Posts mit dem Label Nachdenkliches werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Nachdenkliches werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 26. Januar 2017

Unter die Erde, bitte!

Schön sind sie nicht, die Hochspannungsmasten. Nur bei Sonnenuntergang  ist der Anblick halbwegs erträglich.
Hier werden die Stromleitungen effektvoll von einem Kondensstreifen eines Flugzeugs gekreuzt.
Sie verschandeln die Landschaft und behindern den freien Blick auf den Himmel. Warum, fragen wir uns immer wieder auf unseren Wanderungen, können nicht sämtliche Hochspannungsleitungen in der Erde verbuddelt wären? Na, weil es viel zu teuer wäre. Doch diese Antwort lassen wir nicht gelten. Beim Autobahn- und Flughafenbau scheinen die Kosten schließlich auch keine Rolle zu spielen. Ja, kommt dann gleich der Einwand, Autobahnen und Flughäfen werden vom Staat gebaut, Hochspannungsleitungen von privaten Netzbetreibern.
Warum eigentlich kümmert sich der Staat in einem Fall um die Infrastruktur, im anderen Fall aber nicht? Wenn der Staat selbst die Verantwortung für die Stromnetze übernommen hätten, wäre die Energiewende längst vollzogen. Denn gegen unterirdische Stromtrassen gib es viel weniger Einwände und Vorbehalte.
Dann müssten bei uns im Norden der Republik nicht dauernd die Windräder angehalten werden, weil die Leitungen fehlen, um die Windenergie zu den Verbrauchern im Süden und Westen der Republik zu leiten. Und billiger, als den Energieproduzenten Millionen von Euro als Entschädigung zu zahlen, wäre es wahrscheinlich auch.
Strom, Gas, Wasser, Straßen und Bahnlinien und, nicht zu vergessen, schnelles Internet auch auf dem Land: Der Staat sollte dafür die Grundversorgung gewährleisten, indem er die notwendige Infrastruktur zur Verfügung stellt.
Die Zeiten, in denen nahezu alles privatisiert wurde (sogar Abwasserkanäle und Ampelanlagen sowie Rathäuser und Kliniken) wurden mancherorts an Private verkauft), um die leeren Kassen der Kommunen und der Länder zu füllen, sind zum Glück vorbei. Inzwischen übernehmen immer mehr Städte und Landkreise auch die Müllabfuhr wieder in Eigenregie, nachdem sie gemerkt haben, dass es auf Dauer doch preisgünstiger ist. 
Aber zurück zu den Hochspannungsleitungen: Wir sollten aufpassen, dass wir unsere Landschaft nicht bald flächendeckend zugebaut haben. Immer mehr Windparks, die uns natürlich lieber sind als Kohle- oder Atomkraftwerke, bedeuten auch immer mehr Stromleitungen. Unter die Erde damit, bitte!

Samstag, 31. Dezember 2016

Alles Gute für 2017!

Ein passendes Bild zum Jahreswechsel? 
Statt eines fröhlichen Fotos gibt es diesmal zum Jahresausklang ein etwas düsteres Bild, aufgenommen heute bei unserer Tour mit den Hunden durchs Moor. Ein schwarzer Vogel – ob Rabe oder Krähe konnte ich aus der Ferne nicht erkennen – sitzt oben auf einem der halbtoten Obstbäume am Wegesrand und blickt durch das Dezembergrau über die Moorwiesen. Für mich symbolisiert dieses Bild den Ausblick in eine ungewissen Zukunft. Das Jahr 2016 mit all seinen schrecklichen Ereignissen – als Stichwörter nenne ich nur Aleppo und die Terroranschläge – liegt endlich hinter uns, und das wäre wahrlich ein Grund zum Feiern, aber wer sagt denn, dass in 2017 alles besser wird!? Wer sich auch nur wenig für Politik interessiert, kann gar nicht anders, als sorgenvoll in die Zukunft zu blicken.
Die Experten sind sich einig: 2017 wird das Schicksalsjahr der Europäischen Union, und das hat gar nichts mit dem bevorstehenden Brexit zu tun. Bereits im Frühjahr wird in den Niederlanden und in Frankreich gewählt. Sollte auch nur in einem der beiden Länder die Rechtspopulisten siegen, droht der Zerfall der EU. Ein Wahlsieg der Antidemokraten hätte nicht nur eine Signalwirkung für die Bundestagswahlen im Herbst 2017, sondern würde auch Putin stärkeren Einfluss in Europa verschaffen.
Wie sich die Staatsfinanzen in Italien entwickeln, ist ebensowenig vorhersehbar wie die Politik der neuen US-Regierung mit einem völlig unberechenbaren Mann an der Spitze, mit dem sich die bisherige Weltordnung verschieben könnte – zu Lasten Europas. Für einen weiteren Unsicherheitsfaktor sorgt der türkische Präsident Erdogan.
Während die Politik den Rückwärtsgang eingelegt zu haben scheint, geht der Klimawandel munter weiter. Das Eis an den Polkappen schmilzt mit beängstigender Geschwindigkeit, und auch in den gemäßigten Zonen gibt es bereits irreversible Verschiebungen in der Tier- und Pflanzenwelt.
Natürlich können wir uns damit trösten, dass die Kanzlerin in ihrer Neujahrsansprache auf die gute wirtschaftliche Lage und geringe Arbeitslosigkeit in Deutschland verweist, aber die Situation kann sich auch hierzulande ganz schnell ändern, und die Probleme in Europa und der Welt werden durch ein paar halbherzige Gesetzesänderungen auf nationaler Ebene sicher nicht gelöst.
Doch wir sollten nicht jammern und uns von der berühmten "German Angst" blockieren lassen, sondern trotz allem optimistisch in die Zukunft blicken und die Gegenwart mit dem Ziel gestalten, ein friedliches Miteinander alles Menschen, Tiere und Pflanzen zu erreichen. Und damit fangen wir am besten bei uns selbst und in unserem direkten Umfeld an. Wir können nicht von heute auf morgen die Welt verändern, aber wir können alle dazu beitragen, sie ein bisschen besser zu machen.
Alles Gute fürs neue Jahr!

