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Montag, 16. Mai 2016

Gestern Natur, heute Kultur

In fast jedem Dorf im Wendland weisen solche Schilder von Himmelfahrt bis Pfingsten auf Aktionen, Ausstellungen, Konzerte und vieles mehr hin.
Gestern Natur, heute Kultur: Auch den zweiten Pfingsfeiertag haben wir wieder in Deutschlands kleinstem, aber feinstem Landkreis verbracht: im Landkreis Lüchow-Dannenberg. Nachdem wir am Pfingstsonntag im Drawehn gewandert waren und den Hohen Mechtin "bezwungen" hatten, haben wir am heutigen Pfingstmontag im Wendland eine Radtour von einem Rundlingsdorf zum anderen gemacht. Es war der letzte Tag der Kulturellen Landpartie, dem größten, selbstorganisierten Kulturfestival Norddeutschlands, dass jedes Jahr von Himmelfahrt bis Pfingsten Tausende von Besuchern anlockt und für Kulturintessierte aus der näheren und weiteren Umgebung so etwas wie ein Pflichttermin ist.
In den wendländischen Rundlingsdörfern sind die Hallenhäuser im Dreiviertelkreis rund um den Dorfplatz angeordnet. Nicht fehlen darf das Anti-Atomkraft-X – Gorleben lässt grüßen.
Die Landpartie bietet stets ein prallvolles Programm mit Kunstausstellungen, Kunsthandwerksständen, Musik, Kleinkunst und vielem mehr. Und allerlei Leckeres zu essen gibt es natürlich auch, und auch wir als Veganerinnen mussten nicht hungern. In einer Café-Jurte aßen wir Quiche und Couscous-Salat.

Blick unter das Dach der Café-Jurte, in der wir uns gestärkt haben.
Das Schönste an der Kulturellen Landpartie ist neben der entspannten Atmosphäre die Möglichkeit, Höfe und Häuser kennenzulernen und mit Handwerkern und Künstlern ins Gespräch zu kommen.
Das einzige, was uns nervt, sind die vielen Autos. Obwohl viele Besucher wie wir mit Fahrrädern von Dorf zu Dorf fahren, ist die Mehrzahl leider immer noch mit den lärmenden und stinkenden Blechkisten unterwegs, nicht nur aus Bequemlichkeit, sondern weil sich auf diese Weise mehr Stationen besuchen lassen. Wir selbst haben gar nicht den Anspruch, möglichst viel oder sogar alles zu sehen, sondern wir beschränken uns ganz bewusst auf einige wenige Dörfer, die ein aus unserer Sicht besonders attraktives Programm bieten. Wir wollen schließlich nicht unterwegs wegen Reizüberflutung kollabieren.
Kunstausstellung im Glashaus ...


... und im Garten.
Im Baum hängt Textilkunst.
Die Katze ist käuflich. Dass sie ein total verfilztes Fell hat, ist von der Künstlerin so gewollt.

Im Gegensatz zur Katze oben sind die beiden Gänse sehr lebendig. Sie bewachen einen Hauseingang.

