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Montag, 21. März 2016

Reiche Ernte aus dem Großstadtdschungel

Brachflächen, Balkone, Hinterhöfe: Burkhard Bohne ist ein Fan der neuen Gemeinschaftsgärten und hat 
darüber jetzt ein Buch geschrieben. Foto: Kerstin Mumm
Berlin und Braunschweig – zwei Städte, die sonst nicht viel gemeinsam haben, außer vielleicht dem „B“ am Anfang. Berlin ist nicht nur Deutschlands Hauptstadt, sondern gleichzeitig auch noch die bevölkerungsreichste und von der Fläche her größte Gemeinde der Republik. Und noch etwas: Berlin ist die Keimzelle einer städtischen Gartenbewegung, die vor tristen Hinterhöfen nicht haltmacht und auch nicht vor fremder Leute Grundstücke. Gärtnermeister Burkhard Bohne, den wir auch schon einmal für eines unserer Gartenprojekte gewinnen konnten,  hat sich von Braunschweig aufgemacht in den Großstadtdschungel, hat Seminare gegeben, sich selbst inspirieren lassen. Die Früchte (nicht nur) seiner Hauptstadtbesuche gibt es jetzt ganz neu in Buchform: „Garden your City“, erschienen bei Kosmos.
Das neue Buch von Burkhard
Bohne.
Die Begegnung mit „Gartenaktivisten, die nicht viel wissen, aber unendlich neugierig sind“, waren eine belebende Erfahrung. Die Idee, die daraus gewachsen ist, bringt Kräuterworkshops, wie sie der Leiter des Arzneipflanzengartens der Technischen Universität Braunschweig seit Jahren gibt, mit dem Gedanken des „Urban Gardening“ zusammen. „Gerade mit Kräutern kann jeder auf kleinstem Raum einen wesentlichen Beitrag zur Eigenversorgung leisten“, sagt Bohne. Gärtnerisches Basiswissen über Boden, Mischkulturen und Pflanzenauswahl hat er in seinem neuen Ratgeber verbunden mit Anregungen für Recyclingprojekte, Kübelgärten bis hin zur Vorstellung sozialer Gemeinschaftsgärten. Die Betonung liegt auf „Ratgeber“. Lifestylebücher, die den Trend des „Urban Gardening“ besingen, aber außer ein paar hübschen Fotos wenig Substanz haben, gibt es ohnehin genug.
Die Prinzessinnengärten in Kreuzberg sind vielleicht das berühmteste Beispiel für eine ungewöhnliche, mitunter unerlaubte Landnahme. Auf der Brachfläche, die dem Land Berlin gehört, werden in Kästen und Containern – Hauptsache beweglich – Biogemüse, Obst und Kräuter gezogen. Der Pachtvertrag wird jeweils nur für ein Jahr verlängert, hier entstehen keine Gartenanlagen für die nächsten Jahrhunderte. Die Nutzung der Brachflächen ist ein organischer Prozess.
Es geht nicht nur um Gemüse, sondern um Gemeinschaft. „Der Gedanke dahinter ist, jeder kann teilhaben und mitmachen. Das kann Nachteile haben, hat vor allem aber viele Vorteile“, sagt Bohne. Diese Experimentierfelder öffnen in seinen Augen das Gärtnern für die nächste Generation. Sie überwinden Alters- und kulturelle Grenzen. „Ist das der Anfang einer neuen Gartenkultur? Ich wusste es anfangs nicht, aber es könnte sein“, meint Bohne. Diese andere Form der Gartenkultur hat etwas Zukunftsweisendes, indem sie Aspekte der Ressourcenschonung (Transportwege, Recycling) mit denen der gesunden Ernährung, der gesellschaftlichen Teilhabe, der Stadtentwicklung, der sozialen Gemeinschaft und des Umweltschutzes zusammenführt.
Bohnes Heimatstadt Braunschweig ist nicht Berlin und eher Entwicklungsland, was gärtnerischen „Wildwuchs“ auf öffentlichen Flächen oder gerade nicht genutzten Grundstücken angeht. Aber neben Fotos aus Kreuzberg zeigen andere den Bebelhof in Braunschweig. Projekte wie der Stadt(Statt-)Garten weisen den Weg, wohin die Entwicklung gehen könnte. Menschen, die sich sonst kaum begegnet wären, kümmern sich hier um die Pflanzkisten. Die Volkshochschule managt den Gemeinschaftsgarten, sodass viele Unwägbarkeiten von der professionellen Unterstützung bis hin zur finanziellen Ausstattung gleich von vornherein wegfallen. Auch das habe seine Vorteile, sagt Bohne.
Mehr Mut zu mehr Grün in der Stadt, den wünscht er sich oder mit anderen Worten: „Garden your City“.
Burkhard Bohne, Kerstin Mumm (Fotos), „Garden your City“, Verlag Kosmos, 176 Seiten, 334 Farbfotos, Klappenbroschur, ISBN 978-3-440-14971-3, 
20 Euro.