Freitag, 2. Dezember 2016

Eine Frage der Wahrnehmung

Ich will nicht den Begriff "Achtsamkeit" bemühen, der so alt ist wie die buddhistische Lehre, aber in jüngster Zeit geradezu inflationär gebraucht wird, um einmal mehr deutlich zu machen, worum es uns in diesem Blog (unter anderem) geht, nämlich darum, wie wir unsere Umwelt wahrnehmen, in der die Menschen nur ein Teil des Ganzen sind. Deshalb lenken wir in unseren Blogbeiträgen den Blick immer wieder auf die kleine, faszinierende Welt links und rechts des Wegesrandes. Wer sich auf die Umwelt einlässt und mit offenen Augen unterwegs und in Gedanken nicht woanders ist, entdeckt jeden Tag etwas Neues, Interessantes und Faszinierendes. Zum Beispiel diese Baumgruppe, die ich vor wenigen Tagen am Rand des Ochsenmoores fotografiert habe:

Nichts Besonderes und doch faszinierend: Baum-Ensemble am Wegesrand. Mit den beiden Eichen an den Seiten wirkt die dreistämmige Birke wie eingerahmt.  
Eine dreistämmige Birke, links und rechts flankiert von jeweils einer Eiche – ist das nicht eine schöne, harmonische "Komposition"?! Mich hat sie begeistert, vor allem im warmen Licht der tief stehenden Sonne. Ist das eigene Wahrnehmungsvermögen schlecht entwickelt oder verkümmert, wird man solche kleinen, eigentlich unscheinbaren Entdeckungen gar nicht machen. Es lohnt sich also, das Wahrnehmungsvermögen zu schärfen. Achtsamkeitsübungen können dabei helfen. Man muss ja nicht gleich ein Seminar besuchen. 

Sonntag, 11. September 2016

Seltenes Bild: Kühe auf der Weide

Sogenannte Fleischrinder sieht man öfter auf der Weide, aber Milchkühe nur noch selten. Die meisten müssen leider ihr ganzes Leben lang im Stall stehen.
Milchkühe, die friedlich auf einer saftig grünen Weide grasen. Solche Bilder kennt man aus der Werbung. Die Realität sieht anders aus: Die meisten Kühe stehen ganzjährig in Großställen, und nur die wenigsten davon sind Offenställe. Das ist für den Bauern bequemer und erlaubt es ihm die Tiere zu füttern und zu melken wie am Fließband.
Als überzeugte Veganerin lehne ich aus ethischen Gründen generell jegliche "Nutztierhaltung"ab, und dennoch habe ich mich gefreut, als ich heute am Schwarzwasser zwischen Lingwedel und Klein Oesingen die Kühe auf der Weide sah. Obwohl auch sie darauf gezüchtet sind, möglichst viel Milch zu produzieren, haben sie es immerhin viel besser als die meisten ihrer Artgenossinnen, die lebenslänglich "inhaftiert" sind.

Samstag, 2. Juli 2016

Himmlische Ruhe

Während die meisten anderen Menschen in diesem Land heute vor dem Bildschirm gehockt und die erste Halbzeit des Viertelfinales in Bordeaux verfolgt haben, haben wir auf unserem Abendspaziergang solche Bilder wie dieses genossen.
Wir lieben Fußball! Wie bitte? Ja, doch, denn bei solch wichtigen Spielen wie dem heute Abend sitzt die ganze Nation vor dem Fernseher – und wir haben freie Bahn, können mit den Hunden einen ausgedehnten Abendspaziergang machen und die himmlische Ruhe genießen. Es ist fast so, als hätten wir die Welt ganz für uns allein. Kaum ein Auto ist unterwegs, und das Dorf wirkt wie ausgestorben. Dass es das nicht ist, verrät nur das bläulich flackernde Licht der TV-Geräte hinter den Fenstern.
Schade, dass nur alle zwei Jahre eine Fußball-WM oder -EM stattfindet. Man sollte solche Turniere viel öfter austragen, mindestens einmal im Jahr. Dumm nur, dass es im Falle eines Sieges der deutschen Mannschaft schlagartig vorbei ist mit der Stille. Dann cruisen wieder grölende, Fahnen schwenkende Fußballfans durch die Straßen. Ob es heute dazu kommt, ist natürlich fraglich. Wir werden sehen – oder vielmehr hören ...

Golden blitzt die Sonne hinter den Bäumen hervor ...

Sonntag, 31. Januar 2016

Kaum länger als eine Minute

Von der Brücke aus lauschen wir dem Plät-
schern des Wassers.
Wenn wir, wie gestern, in die nahe gelegene Kleinstadt fahren, weil wir etwas aus dem Drogeriemarkt oder der Baustoffhandlung brauchen, kommen wir im Nachbardorf durch eine Senke, durch die ein Bach fließt. Am Bachufer stehen Schwarzerlen und auf den feuchten Wiesen wachsen Binsen. Die schmale Straße führt über eine Brücke mit Holzgeländer, und dort halten wir gerne kurz an, um auf den Bach zu sehen und dem Plätschern des Wasser zu lauschen. Ein Stopp von kaum mehr als einer Minute, aber uns kommt er viel länger vor. Es tut gut, einfach mal kurz innezuhalten und von der Brücke auf den Bach zu blicken und dabei ganz still zu sein – ein kleiner Moment des Glücks.
Wer ständig unter Strom steht, von einem Termin zum nächsten hetzt und dabei immer nur geradeaus, aber nie nach links oder rechts schaut, wird den Bach gar nicht wahrnehmen oder ihn zumindest nicht beachten.  Man muss, und das gilt auch im übertragenen Sinn, einen Gang herunterschalten und das Tempo drosseln oder, um einen Modebegriff zu gebrauchen, entschleunigen, um solche kleinen Glücksmomente erleben zu können. Es lohnt sich, das einmal auszuprobieren.