Donnerstag, 30. Januar 2014

Die Eisbären

Heute, wie jeden Donnerstag, die Veranstaltungstipps zum Wochenende. Die Auswahl war diesmal allerdings etwas bescheiden, sodass ich ich auf einen Tipp beschränken möchte. Zwar hätte ich noch gerne auf den Tangoabend "Una Milonga Argentina" in der CD-Kaserne in Celle hingewiesen, aber das erübrigt sich, da die Veranstaltung bereits ausverkauft ist.
Passend zur Jahreszeit hat morgen Abend im Malersaal (Studiobühne) des Celler Schlosstheaters das Stück "Die Eisbären" von Jonas Gardell Premiere (Termine der weiteren Aufführungen siehe unten).
In dem Stück sind die Zuschauer zu Gast bei Ilses Geburtstagsfeier, die nach dem altbekannten Schema "The same procedure as every year" abläuft. Ilses Töchter Gertrud und Solveig sind aus reiner Pflichterfüllung erschienen, der Sohn, ein bekannter Schriftsteller, ist abwesend. Während die Töchter Gefallen daran finden gezielte Böswilligkeiten auszutauschen und Ilse die Geburtstagstorte verweigert, kommt für alle die hässliche Stunde der Wahrheit. Ilse hofft nun auf ihren Sohn Gabriel. Er ist der ganze Stolz seiner Mutter; jeden Zeitungsschnipsel über ihn sammelt sie. Im Fernsehen gibt er an diesem Abend ein Interview zu seinem neuen Buch. Trotz Streit fiebern die drei Frauen der Sendung mit Spannung entgegen. Doch in seiner jüngsten Publikation enthüllt Gabriel ohne Rücksicht auf die Familie seine eigene Kindheit und Jugend. Vor allem die Beziehung zu seiner Mutter, die von jahrelang unterdrücktem Hass geprägt ist, schildert er ausgiebig. Ilse ist über die öffentliche Bloßstellung, die sie in ihren eigenen vier Wänden vor dem Fernseher und im Beisein ihrer Töchter erleben muss, tief verletzt. Hat sie nicht wegen der Kinder die eigene Karriere, ihr Glück geopfert? Hat sie nicht einen Anspruch auf die Liebe ihrer Kinder? Ernüchtert muss sie erkennen, dass ihre Kinder sie als Monster wahrnehmen.
Der schwedische Dramatiker Jonas Gardell versteht es meisterhaft, die tragische Lebenserkenntnis in eine Komödie umzuwandeln. Man kann über Menschen und ihr Unglück lachen und zugleich Mitleid mit ihnen haben.

Was Ilse und ihre Töchter Gertrud und Solveig da erleben, ist alles andere als eine fröhliche Geburtstagsfeier (von links:  Nina Damaschke, Monika Häckermann, Kathrin Ost).                                                                                 Foto: Schlosstheater Celle
Aufführungsdauer: 1 Stunde 25 Minuten. Keine Pause. Preise: 14,- Euro, ermäßigt 7,- Euro.
Weitere Aufführungen am Sonnabend, 1. Februar, Sonntag, 2. Februar, Donnerstag, 6. Februar, Freitag, 7. Februar, Sonnabend, 8. Februar, Mittwoch, 12. Februar, Donnerstag, 13. Februar, Freitag, 14. Februar, Sonnabend, 15. Februar, Mittwoch, 19. Februar, Donnerstag, 20. Februar, Freitag, 21. Februar, und Sonnabend, 22. Februar.  Die Aufführungen beginnen jeweils um 20:00 Uhr.
INFO
05141/9 05 08-75/76 oder hier.

Freitag, 24. Januar 2014

Museumsdorf bittet um Mithilfe

Heute ein Beitrag von Calluna-Redakteurin Christine Kohnke-Löbert:

Er starb fürs Vaterland: Todesnachricht von
Wilhelm Jarse.
Sachzeugnisse aus der
Region gesucht