Donnerstag, 16. April 2015

Buchtipp: "Pinnegars Garten"

Altmodisch und modern zugleich: "Pinnegars Garten" von
Reginald Arkell.
"Die vormalige Eigentümerin hatte den Wunsch geäußert, dass Sie hier als eine Art - äh - Schutzengel fungieren, solange Ihre Gesundheit und Kräfte es zulassen, aber 'Schutzengel' sind in unserer Welt modernen Welt doch wohl fehl am Platze ..." Mit diesen dürren Worten soll Herbert Pinnegar, einst Obergärtner, mal eben nach 60 Jahren abserviert und ihm ein neuer Chef vor die Nase gesetzt werden. Das könnte ein Satz aus unserer Zeit sein, dabei führt uns die Geschichte von "Pinnegars Garten" von Reginald Arkell in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, ja eigentlich in die der damaligen Jahrhundertwende zurück, als in England (und nicht nur dort) Obergärtner und ganze Herrscharen von Bediensteten wunderbare Obst-, Gemüse und Blumengärten umsorgten. Das ist auf einmal viel zu teuer, nicht mehr zeitgemäß, und Pinnegar, dieser störrische Mann, passt dem jungen Verwalter  nicht mehr ins Konzept.
Zum Glück wendet sich alles zum Guten, weil es da doch noch Menschen mit Anstand gibt, die eine Achtung vor Gärten und den "Zauberern" haben, die mit Erfahrung und Schweiß dieses menschengemachte Wunderwerk am Gedeihen erhalten.
Eine wunderbare Geschichte über eigensinnige und leidenschaftliche Menschen, über Klassengrenzen, die die gegenseitige Achtung von Menschen auf der einen und anderen Seite nicht ausschließt, und über die zerbrechliche Welt der Gärtner, die ihr Reich von eben auf jetzt an die Natur oder bauwütige Gleichgültigkeit verlieren können.
"Pinnegars Garten" Unionsverlag, ist altmodisch und modern zugleich. Und wenn wir nach der Lektüre die erste Erdbeere des Jahres essen und die erste Königskerze blühen sehen werden, erinnern wir uns an "alte Zeiten", die wir nie erlebt haben, und dürfen uns trösten, warum ohne Obergärtner in unseren Gärten nicht alles perfekt sein kann.

Freitag, 6. März 2015

Landleben anno 1792

Keine Neuerscheinung, aber unbedingt lesenswert: "Mein
Cottage-Tagebuch" entführt ins Jahr 1792.
Überraschungsfund in einer Buchhandlung: Zwischen  lauter Gartenbuchtiteln fällt uns Fiona J. Houstons "Cottage-Tagebuch" (Verlag Gerstenberg) erst ins Auge und dann in die Hände.
Eine Frau mit Leidenschaft für Archäologie und verfallene Bauernhäuser in den schottischen Highlands lässt sich auf ein persönliches Abenteuer ein, dreht die Zeit mehr als 200 Jahre zurück und erlebt ein Jahr Landleben wie 1792 in einem einfachen Cottage.
Ein paar Zugeständnisse gibt es: Ein dringend benötigter zusätzlicher Eimer fürs Schmutzwasser ist "nur" 80 Jahre alt. Die Hundehaltung war, das hat sie aus alten Quellen erfahren, durchaus verbreitet, der Hundespaziergang eher nicht, den absolviert sie in Jeans und Regenjacke. Ansonsten aber hat sie sich zeitgemäß gekleidet, braucht morgens lange, bis diverse Unter- und Überröcke, Schürzen und Haube angezogen sind.
Gerstenfladen und Haferbrei ersetzen Müsli und Frühstücksbrötchen, sie kocht Brennnesselsuppe  und macht Käse, hackt Holz und schleppt frisches Wasser im Eimer heran, sie ärgert sich über durchnässte Rockschöße und isst Pastinaken aus dem eigenen Garten, hört Eule und Brachvogel rufen.
Tagebuchnotizen werden ergänzt von der Nähanleitung fürs Unterhemd aus Leinen und Rezepte aus dem 18. Jahrhundert (zugegeben, Kaninchen wäre bei uns gleich vom Speiseplan gestrichen, ebenso wie Milch oder Butter). Wie Gallus-Tinte angerührt wird, können wir ebenso lernen, wie den Garten im Jahresverlauf zu bewirtschaften.
Ein Buch, das lehrreich ist und gleichzeitig Spaß macht. Der Spruch "früher war alles besser" wird nicht in seiner Sinnhaftigkeit bestätigt, aber die Erkenntnis "früher war alles echter", die wird hier mit Leben gefüllt.