Dienstag, 26. Januar 2016

Eine Katze und zwei Schwäne

Erkennst du die Katze und die beiden Schwäne?
Spätestens seit der "Sesamstraße" – läuft die Serie eigentlich noch? – wissen wir: "Tausend tolle Sachen, die gibt es überall zu sehen ..." Obwohl seit meiner Kindheit schon einige Jahre vergangenen sind, entdecke ich jeden Tag irgendetwas, was mich fasziniert. Ich bin so dankbar dafür, dass ich mir die kindliche Neugier und den unvoreingenommen Blick habe bewahren können, und ich hoffe, dass wird auch immer so bleiben. Heute saß ich mit meiner Tasse Tee am Tisch – auf Augenhöhe mit der wunderschönen weißen Orchideenblüte. Minutenlang blickte ich in die Blüte, sah eine lächelnde Katze, die mit weit ausgestreckten Armen einen riesigen Schirm trägt und diesen schützend über zwei zarte Schwäne hält, die in einem mit goldgelben Wasser gefüllten Becken schwimmen, sich dabei aber merkwürdigerweise voneinander abgewandt haben. Bei der Katze könnte es sich auch um einen Tiger handeln. Gelb ist sie ja, und das Größenverhältnis zu den Schwänen spricht auch für die Tiger-These. Egal, ich liebe dieses ebenso traumhaft schöne wie rätselhafte Bild, um das sich in meiner Phantasie spannende Geschichten spinnen.
Manche Leute brauchen irgendwelche Drogen, um solche Bilder zu sehen. Dabei müssten sie nur lernen, den Blick für die "tausend tollen Sachen" um sie herum zu schärfen. Das ist gar nicht so schwer.
Wenn es nicht gelingen will, hilft vielleicht die geradezu flehentliche Bitte, mit der jede Folge der täglichen Comedy "Wir sind die Freeses" auf dem öffentlich-rechtlichen Pop-Dudelsender NDR2 beginnt: "Leg doch mal das Handy weg!"

Donnerstag, 31. Dezember 2015

Das letzte Tageslicht ...

... des Jahres 2015 war, zumindest hier bei uns, von der freundlichen Sorte. Nachdem es den ganzen Tag zum Teil heftig geregnet hatte – was uns allerdings nicht von einem schönen langen Hundespaziergang abhalten konnte –, kam am Nachmittag doch tatsächlich kurz die Sonne heraus, um schon wenige Minuten später hinter dem Horizont zu verschwinden. Uns schien es fast so wie eine versöhnliche Geste des alten Jahres – damit wir es trotz der zahlreichen Krisen und des Terrors in guter Erinnerung behalten.

Der letzte Sonnenuntergang des Jahres 2015 konnte sich sehen lassen.
Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern dieses Blogs alles Gute fürs neue Jahr!

Freitag, 18. Dezember 2015

Weihnachtsmodus: off

Gar nicht weihnachtlich und dennoch 
stimmungsvoll.
"Wir haben uns einen Kaminofen einbauen lassen", erzählte mir der Kollege, aber es klang nicht so, als würde er sich darüber freuen. "Ach, das ist doch schön", antwortete ich, und das meinte ich auch ganz ehrlich und aufrichtig, denn ich liebe es, am warmen Ofen zu sitzen und durch die Scheibe das Spiel der Flammen zu beobachten. "Ja, generell schon", entgegnete der Kollege, "aber da es jetzt so warm draußen ist, können wir das gute Stück gar nicht benutzen. Und Weihnachtsstimmung will bei so einem Wetter auch nicht aufkommen."
Das stimmt. Auch mir ist überhaupt nicht nach Weihnachten zumute. Weihnachten muss ja nicht unbedingt weiß sein, aber zumindest ein bisschen kalt sollte es sein. Lauwarme Weihnachten? Ne, das klingt ja schon irgendwie aufgewärmt. Jedenfalls nicht nach etwas, auf das man sich freut. Klar, man könnte auf den nächstbesten Weihnachtsmarkt gehen und sich mit dampfenden Glühwein Weihnachtsstimmung antrinken und darüber vergessen, dass man eigentlich mehr Lust auf ein Kaltgetränk hätte. Aber ob das eine gute Idee ist?
Es zwingt uns doch niemand, Weihnachten zu feiern. Wenn uns nicht danach ist, sollten wir auch den Mut haben, es einfach ausfallen zu lassen und uns stattdessen ein paar schöne Tage zu machen, zumal die meisten von uns Weihnachten ohnehin nicht mehr als christliches, sondern als säkularisiertes Fest feiern. Es besteht also gar kein Druck, sich emotional unter Druck zu setzen und zwanghaft in den Weihnachtsmodus zu schalten. Aber anscheinend ist das leichter gesagt als getan. Neulich las ich in einer großen, überregionalen Tageszeitung einen Kommentar, in dem sich der Autor darüber wunderte, dass wir Deutschen Weihnachten als ernste Angelegenheit betrachten, die in aller Stille im Familienkreis zelebriert wird, während die meisten unserer europäischen Nachbarn zu Weihnachten ein viel lockeres Verhältnis haben und das Fest mit Freunden feiern, gerne auch in Cafés und Kneipen.
Wir haben die Weihnachtsdeko gar nicht erst hervorgeholt – und vermissen sie auch gar nicht. Da wir in der dunklen Jahreszeit abends sowieso immer diverse Kerzen brennen haben, ist stets für stimmungsvolle Beleuchtung gesorgt, ohne dass damit "Weihnachtszauber" heraufbeschworen werden soll.