Vor 100 Jahren begann der 1. Weltkrieg – Ausstellung erinnert an die Kriegszeit

Im Frühjahr wird im Museumsdorf Hösseringen eine neue Sonderausstellung eröffnet: Unter dem Titel „Landarbeit ist vaterländischer Hilfsdienst“ soll der ländliche Alltag im Ersten Weltkrieg in der Lüneburger Heide vorgestellt werden. Die Arbeiten dazu laufen derzeit auf Hochtouren, doch noch fehlt es dem Museumsteam an Zeitzeugnissen aus der Region. „Obwohl sich der Krieg aufgrund der umfassenden Einbeziehung fast aller Lebensbereiche auch auf dem platten Land stark bemerkbar machte, sind Arbeiten über das private und öffentliche Leben in ländlichen Regionen während der Ausnahmesituation des Krieges selten. Auch für die Lüneburger Heide fehlt eine Untersuchung der Frage, wie der Krieg in den Alltag der Menschen eingriff und ihn veränderte“, fasst Museumsleiter Dr. Ulrich Brohm den Ansatz der Ausstellungskonzeption zusammen.
Bekanntmachung der Mobil-
machung – Sonderausgabe
der „Lüneburgsche Anzeigen“.
Am Beispiel der Lüneburger Heide soll gezeigt werden, welche politischen, wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und mentalen Auswirkungen der Krieg auf eine ländlich geprägte Region und die dort lebenden Menschen hatte. Insbesondere die Erfahrung des „totalen Krieges“, von dessen Konsequenzen auch die an der „Heimatfront“ arbeitende Landwirtschaft betroffen war, möchten die Museumsleute erforschen. Dazu suchen sie nach Kriegszeugnissen, wie beispielsweise Feldpostbriefen, persönlichen Erinnerungen und Berichten sowie Fotos von Soldaten, Uniformteilen, Abzeichen, Orden und Ehrenzeichen und Waffen, aber auch „Liebesgaben“ für Soldaten wie etwa Weihnachtsgrüße.
Feldflasche mit Patronen-
hülsen und Szenen aus
der Heimat.
Auch Zeugnisse von Kriegspropaganda (Plakate, Postkarten, Gegenstände) sowie Fotos und persönliche Dinge von ausländischen Kriegsgefangenen, die auf den Bauernhöfen oder in Industriebetrieben gearbeitet haben, werden gesucht, ebenso Rezepte und Kochbücher, Lebensmittelmarken sowie selbst gefertigte „Erinnerungsstücke“ aus Munitionshülsen, Führungsringen von Granaten und anderen Kriegsmaterialien.
Darüber hinaus soll das Vereinswesen der Zeit anhand von Fotos, Fahnen und schriftlichen Quellen thematisiert werden, in diesem Zusammenhang insbesondere die „Rolle der Frau während des Ersten Weltkrieges“.
Wer helfen möchte, sollte sich unter der Telefonnummer 05826-1774 im Museumsdorf Hösseringen oder abends bei Günther Reimers unter der Telefonnummer 05851-1850 melden.

Museumsleiter Dr. Ulrich Brohm und Adele Brazionyte aus Litauen, die ein Jahr Bundesfreiwilligendienst im Museumsdorf leistet, beim Ausstellungsaufbau mit dem Bildnis von Heinrich Gehrmann aus Suderburg. Im Archiv des Museums sind seine Konfirmationsbriefe, Unterlagen über seine Ausbildung bei der Sparkasse und sein Briefwechsel mit den Eltern von der Front aus erhalten. Bis hin zur Todesnachricht.                                                                              Fotos Christine Kohnke-Löbert