Donnerstag, 7. August 2014

Zu Gast in Celles 1. veganen Café

Nettes Ambiente, leckerer Kaffee mit Mandelmilchschaum
und dazu Kuchen und Torte – alles vegan.
Heute Nachmittag bin ich mit unserer spanischen Freundin Cristina, die morgen leider schon wieder abreist, nach Celle gefahren, um ihr die alte Residenzstadt zu zeigen, die mit ihren mehr als 400 Fachwerkhäusern und zahlreichen architektonisch bedeutende Gebäuden im Bauhaus-Stil einzigartig in Deutschland ist. Auf unserem Stadtrundgang besuchten wir selbstverständlich auch das wunderschöne weiße Renaissance-Schloss der Celler Herzöge, die 123 Jahre lang zugleich auch Könige von England waren, und flanierten durch die Alleen des Französischen Gartens. Für unsere Kaffeepause hatten wir uns das Café Veg-Ruf ausgewählt, das vor genau fünf Monaten eröffnet hat und Celles erstes veganes Café ist. Es befindet sich in der Hafenstraße, fast direkt an der Aller, und grenzt direkt an den Großparkplatz am Schützenplatz, wo viele Celle-Besucher (auch wir) parken. Auf dem Weg vom Parkplatz zur Innenstadt kommt man also zwangsläufig am Veg-Ruf vorbei, und man kann nur hoffen, dass diese strategisch günstige Lage dem Café viele Gäste beschert, die einfach mal testen wollen, wie lecker veganes Essen sein kann.
Betrieben wird das Café von Martina und Malte, die viele Jahre mit ihrem Trans-Fair-Bus durch Deutschland gereist sind, um auf Märkten fair gehandelte Produkte zu verkaufen. Aus alter Verbundenheit zu ihren Lieferanten in Sri Lanka bieten die Beiden weiterhin Fair-Trade-Fußmatten und Taschen an, die im Café erhältlich sind.
In diesem kleinen "Hexenhäuschen" befindet sich Celles erstes
vegane Café, das den Anspruch hat wachzurütteln und deshalb
"Veg-Ruf" heißt.
Malte war 30 Jahre Vegetarier, bevor er sich für die vegane Lebensweise entschied – der Tiere wegen. Der Name des Cafés ist Programm, und ein auf die Hauswand gemalter Rasselwecker unterstreicht den Anspruch, der beiden Café-Betreiber, alle Leute, die gedankenlos tagtäglich tierische Produkte konsumieren, wachzurütteln. Dieses geschieht täglich außer dienstags ab 12 Uhr (geöffnet ist bis 18 Uhr) mit diversen Kaffeespezialiäten. Den Milchschaum zaubern Malte und Martina entweder aus Soja- oder Mandelmilch. Wir bevorzugen letztere.
Zum Kaffee – wir bestellten einen Cappuccino und einen Milchkaffee – gönnten wir uns ein Stück Schoko-Käsekuchen und ein Stück Marzipan-Nusstorte. Beide waren superlecker und man merkte, dass mit guten Zutaten nicht gespart worden war. Da ich aber nicht so die Tortenfreundin bin, ist der Schoko-Käsekuchen mein Sieger nach Punkten.
Auch der Snack, der am Nebentisch verspeist wurde, schien offenbar zu schmecken, denn er wurde ehrlich gelobt. Gut sah er sowieso aus.
Neben Muffins, Hotdogs und belegten Brötchen gibt es auch ein Wochengericht (aktuell Kartoffelsalat mit veganem Hacksteak) sowie veganes Eis.
Die Preise sind angemessen, das Ambiente hell und freundlich, und die Gäste kommen schnell mit den Betreibern ins Gespräch. Für Martina und Malte scheint das Café zugleich Esszimmer, Wohnzimmer und Arbeitszimmer zu sein, und man kann Malte dabei zuschauen, wie er seine Büroarbeit erledigt, wenn gerade mal kein Gast zu bedienen ist.
Hoffentlich hören viele den "Veg-Ruf" und folgen ihm in die Hafenstraße, damit sich Celles erstes vegane Café bald etabliert hat.

