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Montag, 21. Dezember 2015

Wo wohnen die Wichtel?

Für alle, die sich das auch schon einmal gefragt haben, ist hier die Antwort: Ihre Adresse lautet Waldweg 7. Woher ich das weiß? Auf unserem jüngsten Hundespaziergang sind wir an ihrem "Baumhaus" vorbeigekommen. Leider hatten wir keine Taschenlampe dabei, um in die dunkle Wohnung am Fuß der knorrigen Eiche zu leuchten. Aber es wäre vielleicht auch etwas aufdringlich gewesen, wenn wir uns vor dem Eingang auf den Bauch gelegt und frech in die Wichtel-Wohnung gelinst hätten. Als Journalistin bin ich zwar von Berufs wegen neugierig, aber zuweilen muss man seine Neugier auch zügeln können. Wahrscheinlich wäre es besser, den Wichteln zunächst einen lieben Brief zu schreiben und vorsichtig anzufragen, ob unser Besuch auch wirklich erwünscht ist. Ihre Adresse haben wir jetzt ja (siehe oben).

In Deutschland hat alles seine Ordnung, und deshalb haben selbstverständlich auch die Wichtel-Wohnungen am 
Waldweg Hausnummern.

Montag, 27. April 2015

Nächtliche Begegnungen

Im Lichtkegel der Taschenlampe sehen wir einen Teichfrosch auf dem Weg zum Wasser.
Nächtliche Klimmzüge am Rand eines
Blumenkübels. Eine kleine Gehäuse-
schnecke erpart sich den beschwer-
lichen Weg und lässt sich von der 
großen Weinbergschnecke huckepack
transportieren. 
Der tägliche Gartenrundgang mit der Kamera ist zu keiner anderen Jahreszeit interessanter als jetzt im Frühling. Es blüht und grünt so vielfältig und intensiv, dass wir Gefahr laufen, an Reizüberflutung zu leiden. Vielleicht sollten wir den Gartenrundgang lieber nachts im Dunkeln machen. Dann ist der Blickwinkel auf den schmalen Lichtkegel der LED-Taschenlampe beschränkt, und die ganze Blütenpracht wird nur selektiv wahrgenommen. Gestern Abend haben wir es ausprobiert, und es war wirklich spannend. Während tagsüber die Blüten der Blumen, Büsche und Bäume unsere Aufmerksamkeit auf sich ziehen, sind sie im Taschenlampengefunzel nicht so reizvoll, und wir entdecken andere Gartenbewohner, die wir am Tag gar nicht wahrgenommen haben, weil wir von den Blüten zu stark abgelenkt waren. Wir begegneten zum Beispiel einem Teichfrosch auf dem Weg zum Wasser und sahen im Vorgarten eine ganze Gruppe von Weinbergschnecken. Auf einer der Weinbergschnecken saß eine kleine Gehäuseschnecke, und es sah fast so aus, als hätte eine Schneckenmutter ihr Kind huckepack genommen.
Heute war es für derlei nächtliche Begegnungen zu kalt. Nach dem Temperatursturz infolge des Gewitters gestern haben wir heute Nacht nur noch vier Grad.

Samstag, 6. Dezember 2014

Stroh im Kopf

Seit heute treffe ich ihn wieder jeden Tag auf dem Weg mit dem Fahrrad zum Einkaufen: den Weihnachtsmann. Er steht etwas abseits von der Straße, aber für Auto- und Radfahrer gleichermaßen gut sichtbar, auf dem Stoppelfeld neben der Weihnachtsbaumplantage, auf der es außer Weihnachtsbäumen auch reichlich Glühwein, Gegrilltes, Musik und sogar Kunsthandwerk gibt – da wird der Weihnachtsbaumkauf fast zur Nebensache. Der Weihnachtsmann spielt für den Bauern aus unserem Dorf, dem die Plantage gehört und der den Wald-Weihnachtsmarkt betreibt, freundlicherweise den Grüßaugust.
Lustig finde ich, dass der Weihnachtsmann tatsächlich nur Stroh im Kopf hat. Dafür ist der Kopf aber auch ziemlich groß geraten, das Mützchen hingegen umso kleiner. Statt des üblichen roten Mantels trägt einen Tarnanzug aus Tannenzweigen, aber künstlerische Freiheit muss sein.