Montag, 2. Dezember 2013

Hinter Klostermauern

Im Kapitelsaal des Klosters Isenhagen referierte Calluna-Autor Dr. Henning Tribian (am Pult) heute Abend über die Geschichte des Klosters von der Gründung bis zur Reformation. Unter den rund 50 aufmerksamen Zuhörern war ein
weiterer Calluna-Autor: Jürgen Rohde (in der ersten Reihe, 2. von links).
Wenn sich ein Autor, dessen Fachgebiet die Geographie ist, mit der Geschichte eines Kulturdenkmals auseinandersetzt, gelangt er höchstwahrscheinlich zu anderen Erkenntnissen als ein Historiker oder jemand, der aus dem Bereich der Kunstgeschichte kommt. So war das auch in diesem Fall: Calluna-Autor Dr. Henning Tribian interessierte sich für sein Buch über das Kloster Isenhagen weniger für das Bauwerk an sich als vielmehr für für die Lage des jetzigen Klosters und seiner Vorgängerbauten in Alt-Isenhagen und in Hankensbüttel unter Einbeziehung des gesamten Siedlungsraums – oder anders ausgedrückt: Die Geschichte des Kloster im geographischen Kontext.  Für alle heimatkundlich Interessierten ist diese Herangehensweise ungleich spannender und ergiebiger als die isolierte Betrachtung des Kulturdenkmals.
Nach dem Vortrag musste Dr. Tribian zahlreiche Exemplare
seines Buches signieren.
Eine Einführung in sein Buch, das mit der Gründung des Klosters beginnt und mit der Reformation endet, gab der Autor heute Abend passenderweiser hinter Klostermauern, im Kapitelsaal, vor rund 50 Zuhörern, die der  Einladung des Heimatvereins Hankensbüttel-Isenhagen  gefolgt waren.
Der Autor stellte die verschiedenen Klosterstandorte vor, erinnerte an verheerenden Brände im Mittelalter und die Belastung der Bauern, die in beträchtlichem Umfang Hand- und Spanndienste für das Kloster erbringen mussten und berichtete, dass sich die Bauern ebenso wie die Nonnen gegen den Konfessionswechsel vom Katholizismus zur Lutherischen Lehre wehrten, bis der Celler Herzog schließlich den Widerstand des Klosters durch Sanktionen brach – er stoppte die Lebensmittelversorgung des Klosters.
Nach dem Vortrag musste Dr. Tribian zahlreiche Bücher signieren. Das Buch "Kloster Isenhagen – Von der Gründung bis zur Reformation" (ISBN 978-3-944946-01) hat 92 Seiten und ist mit zahlreichen Abbildungen illustriert. Es kostet 9,90 Euro. Ein schönes Weihnachtsgeschenk für heimatkundlich Interessierte! Es ist im Buchhandel erhältlich, kann aber auch direkt bei uns bestellt werden kann (Adressen unter Kontakt, versandkostenfreie Lieferung im Inland).

Samstag, 30. November 2013

Zur Einstimmung...

...auf die Weihnachtszeit hier ein weihnachtliches Foto, dass ich heute am späten Nachmittag in Hankensbüttel gemacht habe. Es zeigt die Kirche St. Pankratius mit dem Weihnachtsbaum davor.

Die stimmungsvoll beleuchtete Pankratiuskiurche mit Weihnachtsbaum.
Die Pankratius-Kirche ist eine der ältesten sakralen Bauwerke der Südheide. Wann genau sie erbaut worden ist, weiß man leider nicht.Man geht allerdings mit ziemlicher Sicherheit davon aus, dass sie schon mehr als 1000 Jahre alt ist. Obwohl sie seit ihrer Errichtung mehrfach umgebaut worden ist, hat sie ihren ursprünglichen, trutzig-wehrhaften Charakter weitgehend bewahrt. Ältestes Inventarstück ist ein aus einem Eichenholzstück geschnitztes Triumphkreuz, das wahrscheinlich um 1230 angefertigt wurde. Das aus sieben Glocken bestehende Geläut gehört zu den ältesten der Region, denn eine Glocke wurde nachweislich bereits um 1250 gegossen.
Allen Leserinnen und Leser einen schönen 1. Advent!


Samstag, 23. November 2013

Scheinbar schwerelos

Ein nicht der Phantasie der Künstlerin entsprungenes, sondern real existierendes Fabelwesen, allerdings aus dem Kontext
von Zeit und Raum befreit.