Donnerstag, 3. Dezember 2015

Eine gute Sache

Die Samenernte im eigenen Garten (hier Stangenbohnen) oder auf dem 
eigenen Feld sollte eine Selbstverständlichkeit sein, doch großen Saatgut-
konzernen ist das ein "Korn" im Auge. Brot für die Welt sieht den Verlust 
an biologischer Vielfalt als Ursache für Mangelernährung, weil vielerorts 
Mais und Weizen traditionelle Pflanzen wie Hirse verdrängt haben. Diese 
Pflanze bringt zwar weniger Ertrag, enthält aber viel mehr Nährstoffe und
ist für Klima und Böden oft viel besser geeignet, was den Aufwand für 
Düngung und Pflanzenschutz minimiert. 
Für mich ist es eher eine Liebhaberei, wenn ich jedes Jahr einige der schönsten Tomaten für die Samenernte abnehme. Eine kleine Sammlung ganz unterschiedlicher Sorten habe ich auf diese Weise zusammengetragen. Eines haben diese Tomaten gemeinsam: Ihre Früchte gibt es in keinem noch so gut sortierten Supermarkt zu kaufen. Überhaupt ist dank der vielen alten Sorten, die mit viel Enthusiasmus und Engagement gesammelt und wieder mit System vermehrt werden, eine größere Vielfalt auf die Gemüsebeete gezogen.
Dass diese Vielfalt, der Erhalt der alten regionalen Sorten in einem viel größeren Zusammenhang betrachtet, den Hunger in der Welt lindern kann, bringt die aktuelle Spendenkampagne "Satt ist nicht genug!" von Brot für die Welt in diesem Jahr ins Bewusstsein.
Mit dem örtlichen Gemeindebrief, den wir bekommen, obwohl wir keiner Kirche angehören, lag heute die kleine Broschüre dazu im Postkasten. Darin ist von dem Bauern Flavio Garra die Rede, dessen ausgemergelte Böden kaum noch Nahrhaftes produzierten. Eine von Brot für die Welt unterstützte Landwirtschaftsorganisation brachte den Kleinbauern dazu, wieder Quinoa anzubauen. So wie es einst seine Eltern gemacht hatten, bis sie für die Andenhirse keinen Markt mehr fanden. Die Rückkehr der tradionellen Pflanze, die mittlerweile weltweit geschätzt wird, auf seine Äcker sichert Flavio Garra heute wieder sein Auskommen.
Die Möglichkeit, eigenes Saatgut gewinnen zu können und damit unabhängig von den großen Saatgutkonzernen sein zu können, ist keine Selbstverständlichkeit mehr. Durch den Aufbau von Saatgutbanken sei es in etlichen Regionen gelungen, Kleinbauern den freien Zugang zu regional bewährten Pflanzen zu sichern. Parallel dazu gibt es aber auch Bestrebungen, die Möglichkeit, Pflanzen und Saatgut zu gewinnen und weiterzugeben, ohne Lizenzen an Saatgutkonzerne zahlen zu müssen, drastisch einzuschränken. Dies hätte für die Kleinbauern verheerende Folgen. Dabei sind sie es doch, die in weiten Teilen der Erde mit den geringsten Mitteln den größten Beitrag zur Ernährung der Bevölkerung leisten.
Cornelia Füllkrug-Weitzel, Präsidentin von Brot für die Welt, wird dazu zitiert: "Die internationale Agrarindustrie versucht seit längerem und zunehmend erfolgreich, den Saatgutmarkt zu kommerzialisieren. Im Moment steht Afrika dabei im Mittelpunkt. Die regionale Eigenzucht, eigene Saatgutbanken, der kostenlose Tausch oder
 die kostengünstige Weitergabe von Saatgut unter den Bauern und Bäuerinnen sind in Gefahr. Erlangen die Konzerne Macht über diesen Handel, wäre die Vielfalt der lokalen und regionalen Saaten bedroht. Hunger und Mangelernährung lassen sich so nicht bekämpfen." Weiter lesen wir: "Das Menschenrecht auf Nahrung, zutreffender Recht auf angemessene Ernährung genannt, ist am besten durch eigene Produktion zu verwirklichen. Hierfür müssen die Ressourcen frei verfügbar sein. Das heißt, neben dem Zugang zu Land und Wasser muss auch der freie Zugang zu Saatgut gegeben sein und darf nicht durch Gesetze und Regelungen im Sinne der Saatgutindustrie eingeschränkt werden. Brot für die Welt unterstützt deshalb das Leitmodell der Ernährungssouveränität, wie es die Kleinbauernorganisation La Via Campesina fordert: All diese Güter müssen denen gehören und denen zur Verfügung stehen, die auf dem Land und vom Land leben. Die bäuerlichen Saatgutsysteme müssen unterstützt werden und Saatgutgesetze, die sich gegen Bauern und Bäuerinnen richten, reformiert werden."
Egal, wie man zur Kirche und ihren Organisationen steht, so ist dieser politischen Forderung dennoch nichts hinzuzufügen, und es ist gut, wie klar hier Stellung bezogen wird. Hoffentlich hat die Kampagne von Brot für die Welt großen Erfolg. Schließlich geht es um Entwicklungshilfe im besten Sinn, da sie die Kleinbauern befähigt, ihre Situation selbstständig zu verbessern und sie nicht in neue Abhängigkeiten zu verstricken.

Mittwoch, 25. November 2015

Glücksgriff

Anstatt im neuen Glücksatlas lese ich lieber in diesem
"Glücksbuch".
Heute ist der Glücksatlas 2015 vorgestellt worden, aber davon wusste ich zunächst nichts. Es war Zufall, dass mir am Nachmittag das Büchlein "Jeder Tag ein Weg zum Glück" aus meinem reichen Fundus in die Hände gefallen war, und ich darin blätterte. Der kleine Band versammelt Gedanken und Lebensweisheiten des deutschen Benediktinerpaters Anselm Grün. Für ihn bedeutet Glück auch die Nähe zu Gott, aber nicht nur. Es geht um den Einklang mit sich selbst, den Ort der Ruhe und Kraft in sich zu suchen und vor allem zu finden. Ruhe statt Gehetze, Aufmerksamkeit statt Abgestumpftheit, Neugier statt Überdruss.
"Viele warten auf das große Glück. Sie sind enttäuscht, dass es nicht kommt. Bei ihrer Suche nach dem großen Glück übersehen sie die kleinen Freuden, die auf dem Weg ihres Lebens bereit liegen", schreibt Anselm Grün. Daran sollte man sich öfter einmal erinnern, wenn einen der Alltagsärger gerade wieder überwältigen will und und den Blick auf den perfekten Augenblick trübt.
In der Glücksstudie schneidet Niedersachsen (der Norden) gar nicht so schlecht ab im bundesdeutschen Vergleich, liegt auf Platz drei hinter Baden und Sieger Schleswig-Holstein. An die Küste müsste man also ziehen, um dem großen Glück näher zu kommen – oder noch ein bisschen bei Anselm Grün nachlesen, denn das Glück, so sagt er, liegt in uns. Wir müssen es nicht suchen, es ist schon da.