Einen schönen zweiten Advent!

Freitag, 5. September 2014

... und noch eine abendliche Begegnung

Einer hübscher, noch relativ kleiner Igel. Wegen des Blitzes kneift er (verständlicherweise) die Augen zusammen.
Gestern eine Heuschrecke, heute ein Igel: Auf unserem allabendlichen Hundespaziergang gibt es eigentlich immer etwas zu entdecken. Dieser Igel flitzte vor uns über die Straße und versteckte sich dann unter den über einen Gartenzaun hängenden Zweigen eines Strauches. Ich machte zwei Fotos und ließ ihn dann in Ruhe. Das faszinierende bei Igeln: Sie machen in jeder Nacht die gleiche Runde. Wenn man einen an einem Abend an einer bestimmten Stelle gesehen hat, muss man nur um am nächsten Tag um die gleiche Zeit wieder dort sein, um ihm erneut zu begegnen.

Donnerstag, 4. September 2014

Im Lichtkegel der Taschenlampe

Diese Heuschrecke war heute Abend noch ziemlich spät unterwegs. Ist sie nicht wunderschön?!
Dass uns auf unserem allabendlichen Hundespaziergang Igel über den Weg laufen und Fledermäuse um die Ohren flattern, sind wir schon gewohnt. Auch Kröten und Molche auf dem Weg zum Dorfteich haben wir schon oft gesehen und einmal sogar eine Blindschleiche, die sich mitten im Dorf über die Straße schlängelte. Heute Abend aber wären wir beinahe auf ein Tier getreten, dass sonst eigentlich eher tagsüber unterwegs ist. Im Lichtkegel der Taschenlampe tauchte plötzlich einen halben Meter vor uns stattliche Heuschrecke auf. Sie war offenbar auf dem Weg aus der Wiese in den Gehözstreifen auf der anderen Straßenseite. Wir waren ganz fasziniert von diesem schönen Insekt. Zum Glück ist die schmale Straße, die eigentlich nur ein ausgebauter Feldweg ist, nachts so gut wie nicht befahren, und so ist die Gefahr, dass das Tier unter die Räder kommt, eher gering. 

Montag, 1. September 2014

Mein lieber Schwan, das war knapp!

Der Schwan vorne sieht eigentlich ganz friedlich aus,
aber tatsächlich war er ziemlich auf Krawall gebürstet.
Als ich heute nach einem Termin in Uelzen am Ratsteich vorbeikam und und die vielen Enten auf dem Wasser sah – ich liebe Stockenten! –, holte ich sogleich meine Kamera aus dem Rucksack, hockte mich ans Ufer und machte ein paar Bilder, und dann wäre ich vor Schreck fast ins Wasser gefallen, denn plötzlich fauchte es ganz fürchterlich, und im Kameradisplay tauchte ein Schwan auf, der offenbar von meiner Anwesenheit am Ufer not amused war. Ich hatte ihn gar nicht kommen gesehen, da die bis fast ins Wasser hinabhängenden Zweige eines Ahorns eine Art grünen Vorhang bildeten, der das Sichtfeld etwas einschränkte.
Jetzt näherte sich auch noch ein zweiter Schwan. Der erste hasste es offenbar, fotografiert zu werden. Bedrohlich stieß er mit dem Schnabel in Richtung Objektiv. Offenbar wollte er mir die Kamera aus der Hand schlagen. Schnelle machte ich noch ein Foto von den beiden zornigen Wasservögeln und suchte dann vorsichtshalber das Weite.