In Island, einem modernen, fortschrittlichen Land, kommt es immer wieder mal vor, dass beim Bau einer neuen Straße ein Schlenker eingebaut werden muss, weil eine Elfenburg im Weg ist. Die Straße einfach über die Köpfe der Elfen hinweg zu bauen, brächte Unglück, und das will niemand riskieren, auch die staatliche Straßenbaubehörde nicht. Wir Mitteleuropäer mögen derlei Rücksichtnahme auf die Befindlichkeiten mythologischer Wesen mit Kopfschütteln reagieren und uns vielleicht insgeheim fragen, ob die Insulaner da oben am Polarkreis noch ganz richtig ticken, aber es ist noch gar nicht so lange her, da war man auch hierzulande von der Existenz solcher Wesen überzeugt. Und sie sind auch heute noch mitten unter uns. Aber wir nehmen sie nicht war, weil sie uns nicht auf Augenhöhe begegnen, sondern hoch ober über unseren Köpfen herumtollen. Man kann sie dort durchaus sehen, aber man muss dafür schon den Kopf in den Nacken legen. Dann kann man so faszinierende Entdeckungen machen, wie sie uns meine liebe Kollegin Christine Kohnke-Löbert, die unser Calluna-Büro in Uelzen betreut,  jetzt in ihrer Ausstellung in den Räumen des Bundes Bildender Künstler (BBK) im Historischen Zentrum in Uelzen-Oldenstadt zeigt. Die Ausstellung ist heute Abend eröffnet worden.
Ausstellungseröffnung: Georg Lipinskyvom BBK Uelzen
berüßte Gäste und die Künstlerin (rechts).
Als Hans-guck-in-die-Luft hat sich Christine Kohnke-Löbert auf die Suche nach diesen merkwürdigen Wesen gemacht, die wie Spiegelbilder der Ängste und Sehnsüchte unserer Vorfahren erscheinen, uns sie für uns mit einem langbrennweitigen Teleobjektiv "eingefangen". Am ergiebigsten war ihre Ausbeute in Kirchen. Aber auch an den Fassaden mittelalterlicher Bürgerhäuser wurde sie fündig.
Dr. Horst Löbert führte in die Ausstellung seiner Frau Chris-
tine Kohnke-Löbert ein.                               Fotos: Inka Lykka Korth
Am Computer hat die Fotografin ihre Motive aus deren Umfeld herausgelöst, den Hintergrund ausgeblendet. So isoliert oder freigestellt, wie es in der Fachsprache heißt, und auf im Raum scheinbar schwerelos schwebende, großformatige, hinterleuchtete Fahnen oder sich drehende Zylinder aus transparenter Folie gedruckt und zu einer raumgreifenden Installation angeordnet, entfalten die steinernen Zeugen einer anderen Zeit – da gibt es liebliche Figuren in Menschengestalt ebenso wie finster dreinblickende Fabelwesen mit Flügeln, Hörnern und Tiergesichtern – in ihrer Schwerelosigkeit und der Interaktion untereinander eine dramatische Dynamik. Ja, fast scheint es so, als würden diese (sich) bewegenden Bilder tanzen – vielleicht aus lauter Freude darüber, aus dem Kontext von Zeit und Raum befreit worden zu sein? Der Titel der Ausstellung bringt diese Assoziation gewissermaßen auf den Punkt: "Im Tanz mit Zeit und Raum".
Auf verblüffend einfache Art und Weise, durch Weglassen, zeigt die Ausstellung, wie Zeit und Raum unsere Wahrnehmung beeinflussen. „Jedes Motiv", erläutert Christine Kohnke-Löbert, "verändert sich durch sein Umfeld, so wie auch unser eigenes Verhalten und unsere Wirkung auf andere sich unterscheiden, je nachdem, in welchen Kreisen wir uns gerade bewegen."
Die Ausstellung ist bis Ende Dezember zu sehen. An den ersten drei Adventswochenenden ist sie jeweils von 15 bis 18 Uhr geöffnet. INFO christine.kohnke(at)calluna-medien.de

Samstag, 2. November 2013

An so einem Tag wie heute...

Bei so einem Wetter wie heute ist es am schönsten, den trüben Tag mit einer Tasse Tee, einer Kerze und einem guten
Buch am warmen Ofen ausklingen zu lassen. Aber leider hat Foxy schon meinen Sessel besetzt.
...bin ich gar nicht traurig, dass es schon so früh dunkel wird, denn richtig hell wollte es ja sowieso nicht werden. Außerdem sieht man im Dunkeln wenigstens nicht mehr, wie trübe es draußen ist. Und je mieser das Wetter draußen ist, umso mehr freut man sich doch, dass man abends mit einem guten Buch und bei einer Tasse Tee (grüner mit viel Ingwer) am warmen Ofen sitzen kann, wenn einem nicht mal wieder einer der Hunde – heute war es Foxy – den Platz im Sessel streitig macht.
Zufällig passt das Buch, das ich gerade lese, zumindest vom Titel her perfekt zum Wetter. Es ist "Der Duft des Regens", der von der Kritik und den Lesern gleichermaßen begeistert aufgenommene Debütroman der Kanadierin Frances Greenslade, der im vergangenen Jahr in deutscher Übersetzung im mare-Verlag in Hamburg erschienen ist.