Samstag, 21. November 2015

Je mehr Wind, desto öfter Stillstand

Blick von unserer Pferdeweide auf den Windpark.
Von unserer Pferdeweide aus sehe ich jeden Abend die Sonne über dem Windpark untergehen – und wundere mich. An windarmen Tagen drehen sich die Windräder ohne Pause, aber wenn mehrere Tage hintereinander stürmt, stehen die Rotoren still. Das liegt, wie ich jetzt gelesen habe, ganz einfach daran, dass das Stromleitungsnetz überlastet ist, wenn zu viel Windenergie eingespeist wird. Im Süden der Republik könnte man den hier im Norden produzierten Strom zwar gut gebrauchen, aber dummerweise reichen die bestehenden Leitungen nicht aus, um den Strom von Nord nach Süd zu transportieren. Den Windparkbetreibern kann das egal sein. Sie müssen nämlich von den Netzbetreibern entschädigt werden, wenn ihre Anlagen zwangsweise abgeschaltet werden. Die Entschädigungszahlungen fließen in die Netzkosten ein, die auf uns alle umgelegt werden. Trotz fallender Einkaufspreise an der Strombörse werden deshalb die meisten Stromanbieter zum Jahreswechsel ihre Preise erhöhen. Das hat jetzt eine Auswertung des unabhängigen Verbraucherportals Verivox ergeben. Teurer wird es auch deshalb, weil zusätzlich die EEG-Umlage zur Förderung erneuerbarer Energien um 0,184 Cent auf 6,354 Cent je Kilowattstunde steigt. Dass die EEG-Umlage erhöht wird, ist ja noch halbwegs nachvollziehbar, aber dafür, dass es mit dem Netzausbau nicht vorangeht, fehlt mir jegliches Verständnis. Es gab ja sogar schon Fälle, dass Offshore-Windparks nicht ans Netz gehen konnten, weil die Stromleitungen fehlten. Ich meine, der Staat sollte den Netzausbau nicht irgendwelchen privaten Netzbetreibern überlassen, die aus Kostengründen kein gesteigertes Interesse habe, neue Leitungen zu verlegen, sondern es selbst in die Hand nehmen. Wenn der Staat es als seine Aufgabe betrachtet, Autobahnen zu bauen, dann ist er erst recht gefordert, wenn es darum geht, funktionierende Strom- und Datenleitungsnetze zu schaffen. Diese gehören doch schließlich zur Grundversorgung. Und wenn der Staat die Leitungen verlegen würde, wäre es auch einfacher, durchzusetzen, dass diese alle unterirdisch verlegt werden und nicht als kostengünstige, an Gittermasten hängende Freileitungen.

Dienstag, 17. November 2015

Symbole der Sanftmut

Die Angst vor dem Terror auch hierzulande wächst, und die Absage des Freundschaftsspiels der deutschen Nationalelf gegen die der Niederlande trägt natürlich mit dazu bei. In solchen unruhigen Zeiten sehnt man sich doch geradezu nach Bildern, die Ruhe und Geborgenheit vermitteln, und deshalb zeigen wir heute an dieser Stelle ein aktuelles Foto von unseren friedlich auf der Weide grasenden Schafen. Bitteschön:


Das Schaf gilt als das erste, von Menschen gezähmte Wildtier und ist seit jeher ein Sinnbild der Unschuld, der Geduld, der Reinheit und der Sanftmut. Und tatsächlich sind die Schafe die ruhigsten und friedlichsten Bewohner unserer kleinen Hofes.
Die christliche Symbolik bedient sich immer wieder des Bildes vom "Lamm Gottes", das vom "guten Hirten" geleitet wird. Nicht verschwiegen werden darf allerdings, dass das Schaf auch das beliebteste Opfertier in der Geschichte der Menschheit ist.
Nicht erst in den Romanen "Glennkill" und "Garou" von Leonie Swann, sondern auch schon in dem 2005 kurz vor "Glennkill" bei uns im Calluna-Verlag erschienenen, mit traumhaften Bildern illustrierten Buch "Wir Heidschnucken vom Sothriethof" wird die Welt aus der Schafperspektive entdeckt. Spätestens seit diesen Büchern wissen wir, dass Schafe nicht dumm sind, wie früher oft behauptet wurde, sondern ruhig uns besonnen agieren, was von uns hektischen Menschen zuweilen als begriffsstutzig fehlinterpretiert wird.
Leider ist inzwischen wissenschaftlich bewiesen worden, dass Schäfchen zählen nicht wirklich gegen stressbedingte Schlafstörungen hilft, aber vielleicht kann das Betrachten des Bildes von den Schafen auf der Weide immerhin dazu beitragen, etwas zur Ruhe zur kommen und sich von den aktuellen Ereignissen nicht zu sehr gefangen nehmen zu lassen.

Sonntag, 15. November 2015

Statt eines Regenbildes ...

Was für ein Wetter! Dauerregen den ganzen Tag! Wenn das Bild nicht inzwischen so abgegriffen wäre, würde ich sagen: Der Himmel hat fürchterlich geweint – darüber, dass die Menschen auf dieser Welt anscheinend nicht in Frieden leben können, sondern sich ständig irgendwo gegenseitig umbringen. Immer noch ganz geschockt von den abscheulichen Terroranschlägen in Paris, fiel uns heute, ehrlich gesagt, nichts Schönes zum Bloggen ein. Deshalb zeige ich heute nur das Stillleben mit Rosen und der rosa Laterne in unserem Wohnzimmer. Die Kerze in der Laterne brennt in diesen Tagen im Gedenken an die Opfer in Paris. Und schöner als ein Foto vom grauen, trüben November draußen ist dieses Arrangement doch allemal.

Trost spendendes Stillleben mit Rosen und rosa Laterne.