Freitag, 23. August 2013

Von der Wiese in den Mixer

Die gesammelten Kräuter kommen komplett
in den Mixer.
Für eine Geschichte, die in der Herbstausgabe des Südheide-Magazins erscheinen wird, war ich heute bei einer Familie, bei der seit drei Jahren die Küche kalt bleibt. Die Familie ernährt sich ausschließlich von Rohkost. Gekochtes, Gebratenes und Gebackenes kommt in dem Haushalt nicht auf den Tisch. Kein Kaffee, kein Brot, keine Brötchen, keine Milch, keine Butter, kein Käse, kein Suppe, keine Nudeln und Fleisch sowieso nicht – ist das nicht ein trauriges Leben, wenn man auf so Vieles verzichtet und stattdessen nur Kohlrabi kaut und Möhren mümmelt? Nein, ganz und gar nicht! Weder die Eltern noch die Kinder sind in dieser Familie spaßlos und verbiestert. Im Gegenteil: So fröhliche, lebenslustige Menschen wie sie trifft man selten. Und das Essen ist so vielseitig und mit viel Kreativität zubereitet, dass man aus dem Staunen nicht mehr herauskommt.
In der Küche haben wir zunächst im Mixer Mandeln zerkleinert und daraus einen leckeren Milkshake hergestellt.

Der grüne Smoothie schmeckt wirklich so
lecker, wie er aussieht.
Dann haben wir zartschmelzende, aber zucker- und schokoladenfreie Pralinen hergestellt, in weniger als fünf Minuten einen Kuchen gezaubert, und dann sind wir hinaus auf die an den Garten angrenzende Wiese gegangen und haben Melde, Beifuß, Brennnesseln, Löwenzahn, Spitzwegerich, Sauerampfer und vieles mehr gesammelt und diese Wildkräuter anschließend wieder in den Mixer gegeben. Zusammen mit einer Birne, Banane, Kiwi und Melone (alles aus Bio-Anbau) ergab das einen grünen, gesunden, vitaminreichen und supergut schmeckenden Smoothie. Und zum Abschluss haben wir noch auf der Basis von Mandelmasse (ein "Abfallpropdukt" des Mandel-Milkshakes) einen Käse "gebastelt".
Ich war so begeistert, dass ich mir jetzt sofort ein Rohkost-Rezeptbuch bestellen werde. Auch wenn ich wahrscheinlich nicht aufs Kochen und Backen verzichten werden, kann ich doch zumindest viel mehr Rohkost in unseren Speiseplan einbauen.
Mehr über  die "Rohkost-Familie" in der Calluna- Herbstausgabe, die voraussichtlich ab 23. September erhältlich sein wird.

Samstag, 29. September 2012

Die letzte Torfstechmaschine im Großen Moor

Die 1968 im Emsland gebaute Torfstechmaschine sieht vielleicht schon etwas schäbig aus, ist technisch aber noch völlig in Ordnung und funktioniert einwandfrei.
Die Autorin im Moor zwischen den von der
Maschine gestochenen Torfstücken.
Jahrhunderte lang wurde im Großen Moor bei Gifhorn  Torf abgebaut, der vor allem als Brennstoff, aber auch als Dünger diente. Doch damit ist bald endgültig Schluss, denn der Torfabbau zerstört das Moor. Durch Wiedervernässung wird ein ökologisch wertvoller Rückzugsraum für viele Tier- und Pflanzenarten geschaffen. Von der einst florierenden Torfindustrie sind nur noch spärliche Reste vorhanden.
Ich hatte heute für Calluna die Gelegenheit, die letzte Torfstechmaschine im Einsatz zu fotografieren und mit einigen alten Herren zu sprechen, die ihr ganzes Arbeitsleben lang im Moor zugebracht haben. "Wir sind nie nach Spanien geflogen und waren trotzdem immer braun wie Urlauber", amüsierte sich einer der ehemaligen Torfstecher. "
Als Kohle, Öl und Gas die Nachfrage nach Brenntorf sinken ließen, wurden viele der Torfstechmaschinen entweder ins Ausland verkauft oder verschrottet. Düngetorf wird ja nicht in Brikettform benötigt, sondern lose oder als Sackware angeboten. Das Abfräsen der Torfschichten für den Düngetorf ist ziemlich unspektakulär – ganz im Gegensatz zur Brenntorfabbau. Die Torfstechmaschine rattert und rumpelt, dass der weiche Moorboden ins Schwingen gerät, macht ordentlich Lärm und stößt schwarze Qualmwolken aus. Und es stinkt ganz fürchterlich nach faulen Eiern, wenn der im Moorboden gebundene Schwefelwasserstoff freigesetzt wird. Obwohl ich am Ende die Nase buchstäblich voll hatte, war es ein spannender Nachmittag, an dem ich viel gesehen und erfahren habe. Mehr über meinen Besuch im Moor in der Calluna-Winterausgabe.