Montag, 21. Oktober 2013

It's Soul

Anna Jander (rechts) und die künstlerische Leiterin des Kunstvereins Spring-
hornhof, Bettina von Dziembowski.                                     Foto: Christine Kohnke
Der Kunstpreis des Lüneburgischen Landschaftsverbands ging in diesem Jahr, wie wir schon in der Sommerausgabe unseres Südheide-Magazins berichtet haben, an die Illustratorin des mittlerweile bereits in zweiter Auflage bei uns im Verlag erschienenen Kinderbuchs "Wir Heidschnucken vom Sothriethof", Anna Jander. Unter dem Titel „It’s Soul“ wurde am Sonnabend die Ausstellung der Preisträgerin in den Räumen des Kunstvereins Springhornhof im Heidekreis eröffnet.
Meine Kollegin Christine Kohnke war für uns dabei. Hier ist ihr Bericht:
Zu sehen sind in der Ausstellung Werke aus Anna Janders Amerika-Reihen „Detroit Häuser“, „Los Angeles“ „Wasteland“ sowie weitere Arbeiten. Im Rahmen der sehr gut besuchten Ausstellungseröffnung, der sich intensive Gespräche in den Ausstellungsräumen anschlossen, wurde auch der zugehörige Katalog präsentiert.
Die Künstlerin aus Niederohe im Landkreis Celle zeigt auf zwei Ebenen Werke, die sich mit den urbanen Verwerfungen städtischen Lebens beschäftigen. Gerade ihre raumgreifenden Formate brauchen klare Räume, wie sie der Springhornhof bietet. Dank der großzügigen Präsentation ist es gelungen, Kunstwerke und Ausstellungsort zu einer eindrucksvollen Einheit zu verschmelzen. „Dies ist ein Ort, der gut zu Anna Jander passt. Er vereint die ländliche Umgebung seines Standortes mit Künstlerinnen und Künstlern aus vielen Ländern zu spannenden Ausstellungen, Projekten und Konzepten. So wie Anna Jander in ihrem Schaffen Pole zusammenbringt, die unterschiedlicher nicht sein könnten“, fasste es die Geschäftsführerin des Lüneburgischen Landschaftsverbandes, Anne Denecke, zusammen.
„Janders Arbeiten sind das Ergebnis eines sehr kontinuierlichen Prozesses“, so die künstlerische Leiterin des Kunstvereins Springhornhof, Bettina von Dziembowski. „Sie thematisiert beide Seiten städtischen Lebens, das Dynamische, die Moderne und auf der anderen Seite die erbarmungslose soziale Wirklichkeit eines extrem verdichteten Lebensraumes.“
Gerade diese Spannungsbögen sind es, denen Jander nachspürt, in großen Formaten ebenso wie in kleineren Werkreihen. Fließende, dünn aufgetragene Farben lassen das Vergängliche , das Flüchtige und Verblassende menschlichen Tuns erahnen.
Die Ausstellung „It’s Soul“ ist bis zum 15. Dezember dienstags bis sonntags in der Zeit von 14 bis 18 Uhr zu sehen.
Der Begleitkatalog ist im Rahmen der Ausstellung für 18 Euro und im Buchhandel für 30 Euro erhältlich.