Samstag, 14. November 2015

Der Baum der Freiheit

Was soll man an so einem Tag posten? Am Tag 1 nach den schrecklichen Terroranschlägen in Paris. Lieber gar nichts? Nein, den Kopf in den Sand zu stecken, das ist keine Lösung. Wie aber können wir unsere Trauer, unser tiefes Mitgefühl und unsere Solidarität mit unseren lieben Nachbarn in Frankreich zum Ausdruck bringen? Vielleicht am besten, indem wir ein Zeichen der Hoffnung setzen und einen Baum pflanzen. Heute Abend ist das leider nicht mehr möglich, da wir gerade keinen Baum zur Hand haben, den wir pflanzen könnten. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Stattdessen posten wir heute an dieser Stelle ein Bild von Jean-Baptiste Lesueur (1749-1826), einem Zeitzeugen der Französischen Revolution. Es zeigt Revolutionäre beim Pflanzen eines "Baumes der Freiheit".

Ein "Baum der Freiheit" wird gepflanzt – ein schönes Bild aus der Zeit der Französischen Revolution, das auch heute noch eine starke Symbolkraft hat.
Schon Martin Luther soll ja seinerzeit empfohlen haben, in Anbetracht des Weltuntergangs ein Apfelbäumchen zu pflanzen. Der erste "Baum der Freiheit" war allerdings kein Apfelbaum, sondern eine Ulme. Sie stand in Boston und wurde zum Erkennungssymbol der "Sons of Liberty", einer Gruppe amerikanischer Kolonisten, die sich gegen das englische Mutterland auflehnte.
Angeblich war es der Marquis de La Fayette, der den Brauch, Bäume als Symbole der Freiheit zu pflanzen und sie mit Bändern und Fahnen zu schmücken, nach Frankreich brachte. Auf dem Höhepunkt der Französischen Revolution errichteten die Jakobiner 1790 in Paris den ersten "l'arbe de la liberté, krönten ihn mit einer Freiheitsmütze und tanzten, Revolutionslieder singend, um ihn herum. Zwei Jahre später sollen schon in rund 60.000 Orten der Republik "Bäume der Freiheit" gestanden haben, und auch in Deutschland kam es bald in Mode, Freiheitsbäume zu pflanzen.
Viele von uns kennen den "arbre de la liberté" von den französischen Euro-Münzen in Verbindung mit der Parole "Liberté, Egalité, Fraternité". Lange, bevor die Euro-Münzen in den Umlauf kamen, haben wir auf einer unserer zahlreichen Frankreich-Reisen Ende der 1980er Jahre Bekanntschaft mit diesem Symbol gemacht: Irgendwo in der französischen Provinz kauften wir in einer kleiner Manufaktur, in der handgeschöpftes Papier hergestellt wurde, einen Druck, der Menschen zeigt, die um einen mit Bändern in den französischen Nationalfarben geschmückten, frisch gepflanzten Freiheitsbaum Baum herum tanzten. Ein fröhliches, hoffnungsvolles Bild. Es begleitete uns Jahrzehnte lang, hing bei uns gerahmt an der Wand, zog mehrfach mit uns um. Leider wurde es eines Tages infolge eines Wasserschadens wellig und verfärbte sich gelb. Als es sich in seine Bestandteile aufzulösen drohte, warfen wir es schließlich schweren Herzens weg.
In Anbetracht der schrecklichen Ereignisse in Paris, die ein barbarischer Angriff auf die Freiheit nicht nur in Frankreich, sondern auch in ganz Europa waren, kam es uns heute wieder in den Sinn. Der "arbre de la liberté" als Symbol der Freiheit und der Hoffnung auf eine bessere Welt ist heute nicht weniger aktuell als vor 225 Jahren. Möge er den Franzosen Trost spenden und Kraft geben für den Kampf gegen den Terror!

Montag, 18. Mai 2015

Katze müsste mann sein ...

Unser hübsches Katerchen räkelt sich im Gras und genießt die Sonne.
Katze müsste man sein! Dann könnte man sich den ganzen Tag die Sonne auf den Bauch scheinen lassen (sofern sich die Sonne nicht gerade hinter einem Wolkenvorhang versteckt), und man würde sich dreimal am Tag von seinen Menschen das Essen servieren lassen. Aber bitte nicht neidisch werden! Uns Menschen würde auch etwas mehr Gelassenheit und Müßiggang gut tun. Wir haben die Freiheit, unser Leben individuell zu gestalten, doch nur die wenigsten von uns nutzen diese Freiheit, nehmen stattdessen alle äußeren Umstände, die ihr Leben bestimmen, als gegeben, als unveränderlich hin.
Freiheit hat übrigens nichts mit Geld oder materiellem Wohlstand zu tun. Im Gegenteil: Wer für die allgegenwärtigen Verlockungen der Konsumwelt weniger empfänglich ist, kommt mit erstaunlich wenig Geld zurecht, und ist nicht trotzdem, sondern gerade deshalb freier und vermutlich auch glücklicher.
Katzen (oder Hunde oder andere Tiere) definieren sich nicht über Arbeit, über Leistung und Besitz, sie sind einfach nur da und leben. Ist das etwa nicht genug?

Mittwoch, 13. Mai 2015

Nicht verkauft? Ab in die Tonne!

Im Laden vertrocknet und dann in die Tonne 
getreten: Geranien als Wegwerfware.
Selten bin ich so traurig vom Einkaufen nach Hause gefahren wie heute Abend. Der Grund war eine Mülltonne oder vielmehr ihr Inhalt. Die Tonne stand vor der hiesigen Filiale des größten deutschen Lebensmittel-Discounters – mit offenen Deckel, sodass ich genau sehen konnte, was sich in der Tonne befand: Jede Menge Geranien in schwarzen Plastiktöpfen, umhüllt von Plastiktüten, auf denen rote Preisschilder mit der Aufschrift "billiger" klebten. 20 Cent je Pflanze sollten die Geranien nur noch kosten. Aber auch zum Schnäppchenpreis wollte sie offenbar niemand mehr haben – wahrscheinlich weil sie schon vertrocknet waren.
Entweder die Pflanzen werden als Aktionsware innerhalb von drei Tagen verkauft – oder sie sterben. Das Personal interessiert sich nicht für die Pflanzen. Die Pflanzen im Laden zu bewässern, das ist nicht vorgesehen, und wahrscheinlich würde eine mitfühlende Kassiererin auch mächtig Ärger mit ihren Vorgesetzten bekommen, wenn sie den Pflanzen mit etwas Wasser das Leben retten würde.
Wie oft haben wir schon aus Mitleid halb vertrocknete Pflanzen bei einem der Discounter gekauft und sie zu Hause wieder aufgepäppelt! Aber damit ist jetzt Schluss. Man sollte generell keine Pflanzen im Supermarkt kaufen. Nur so kann man verhindern, dass Pflanzen als billige Wegwerfware produziert werden. Auch die Kunden haben sich diese Wegwerfmentalität zu eigen gemacht. Kaum jemand lässt seine Geranien oder andere Balkonblumen im Keller überwintern. Kaum sind sie verblüht, werden sie weggeworfen und durch neue, üppig blühende Pflanzen ersetzt. Dabei können gerade Geranien sehr alt werden, und man kann viele Jahre Freude an ihren Blüten haben, wie wir aus eigener Erfahrung bestätigen können.
Traurig gemacht hat mich nicht nur der achtlose Umgang mit den lebenden Pflanzen, sondern auch, dass die Pflanzen einfach mitsamt Topf und Folienumverpackung in die Restmülltonne geworfen worden sind. Mülltrennung? Für die Kunden ist das eine Selbstverständlichkeit, für die Discounter offenbar ein Fremdwort.

