend  lustige Laute von sich, die wie kleine Seufzer klingen.

Kommentare:

  1. Die Unstrut-Lamas werden duch den Tierzahnarzt sediert, die Zähne gerichtet und während der Betäubung gleich geschoren. Wenn sie dann wieder aufwachen, erkennen sie sich nicht. Sie staunen und beschnuppern sich immerzu.

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    1. Danke für den Hinweis auf diese weitgehend stressfreie Methode. Wenn die Sedierung nur einmal im Jahr erfolgt, erscheint mir das unter gesundheitlichen Aspekten durchaus vertretbar. Außerdem kann man dann ja das Scheren selbst übernehmen, sofern man eine Schermaschine besitzt.

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