Montag, 31. März 2014

Ostereier für Igel

Martina Schulenburg hilft seit mehr als
20 Jahren kranken und schwachen Igeln
über den Winter.
Erinnern Sie sich noch an die Geschichte "Ein Fulltime-Job" über Martina Schulenburg und ihre Igelstation in der Calluna-Herbstausgabe 2013? Seit mehr als 20 Jahren hilft die ehemalige Gemeindeschwester kranken und verletzten ebenso wie schwachen und untergewichtigen Igeln über den Winter. Zeitweise beherbergt sie in ihrem Haus in Ummern bis zu 60 Igel gleichzeitig. Jeder Euro, den sie und Ehemann Bernd erübrigen können, fließt in die Igelstation, und ihre Arbeit ist sowieso unbezahlbar.
Um über die Futter- und Geldspenden hinaus noch ein wenig Geld für die Igelstation zusammen zu bekommen, nutzt Martina Schulenburg jetzt ihr zweites Hobby, für das sie wegen der vielen Igel leider nur viel zu selten Zeit hat: das Malen.
Ein Igelbaby, gemalt von
Martina Schulenburg.
Im Hinblick auf Ostern hat sie jetzt Ostereier bemalt. 200 Stück zeigt sie jetzt in einer kleinen Osterausstellung in den Räumen des Praxisteams in Wahrenholz, im Syke 14, Telefon 05835/1616. Die Eier sind aber nicht nur zum Anschauen, sondern sollen möglichst alle verkauft werden – damit die Igel auch im nächsten Winter wieder genug zu fressen haben.
Als Beweis dafür, dass Martina Schulenburg durchaus künstlerisches Talent hat, zeigen wir hier (siehe rechts) noch einmal ihr in Öl gemaltes Igelbaby, das so klein ist (das Baby, nicht das Bild), dass es noch nicht einmal eine Hand ausfüllt.

Samstag, 1. März 2014

Einer der besten Bio-Läden Deutschlands

Stefanie Pabst-Lalla (links) nahm von Gabriele Augenstein, Chef-
redakteurin der Zeitschrift Schrot&Korn, die Urkunde entgegen.
Die Leserinnen und Leser des Naturkostmagazins Schrot&Korn haben entschieden: Die Bio-Scheune Leiferde gehört zu den besten Bio-Läden Deutschlands. Wir freuen uns mit der Ladeninhaberin Stefanie Pabst-Lalla, die seit vielen Jahren das Südheide-Magazin Calluna als Werbeplattform nutzt, über diese schöne Anerkennung ihrer Arbeit.
Im November 2013 rief Schrot&Korn bereits zum zehnten Mal bundesweit dazu auf, Bioläden und ihre Leistungen zu bewerten. Über 60.400 Leserinnen und Leser folgten diesem Aufruf und bewerteten insgesamt mehr als 2.300 Bio-Läden. Von diesen wurden die besten 198 Geschäfte in den drei Größen-Klassen sowie in der Klasse „Hofläden“ auf der Branchenmesse BioFach in Nürnberg als „Bester Bioladen 2014“ in einer feierlichen Gala ausgezeichnet.
 Die Bio-Scheune wurde mit Bronze (3. Platz) für das Preis-/Leistungs-Verhältnis in der Kategorie 100 bis 399 Quadratmeter ausgezeichnet. Der Gesamteindruck wurde mit 1,2 (Schulnote) bewertet.
Stefanie Pabst-Lalla ist verständlicherweise stolz auf dieses gute Abschneiden im bundesweiten Wettbewerb und lädt ihre Kundinnen und Kunden deshalb am 14. März zu Sekt und Saft ein.

Mittwoch, 19. Februar 2014

Nützliches und Dekoratives aus Weidenruten

Noch hat das Museumsdorf Hösseringen Winterpause – die neue Saison beginnt am 16. März –, aber das neue Veranstaltungsprogramm steht bereits. Bis 7. März sollten sich alle anmelden, die an einem der beiden folgenden Kurse der Korbflechterin Diana Stegmann im Museumsdorf teilnehmen möchten:

Weidenkugeln flechten

Schöne Weidenkugeln für den Garten oder zur Deko im Haus und auf der Terrasse werden am Sonnabend, 22. März von 11 Uhr bis 15 Uhr gefertigt. Diana Stegmann zeigt, wie aus ungeschälten Weidenzweigen ein Gerüst erstellt wird, das dann beflochten werden kann. Eine solche Kugel ist ein echter Augenschmaus und eignet sich auch zum Bepflanzen.
Das Gestalten von Weidenkugeln ist für Jugendliche und Erwachsene geeignet, es sind keine Vorkenntnisse erforderlich. Die Kosten inkl. Eintritt und Material betragen 45,- Euro.