Freitag, 10. April 2015

Sonnenbad

Schimmelstute Sharika lässt sich die Sonne auf den weißen Isländer-Pelz scheinen.
Vielleicht sollten wir Menschen uns öfter einmal ein Beispiel an den Tieren nehmen. Sie interessieren sich nicht für Geld und Karriere und haben auch nicht den Drang, immer mehr Reichtum anzuhäufen. Deshalb denken sie auch gar nicht daran, irgendeiner Lohnarbeit nachzugehen, lassen das lieber die blöden Menschen machen. Stattdessen genießen sie den sonnigen und warmen Frühlingstag und dösen den ganzen Tag in der Sonne. Etwas mehr Müßiggang würde auch uns Menschen gut tun – und auf der Welt gäbe es weniger Probleme. Dumm nur, dass sich der moderne Mensch über seine Arbeit definiert.

Donnerstag, 19. März 2015

Vor der Sonnenfinsternis

Die Stromleitung, der Hochspannungsmast und die unterge-
hende Sonne wirkten heute Abend wir ein Schlüsselreiz.
Ich musste sofort an die morgige Sonnenfinsternis denken. 
Als ich heute Abend oben auf der Pferdeweide stand und mir einmal mehr den Sonnuntergang anschaute, fiel mein Blick zuerst auf einem orangeroten Strich am Himmel, der sich unschwer als ein von der untergehenden Sonne angestrahlter Kondensstreifen eines Flugzeug zu identifizieren war, und dann auf den Hochspannungsmast.
Was wäre, dachte ich, wenn nach der Sonnenfinsternis morgen tatsächlich das Stromnetz zusammenricht? Dann würde es auch für den Flugverkehr kritisch, denn ich glaube kaum, dass es für sämtliche Navigationssysteme Notstromsystem gibt. Wenn es die doch gibt, könnten sie aber wahrscheinlich nur einen kurzzeitigen Blackout überbrücken.
Dass plötzlich die Sonne verschwindet und auf einen Schlag sämtliche Solaranlagen auf deutschen Dächern quasi vom Netz gehen. ist ja den Experten zufolge wohl nicht so ein großes Problem. Viel schwieriger wird es, wenn die Sonne wieder aus dem Mondschatten heraustritt und alle Solaranlagen von einer Sekunde auf die andere wieder angeschaltet werden. Auch wenn die Gefahr, dass die zu erwartenden Überspannungen auch beim Endverbraucher  ankommen, gering sein soll, werde ich vorsichtshalber alle empfindlichen Geräte (Computer, Router, Digitalradios usw.) schon vor der Sonnenfinsternis vom Netz nehmen und am batteriebetrieben Radio lauschen, ob der große Crash eintritt oder nicht.
Zum Glück haben wir genügend Holzscheite und Holzbriketts, sodass wir zumindest nicht erfrieren werden. Verhungern werden wir auch nicht. Mit den Vorräten können wir wahrscheinlich bis zu zwei Wochen auskommen, und wir haben einen Gasherd, der mit Flaschengas betrieben wird. Auch für die Tiere haben wir futtermäßig gut vorgesorgt. Lediglich mit der Wasserversorung im Haus könnte es schwierig werden, denn wenn in den Wasserwerken die elektrischen Pumpen ausfallen, sinkt der Wasserdruck in den Leitungen ziemlich schnell, und irgendwann kommt gar kein Tropen mehr aus dem Hahn.
Aber ich gehe mal davon aus, dass so viel passiert wie beim so genannten Milleniums-Crash zur Jahrtausendwende, nämlich nichts. Nehmen wir uns die legndären Blues Brothers und ihren unerschüttlichen Optimismus zum Vorbild. Wie sagte doch Elwood Blues, bevor er Gas gibt – und das Road Movie seinen Lauf nimmt?  "Es sind 106 Meilen nach Chicago, wir haben genug Benzin im Tank, 'n halbes Päckchen Zigaretten, es ist dunkel, und wir tragen Sonnenbrillen!" Na, dann kann ja nichts mehr schiefgehen! Zum Glück habe ich nicht Marc Elsbergs Roman "Blackout" gelesen, denn sonst würde ich der Sonnenfinsternis wahrscheinlich nicht so gelassen entgegensehen.