In einem Arbeitsgang sticht die Maschine den Torf und stellt die Stücke neben dem frisch
gezogenen Graben wie Dominosteine zum Trocknen auf.

Dienstag, 3. Januar 2012

Begegnungen mit Ulli und Käthchen

Friedlicher und lieblicher als Ulli: das flammende Käthchen.
Heute hat uns Ulli heimgesucht. Er fegte buchstäblich wie der Wirbelwind über uns hinweg. Das Männer immer gleich so stürmisch sein müssen! Naja, Ulli  ist mir, ehrlich gesagt, immer noch sympathischer als sein Kollege Kyrill, der es auf den Monat genau vor vier Jahren auf mich abgesehen hatte und mich erst fast mit einer fliegenden Schubkarre und dann mit einer ausgewachsenen Kiefer, die er mit einem heftigen Schlag in die Krone zu Fall brachte, erschlagen hätte.
Hau bloß ab, Ulli, und lass uns in Ruhe! Und pass auf, wo Du hintrittst! Nicht, dass Du uns noch das Haus oder die Scheune beschädigst!
Solange draußen Ulli wütet, bleibe ich lieber drinnen am warmen Ofen bei Käthchen. Meine neue Freundin mit dem altmodischen Namen ist im Gegensatz zu Ulli eine ganz sanfte und liebliche. Und obwohl ich keinen Alkohol trinke, sehe ich Käthchen seit Wochen doppelt, und seit Silvester sogar vierfach. Wohin im Haus ich auch gehe, Käthchen ist schon vor mir da. Heute bin ich ihr im Esszimmer, im Wohnzimmer, im Büro und in der Küche begegnet. Aber Käthchen ist nicht gleich Käthchen. Obwohl alle vier denselben Namen und eine gewisse Ähnlichkeit haben, sind sie durchaus gut voneinander zu unterscheiden. Das Käthchen im Arbeitszimmer präsentiert sich keck in Pink, das im Esszimmer trägt provozierendes Rot, und das in der Küche hat sich ganz in Weiß gewandet. Mein Lieblingskäthchen ist aber das, das ich Silvester zu meinem Geburtstag bekommen habe. Es hat gefüllte weiße Blüten und sieht fast aus wie eine Mini-Hortensie, wenn da nicht die dicken, fleischigen Blätter wären, die ihre Herkunft aus warmen Gefilden verraten. Käthchens Heimat ist nicht etwa, wie der Name vermuten lässt, die deutsche Provinz, sondern tropisches Gebiet in Afrika und Asien. Käthchen ist eigentlich auch nur der deutsche Kosename. Mit richtigem Namen heißt meine Freundin Kalanchoe blossfeldiana, aber wer soll sich so einen Namen merken?
Die Kalanchoen sind eine sehr große Sukkulenten-Gattung, und das Käthchen, das meist, vor allem, wenn es rot ist, als flammend bezeichnet wird, ist die bekannteste Vertreterin dieser Gattung. Das flammende Käthchen wurde um 1930 von dem der Berliner Samenhändler Blossfeld in den Handel gebracht. Die einzelnen Blüten der Pflanze sind ziemlich klein, da sie aber in dichten Dolden zusammensitzen, wirkt der Blütenschmuck sehr üppig. Deshalb und auch, weil es sich ebenso wie wir, im gut beheizten Räumen wohlfühlt,  zählt das Flammende Käthchen inzwischen zu den beliebtesten Blütenpflanzen und hat dem Weihnachtsstern und anderen typischen Winterpflanzen fürs Zimmer längst den Rang abgelaufen. Und so ist es auch kein Wunder, dass wir uns jetzt im Winter alle gegenseitig mit Käthchens beglücken. Vier Stück habe ich ja jetzt bereits, und ich bin gespannt, wieviele es noch werden. der Winter hat ja gerade erst begonnen.
Bis morgen!