Rankstäbe mit Weiden gestalten

In einem weitere Kursus zeigt Diana Stegmann am Sonntag, 23. März, von 11 bis 15 Uhr, wie mit mehrjährigen Weiden- oder Haselnussruten und unterschiedlich farbigen Weidenzweigen zwei unterschiedliche Rankstäbe als Skulptur für den Garten oder den Pflanztopf gestaltet werden können.
Die Kosten inkl. Eintritt und Material betragen 45,- Euro.

Anmeldungen für beide Kurse nimmt Diana Stegmann unter der Telefonnummer 0 58 61-9 86 23 39, per Mail unter dianastegmann(at)gmx.net entgegen.


Freitag, 14. Februar 2014

Wandern statt surfen

In der Natur gibt es viel Spannendes zu entdecken, wie
zum Beispiel die Schaumhülle der Larven der Schaum-
zikaden, die ich an der Lutter bei Jarnsen im Landkreis
Celle fotografiert  habe.
Sie wachsen mit Smartphone und Computer auf und surfen mit größter Selbstverständlichkeit in  der digitalen Welt, aber draußen in der Natur wirken Kinder geradezu hilf- und orientierungslos und die wenigsten von ihnen können einen Hasen von einem Kaninchen und einen Ahorn von einer Kastanie unterscheiden. Doch das soll sich jetzt ändern. Das Wandern in der Natur soll an den Schulen wieder auf die Tagesordnung kommen und  Schüler wie Lehrer für biologische Vielfalt sensibilisieren. Das ist das Ziel eines neuen Projekts im Bundesprogramm Biologische Vielfalt, das vom Bundesumweltministerium gefördert wird. Grundschulen können sich bis zum 20. März dafür bewerben.

Das dreijährige Projekt "Schulwandern - Draußen erleben. Vielfalt entdecken. Menschen bewegen" soll das Konzept der "Draußenschule" an drei Grundschulen modellhaft erproben. Einen Tag in der Woche werden die Schüler draußen sein und die biologische Vielfalt direkt erkunden.

"Ich hoffe, dass die Idee der Draußenschule über das Projekt hinaus viele Nachahmer findet. Das wäre nicht nur für die Kinder ein Gewinn, sondern auch für die biologische Vielfalt. Denn wer schon als Schüler die Vielfalt der Natur bewusst erlebt, wird auch auf Dauer respektvoll mit der Natur umgehen", sagte Bundesumweltministerin Barbara Hendricks. Und Beate Jessel, Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz (BfN), ergänzte: "Die Schüler können so ihre natürliche Umgebung im Jahresverlauf bewusst wahrnehmen und erfahren die Zusammenhänge, Einflüsse und Abhängigkeiten sowie die Vielfalt in der Natur."

Das Bundesumweltministerium stellt aus dem Bundesprogramm Biologische Vielfalt rund 750.000 Euro zur Verfügung. Das BfN begleitet das Naturschutzprojekt als Bewilligungsbehörde fachlich.
Fachlich und wissenschaftlich begleitet werden die Modellschulen von den Projektträgern, dem Deutschen Wanderverband (DWV) und der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz.

Für das Projekt suchen der DWV und die Johannes-Gutenberg-Universität bundesweit drei Grundschulen in staatlicher Trägerschaft. Die Bewerbungsfrist läuft noch bis zum 20. März. Anhand der drei ausgewählten Grundschulen aus verschiedenen Bundesländern wird nach und nach ein Modellkonzept mit Handlungsanregungen und Bildungsmaterial auch für andere Schulen in Deutschland entwickelt. Gute Erfahrungen mit diesem Konzept gibt es bereits in den skandinavischen Ländern, wo die "Uteskole" schon seit Jahren etabliert ist.

Parallel zu den "Draußenschulen" bietet der Deutsche Wanderverband in den Jahren 2014 bis 2016 "Schulwandertage zur biologischen Vielfalt" an. Alle Schulen, die beim vom Bundesamt für Naturschutz jährlich durchgeführten Wandertag zur biologischen Vielfalt mitmachen, erhalten ein umfangreiches Starterset mit Infomaterialien, Flyern, Postern, Broschüren und einer speziellen Smartphone-App zum Thema. Außerdem können Schulen, die einen entsprechenden Wandertag anbieten, an einem Wettbewerb teilnehmen und so nicht nur Pate stehen für weitere Schulwanderungen sondern auch noch attraktive Preise gewinnen.

Weitere Informationen zu diesem, wie ich meine, nachahmenswerten Projekt: www.schulwandern.de.