Ein interessierter Ausstelungsbesucher vor einem der großformatigen Bilder der Künstlerin Anna Jander.   Foto: Christine Kohnke




Samstag, 21. Januar 2012

Zeitreise in die Goldenen Zwanziger

Ein typisches Zwanziger-Jahre-Kleid.
So schlimm der Erste Weltkrieg auch war, für die Frauen begann mit ihm eine neue und bessere Zeit, eine Zeit der Befreiung und Emanzipation. Während die Männer fern der Heimat in irgendwelchen Schützengräben lagen, standen zu Hause die Frauen "ihren Mann" und übernahmen viele Aufgaben, die bis dahin den Männern vorbehalten waren. Nach Kriegsende blieben sie weiterhin berufstätig, und zwar nicht nur in den früher typischen Frauenberufen (Kindermädchen, Haushälterin, Köchin, Näherin), sondern auch zunehmend im Büro und im Verkauf. Auch in der Öffentlichkeit sah man die Frauen jetzt öfter ohne männliche Begleitung. Sie fuhren Fahrrad und Auto, trieben Sport, gingen auf Reisen und vergnügten sich beim Gesellschaftstanz. Und im Jahr 1919 durften die Frauen auch erstmals zur Wahl gehen.
Am deutlichsten zeigte sich die Emanzipation der Frau in der Mode jener Zeit, die durch eine Abkehr vom femininen Ideal der Vorkriegszeit geprägt ist. Die Röcke und Kleider wurden kürzer, die Haare auch, und das Korsett verschwand endgültig in den Tiefen des Kleiderschranks. Elastische Unterwäsche drückte die Brust flach, die Taille blieb unbetont, gerade geschnittene Kleider hingen lose am Körper. Die neue Frau war schlank und mobil, gab sich selbstbewusst und jugendlich und ein bisschen burschikos.
Ein paar Jahre nach Kriegsende geht es in Deutschland mit der Wirtschaft wieder aufwärts, die Zeit der Goldenen Zwanziger bricht an und mit ihr die Ära der Coco Chanel. Durch sie kommen das "Kleine Schwarze", das kurze Gesellschaftskleid und der Damenpyjama in Mode. Außerdem mach Coco Chanel den "unechten" Modeschmuck gesellschaftsfähig.
Die Autorin in der Ausstellung im Bomann-Museum
Woher ich das alles weiß? Nun, ich habe mich heute auf eine Zeitreise in die Goldenen Zwanziger begeben und unterwegs einige Notizen gemacht. Die Zeitreise fand im Bomann-Museum in Celle statt, wo zurzeit die im Winter-Heft angekündigte Sonderausstellung "Pailletten, Posen, Puderdosen" zu sehen ist. Gezeigt werden mehr als 100 Modezeichnungen aus der Sammlung der Staatlichen Museen zu Berlin und rund 200 Puderdosen und Kosmetikartikel aus einer Berliner Privatsammlung. Außerdem sind verschiedene Kleider und Accessoires aus jener Zeit zu sehen.
Ich hatte mich sehr auf die Ausstellung gefreut, war dann aber doch etwas enttäuscht. Die Exponate wurden offenbar ohne museumspädagogischen Anspruch zur Schau gestellt. Man wurde förmlich erschlagen von der kaum überschaubaren Fülle. Weniger wäre mehr gewesen. Ich hätte mir lieber Klasse statt Masse gewünscht. Und ein wenig mehr Kreativität bei der Gestaltung der Ausstellung. Alte Film- und Tondokumente und etwas mehr Dekoration hätten die doch so etwas schlicht und lieblos wirkende Ausstellung lebendiger und ansprechender gemacht. So blieb es bei der Vermittlung von Wissen, aber das sinnliche Erlebnis blieb aus. Schade, denn das Thema ist hoch interessant, liegen doch die Wurzeln der modernen, emanzipierten Frau in den Goldenen Zwanzigern. Zur Ehrenrettung des Museums, das immerhin eines der bedeutensten in Niedersachsen ist, muss allerdings erwähnt werden, dass zu der Ausstellung ein umfangreiches Begleitprogramm geboten wird. Die Besucher können zum Beispiel lernen, Charleston zu tanzen oder sich im Stil der Zwanziger Jahre zu schminken.
Die Ausstellung läuft bis zum 4. März.