Freitag, 13. Februar 2015

Höchste Zeit für den Umstieg

"Soviel Stau gab es noch nie" und "Eine Million Kilometer Stillstand"– so oder ähnlich lauteten heute die Schlagzeilen in den Online-Ausgaben vieler überregionaler Medien. Der Anlass war die Präsentation der ADAC-Stau-Statistik 2014. Dem Automobilclub zufolge gab es im vergangenen Jahr 475.000 Staus mit einer Gesamtlänge von 980.000 Kilometern. Alle gemeldeten Staus zusammen dauerten 285.000 Stunden – umgerechnet mehr als 32 Jahre.
Wenngleich der ADAC einräumt, dass die enorme Zunahme der Staus und Staukilometer um etwa 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr vor allem auf die genauere Erfassung der Staudaten zurückzuführen ist, offenbaren die Zahlen doch den ganzen Irrsinn auf den deutschen Straßen.
Für viele Politiker und die Autolobby – zwischen beiden Gruppen gibt es bekanntlich eine große Schnittmenge – lautet die folgerichtige Forderung: Noch mehr neue Straßen bauen und vorhandene ausbauen und verbreitern. Dabei fehlt schon jetzt das Geld, um das bestehende Straßennetz instand zu halten. Man denke nur an all die vielen maroden Autobahnbrücken, die zu sanieren sind.
Nein, so kann es nicht mehr weitergehen! Es muss endlich ein Umdenken stattfinden! Weg vom Auto und hin zum Fahrrad und zu öffentlichen Verkehrsmitteln. Immer mehr Schulabgänger haben sowieso keine Lust aufs Autofahren. Sie machen keinen Führerschein und investieren das gesparte Geld lieber in die neusten Modelle von iPhone und MacBook Air. Für sie sind Autos längst keine Statussymbole mehr, sondern altmodische Vehikel, die viel kosten, auch wenn sie gar nicht bewegt werden.
Autofahren kostet nicht nur viel Zeit und Nerven, sondern auch jede Menge Geld. Nicht nur im Transitland Deutschland, sondern auch in unseren Nachbarländern. Das britische Centre for Economic and Business Research (CEBR) hat ausgerechnet, dass die durch Staus verursachten Kosten in Großbritannien bis 2030 auf 20 Milliarden Pfund pro Jahr steigen werden, das sind umgerechnet rund 26,6 Milliarden Euro. Was für ein volkswirtschaftlicher Schaden! Da könnte man statt des Benzins auch gleich das Geld verbrennen.

Der Business-Pendler im Anzug kommt auch bei strömenden Regen trocken von A nach B, dank des neuartigen Regen- und Wetterschutzes "dryve", der von einem Konstanzer Ingenieur entwickelt worden ist und in wenigen Wochen in den Handel kommt und hoffentlich mehr Pendler zum Umstieg vom Auto aufs Fahrrad bewegen wird. Foto: www.dryve.ch/de
Zwei Drittel der von CEBR ermittelten Kosten entfallen auf den Großraum London. Boris Johnson, der Bürgermeister der britischen Metropole, in der bereits 8,6 Millionen Menschen leben, setzt deshalb konsequent aufs Fahrrad. Er will nach und nach den Autofahrern immer mehr Fahrspuren wegnehmen und sie zu Radwegen umwidmen. Außerdem plant er "Cycle Supherhighways"– Fahrradautobahnen, die von Norden nach Süden und von Osten nach Westen quer durch London führen soll. Die Idee ist nicht neu, in Kopenhagen und Odense hat man damit schon gute Erfahrungen gemacht und den drohenden Verkehrsinfakt weitgehend abgewendet. Und die Zahl der Pendler, die vom Auto aufs Fahrrad umsteigen, nimmt weiter zu. Gleichzeitig nehmen die Luftverschmutzung der Verkehrslärm ab, und dank da das Fahrradfahren den Menschen mehr Bewegung verschafft, wird auch das Problem der zunehmenden Verfettung der Wohlstandsgesellschaft etwas entschärft.
Eine gut ausgebaute Infrastruktur für Radfahrer ist die wichtigste Voraussetzung, um vor allem die Pendler, die morgens und abends die kilometerlangen Staus verursachen, zum Umstieg aufs Fahrrad zu bewegen. Nichts nervt mehr, als wenn man mit dem Fahrrad in der Stadt alle paar Meter an roten Ampeln halten muss und ständig befürchten muss, von einem abbiegenden Auto gerammt zu werden oder einen Fußgänger zu überfahren, weil Rad- und Fußwege nicht klar voneinander getrennt sind.
Seitdem E-Bikes auch für Normalverdiener erschwinglich geworden sind, zählt das Argument "Ich fahre lieber Auto, weil ich nicht verschwitzt bei der Arbeit ankommen will" nicht mehr. Vor Regen schützen neuerdings Faltdächer, und für den größeren Wochenendeinkauf gibt es praktische Fahrradanhänger. Und größere Entfernungen zwischen Wohnung und Arbeitsplatz lassen sich durch eine Kombination verschiedener Verkehrssysteme, idealerweise Bahn und Faltrad, überbrücken.
Londons Bürgermeister Boris Johnson hat es vorgemacht. Er ist so oft wie möglich mit dem Fahrrad unterwegs. Sein Namensvetter, der Oberbürgermeister von Tübingen, Boris Palmer, geht sogar noch einen Schritt weiter und pfeift auf den ihm zustehenden Dienstwagen und fährt lieber mit dem Fahrrad.
Wenn mehr Politiker (und auch Firmenchefs) mit gutem Beispiel voran- und mit dem Rad zur Arbeit fahren würden, hätte das Auto als Pendlerfahrzeug bald ausgedient. Bei uns auf dem Land schmückten sich die Politiker viele Jahre damit, dass sie sich für den Bau von Radwegen entlang von Landes- und Bundesstraßen einsetzten. Viele dieser Radwege werden leider kaum benutzt, zum einen weil es nervt, direkt neben den lärmenden und stinkenden Autos zu fahren, zum anderen weil die Radwege oft vernachlässigt werden. Im Winter zum Beispiel werden die Fahrbahnen selbstverständlich von Schnee und Eis befreit, während die Radwege geradezu im Schnee versinken (wenn es denn mal geschneit hat, was inzwischen nicht mehr so oft vorkommt). Viele genervte Radfahrer sind deshalb lieber abseits der Straßen auf asphaltierten Wirtschaftswegen unterwegs.
Es reicht nicht, einen Radweg von A nach B zu bauen. Vielmehr muss auch in ländlichen Regionen eine neue Verkehrsinfrastruktur geschaffen werden, die Rad- und Bahnfahren miteinander verknüpft. Dazu gehört zum Beispiel auch der Bau von Fahrradparkhäusern (gibt es unter anderem in Lüneburg), damit Pendler ruhigen Gewissens auch ein hochwertiges Fahrrad am Bahnhof abstellen können, ohne Angst haben zu müssen, dass es abends nicht mehr da steht, wo sie es morgens abgestellt haben.