Mittwoch, 29. Januar 2014

Reichlich Rendite durch Recycling

Zuerst wird das Papier um das Holz gewickelt, dann
der Boden gefaltet und in das Holzunterteil gepresst.
Das war's auch schon.
Was haben die Aktienkurse mit der Jungpflanzenanzucht zu tun? Eigentlich nichts, aber irgendwie doch. Die Zeitungsseiten mit den Börsennotierungen sind überwiegend schwarzweiß – beste Voraussetzungen für ein Recycling, das auf der "Samenbank" reichlich Rendite bringt.
Die Zeitungsseiten dienen als Rohstoff für selbstgemachte Anzuchttöpfchen. Ein paar Euro muss man in den Maschinenpark investieren, sprich in Buchenholzpresse und passendes Unterteil, aber dies ist eine Anschaffung, die sich wirklich lohnt und praktisch "unkaputtbar" ist, und schließlich sind auch die üblichen Torftöpfchen für die Blumen- und Gemüseanzucht im Zimmergewächshaus ziemlich teuer. Mal abgesehen davon, dass Torf aus Naturschutzgründen ohnehin nicht das beste Material für den umweltbewussten Gärtner ist.
Wie manchmal auf dem Finanzmarkt lautet auch das Motto für die Herstellung der Anzuchttöpfchen "antizyklisch zu denken", sprich, dann tätig zu werden, wenn der Aktienkurs im Keller oder draußen eine Handbreit hoch der Schnee liegt. Statt zu Stricknadeln und Wolle zu greifen, sucht man sich dann den Börsenteil, Schere und Blumentopfpresse zusammen. Aus einer großen Zeitungsseite (doppellagig) lassen sich genau sechs Töpfchen, ideal zum Ziehen von Chili, Tomaten oder empfindlichen Sommerblumen, herstellen.
Der Topf aus Zeitungspapier hält ohne Klebstoff.
Das Papier wird um den Holzkern gewickelt. Am Boden wird das Papierröllchen dann einfach um die Presse herum eingefaltet, auf das Unterteil gedrückt und fertig ist das Töpfchen. Es hält ohne Klebstoff oder andere Hilfsmittel zusammen. Wir selbst haben ausgezeichnete Erfahrungen mit den Papiertöpfchen gemacht. Um es den Pflänzchen zu erleichtern, sich später in einem größeren Topf oder direkt im Gartenbeet einzuwurzeln, kann man vor dem Einpflanzen den Topfboden einfach entfernen, ansonsten haben die Wurzeln aber auch so kein Problem, das Papier zu durchdringen.
Was für Torftöpfchen gilt, gilt auch für Papiertöpfchen Marke Eigenbau: Im Zimmergewächshaus dürfen sie wegen der Schimmelgefahr nicht zu dicht aneinandergerückt werden.
Gerade im Bereich des Gartenzubehörs gibt es unendlich viel unnützen Schnickschnack zu kaufen, aber die Mini-Blumentopfpresse gehört zu den Erfindungen, die einfach, aber sinnvoll sind – zumindest für Zeitungsleser, sonst gibt es ein Rohstoffproblem.

Die Anzuchttöpfe aus Zeitungspapier kosten nichts (außer dem Preis für das Zeitungsabo) und sind im Handumdrehen her-
gestellt. Zudem werden sie von den Jungpflanzen leichter durchwurzelt als Torftöpfe.



Mittwoch, 8. Januar 2014

Keine Heide-Idylle

Der Roman ist in verschiedenen Hard- und Softcover-Ausgaben erschienen,
von denen gebraucht noch zahlreiche Exemplare erhältlich sind.
Wie erst gestern bekannt wurde, ist am 31. Dezember 2013 Irina Korschunow gestorben. Die in Stendal als Tochter einer deutschen Mutter und eines russischen Vaters geborene Autorin wurde 88 Jahre alt. Ich nehme ihren Tod zum Anlass für eine Buchempfehlung:
Mit "Der Eulenruf" hat Irina Korschunow 1985 einen bewegenden und unbedingt lesenswerten  Roman über das karge, entbehrungsreiche Leben Anfang des 20. Jahrhunderts in der Lüneburger Heide geschrieben. Die Geschichte spielt im fiktiven Dorf Südwinnersen. Dort bringt an einem kalten, nebligen Herbsttag des Jahres 1903 die abgearbeitete Bauersfrau Magdalena Cohrs als unerwünschten Nachkömmling ein Mädchen zur Welt – und stirbt bei der Geburt. Bald stirbt auch der Vater, und die kleine Lene wächst, widerwillig geduldet, im Haushalt des zwanzig Jahre älteren Bruders Willi auf. Ihre Kindheit besteht aus Demütigungen, Schlägen und endloser Plackerei. Aus dem Armut, Gefühlskälte und Perspektivlosigkeit flüchtet sich Lene in die fromme Welt der Psalmen, Gebete und Kirchenlieder. Die Dorfbewohner nennen sie bald nur noch "de Nonn".
Als junge Frau verlässt sie mit ihrer unehelichen Tochter Lisa Haus und Hof, geht in die Fremde und heiratet dort einen Buchhalter – eine Vernunftehe, denn die Tochter soll es besser haben, als sie es hatte. Doch irgendwann kann sie den Mann mit seiner Erbärmlichkeit und seiner Verlogenheit nicht mehr ertragen. Sie flüchtet erneut, inzwischen zu einer selbstbewussten, couragierten Frau gereift. Ihre Erinnerungen und Sehnsüchte führen sie wieder zurück nach Südwinnersen. Dort begeht sie, inzwischen 42 Jahre alt, im Frühjahr 1945, kurz vor Kriegsende, eine Gewalttat und rettet damit ihr Dorf, das nie ihre Heimat war, und verliert zugleich ihren Gott. Am Ende steht die Erkenntnis: "Wer immer den Weg bestimmt haben mochte, Gott konnte es nicht gewesen sein". Und Lene "geht quer durch die Heide, ihre Gestalt wird kleiner und verschwindet im Dunst."
Man ahnt es schon: Dieser Roman ist keine Heimatliteratur. Statt in poetischen Bildern zu schwelgen und die vermeintliche Idylle des bäuerlichen Lebens in der Heide zu preisen, Irina Korschunow das ungeschminkte Gesicht des Landlebens in der Heide in einer politisch und wirtschaftlich turbulenten Zeit. Sie erzählt von Armut und Unterdrückung, von religiösem Eifer und der Befreiung von alldem. Ein wichtiges Buch, das hilft, die Situation der Menschen in diesem einst so armen und kargen Landstrich besser zu verstehen.
"Der Eulenruf" ist in verschiedenen Hardcover- und Taschenbuchausgaben erschienen, zurzeit aber nur antiquarisch erhältlich.

Dienstag, 20. November 2012

Wieder erhältlich

Autor Jürgen Rohde freut sich, dass sein Buch über das Isen-
hagener Land so schnell vergriffen war, dass  jetzt neu
aufgelegt werden musste.
Die erste Auflage war bald vergriffen, sodass wir das Buch "Moore, Menschen, Mauerwerk" des Hankensbütteler Autors Jürgen Rohde nachdrucken lassen mussten. Jetzt ist es, rechtzeitig vor Weihnachten, in zweiter Auflage erschienen und kann ab sofort für 9,80 Euro bei uns bestellt werden (Telefon 05371/55506) oder kontakt@calluna-medien.de). Wir liefern versandkostenfrei auf Rechnung.
In seinem mit zahlreichen Farbfotos illustrierten Buch unternimmt der vielseitig interessierte Germanist Jürgen Rohde Streifzüge durch das Isenhagener Land, das mit seinen Mooren, Heideflächen und Wäldern als Teil des Landschaftsraumes Südheide eine abwechslungsreiche Natur sowie kulturhistorisch interessante Ziele zu bieten hat. Die Streifzüge führen hinter Klostermauern und zu trutzigen alten Feldsteinkirchen. Außerdem werden mit dem Schriftsteller Arno Schmidt und dem Theologen Carl Johann Philipp Spitta zwei herausragende Persönlichkeiten der Region vorgestellt. Der Historiker Dr. Günter Dickmann steuerte Beiträge über den alten Wollspeicher in Isenhagen und über die Dammburgen in Wentorf und Alt Isenhagen bei. Der Biologe Karsten Borggräfe schrieb einen Beitrag über die Ise-Niederung im Wandel der Zeit.
Die 15 informativen und kurzweilig geschriebenen Essays empfehlen sich für die im Isenhagener Land lebenden Menschen, die mehr über ihre Gegend erfahren möchten, ebenso wie für Urlauber, die über die üblichen touristischen Informationen hinaus etwas tiefer in ihr Urlaubsziel eintauchen möchten.
 Jürgen Rohde, der schon lange in Hankensbüttel lebt und bis zu seiner Pensionierung Lehrer am dortigen Gymnasium war, erweist sich in diesem Buch einmal mehr als genauer Beobachter. Dank seiner umfangreichen Kenntnisse sowohl im naturkundlichen als auch im (kunst)geschichtlichen Bereich verfügt er über den notwendigen Hintergrund, um seine Beobachtungen einzuordnen und Zusammenhänge aufzuzeigen. Sein Buch möchte er nicht als Natur- und Kulturführer verstanden wissen, der Anspruch auf Vollständigkeit erhebt, sondern vielmehr als „eine lockere Auswahl, die dem Besucher der Orte und dem Leser Hinweise auf einiges Sehenswerte geben möchte“. Der Autor möchte beim Leser die Neugier wecken und dazu anregen, sich selbst auf Streifzüge zu begeben.

Freitag, 21. September 2012

Das Herbst-Heft 2012

Am Montag, 24. September, beginnt die Verteilung des Herbst-Heftes unseres Südheide-Magazins.
Hier eine kleine Übersicht über die Geschichten in dem Heft:

• Munter plätschert der Heidebach
  Naturpark-Informationszentrum in Eschede eröffnet                   
• Gänse machen glücklich
  Heinrich Wiedenroth züchtet seit mehr als 30 Jahren die Celler Gans
• „Das Paradies ist machbar“    
  Thomas Hardt und sein Wildgarten
• Klanginstallationen aus dem Garten 
  Petra Mühlbauers Blick über den Gartenzaun
• Ein sinnlicher Baustoff  
  Die neue Lust auf Lehm
• Sonne, Mond und Sterne
   Jörg Anrecht blickt in die Weiten des Weltalls
• Spannende Spurensuche   
   Exkursionen zu vergessenen Orten im Raum Meinersen
• Ich will schreiben!
   20 Jahre Literaturwerkstatt Gifhorn

Sonntag, 24. Juni 2012

Das Sommerheft 2012

Am 25. Juni 2012 beginnt die Verteilung der gedruckten Calluna-Ausgabe Sommer 2012.
Aus dem Inhalt:

  • Durchs Himmelreich ins Paradies – Wo sich Lutter und Lachte küssen                   
  • Marschland in der Heide – Unterwegs auf dem Grund eines Sees ohne Wasser
  • Tirili, tirili, und weg sind sie – Warum immer mehr heimische Vogelarten verschwinden
  • Giftige Schönheit – Der Rote Fingerhut lässt den Sommer leuchten
  • Eine zarte Pflanze namens Venus und der harte Typ aus Celle – In Kathrin Busses Gärtnerei ist die Vielfalt zu Hause
  • Schöner wohnen zwischen 300 Jahre alten Balken – Ein umgesetztes Hallenhaus auf einer ehemaligen Hofstelle
  • Verhängnisvolle Affäre – Stoff für Bestseller und großes Kino: Die Liebesbeziehung der dänischen Königin Caroline Mathilde mit dem Leibarzt des Königs, Johann Friedrich Struensee

Dienstag, 3. Januar 2012

Guter Vorsatz für 2012: Sauberer Strom

Die Autorin bezieht schon lange "echten" Ökostrom.
Zum Jahresbeginn werden gemeinhin gute Vorsätze gefasst. Wer sich für 2012 vorgenommen hat, etwas mehr für den Klimaschutz zu tun und künftig nur noch Öko-Strom zu beziehen, sollte das Angebot genau prüfen. "Echte" und unabhängige Ökostromanbieter sind rar gesät. Zwar hat inzwischen jeder konventionelle Energieversorger auch Ökostrom im Angebot, aber fast alle dieser Anbieter sind eng mit den großen Stromkonzernen verpflochten, die eigene Atom- und Kohlekraftwerke betreiben. Nur bei den unabhängigen Ökostromanbietern kann der Kunde wirklich davon ausgehen, nachhaltig etwas für den Klimaschutz zu tun, da sie ihre Gewinne in den Bau von Neuanlagen zur Erzeugung von Strom aus Erneuerbaren Energien investieren.
Wichtig ist, sich vor Vertragsabschluss einen Überblick über die verschiedenen Tarife zu verschaffen. Am besten geht das im Internet. Aber Vorsicht: Die meisten Vergleichsportale sind alles andere als unabhängig. In der Regel geht es den Betreibern nur darum, von den Stromanbietern Provisionen für jeden Vertragsabschluss zu kassieren. Wirklich unabhängig ist das Ökostromanbieter-Vergleichsportal, das einen objektiven Vergleich der Tarife der wichtigsten unabhängigen Ökostromanbieter in Deutschland ermöglicht. Das sind derzeit die Naturstrom AG, die EWS Schönau GmbH, die Greenpeace Energy eG und die LichtBlick AG. Das Portal liefert außerdem jede Menge Informationen über Erneuerbare Energien, das Erneuerbare-Energien-Gesetz, Grünen Strom und gibt Tipps für den unbürokratischen Wechsel des Stromlieferanten.
Da ich den Betreiber des Vergleichs-Portals persönlich kenne und weiß, dass es ihm ein wichtiges Anliegen ist, neutral zu informieren, kann ich hier ruhigen Gewissens dafür Werbung machen.