Dienstag, 11. Oktober 2016

Herbstwetter

Auch bei Regen ist der Herbst schön. Man muss nur etwas genauer hingucken, um die schönen Seiten zu entdecken.

Dicke Wassertropfen auf einem frühzeitig verwelkten Eichenblatt. 

Sonntag, 9. Oktober 2016

Unboxing: Ein Paket aus einer Biogärtnerei

Der Aufkleber verrät, was im Paket enthalten ist. 
Text: Marion Korth
Fotos: Inka Lykka Korth

Da ist es also! Gespannte Erwartung stellt sich ein, als ich nach einem Ausflug am Sonnabend ein großes, an mich adressiertes Paket vorfinde. Wirklich überrascht kann ich nicht sein, schließlich habe ich den Inhalt selbst bestellt, aber es ist doch ein Unterschied, Bilder und Beschreibungen im Internet zu lesen oder aber wirklich in den Händen zu halten, was sich dahinter verbirgt. Die Paketaufschrift ist verheißungsvoll: "Hier sind lebende Pflanzen drin!", steht auf dem leuchtend grünen Aufkleber.
Zuerst aber kommen Zweifel auf: Statt Blumen und Beerensträucher aus einer Biogärtnerei scheine ich doch eher ein Dutzend Meerschweinchen bestellt zu haben, denn unter dem großen Pappdeckel kommt erst einmal nur haufenweise duftendes Heu zutage. Dann aber doch keine Meerschweinchen, sondern lauter Blumen, verschiedene Sorten Wildastern und Herbstanemonen.

Beim Öffnen kommt zunächst jede Menge Kaninchenfutter zum Vorschein.
Inka ist enttäuscht, nur Blumen? Haben wir davon nicht genug? Ganz unten im Paket kommen dann aber doch die versprochenen Beerensträucher zum Vorschein, Inka ist beruhigt.

Doch dann gibt das Heu blühende Blumen frei - hier ein Topf mit Wildastern.
Den Rest des Nachmittags verbringe ich im Garten, um den Neuankömmlingen einen schönen Platz zum Wachsen zu schaffen. Das Heu hat gute Dienste geleistet, ein bisschen zerdrückt sehen die Pflänzchen aus, aber kein Zweig ist gebrochen, die Töpfe sind schön durchwurzelt und nachdem ich noch ein paar Kannen Gießwasser geschleppt habe, sehen Blümchen und Beeren schon bald wieder richtig prall und gesund aus. Das Schönste: Drei der neuen Astern haben noch gar nicht begonnen zu blühen, sind aber voller Blüten. Jetzt darf ich weiterhin gespannt sein und mich auf den Tag freuen, wenn die kleinen Sterne in Weiß und Violett sich öffnen werden.

Zum Schluss werden die Beerensträucher aus dem Paket gefischt, und dann ist das Unboxing beendet. Erstaunlich, was alles in so einen Karton passt.

Samstag, 8. Oktober 2016

Ein Strauch voller Mützen

Birette, wie die Kopfbedeckungen römisch-katholischer Geistlicher heißen, sind in unser protestantisch geprägten Gegend nur selten zu sehen. Um so bemerkenswerter ist es, dass wir heute gleich Tausende davon sahen – ausgerechnet in der Nähe des Klosters Wienhausen, das bekanntlich seit der Reformation der evangelisch-lutherischen Kirche angehört.
Im Volksmund werden die Birette etwas despektierlich auch Pfaffenhütchen genannt, und genau das ist die Bezeichnung für den Strauch, der purpurrote Früchte in Form eines Biretts trägt. In den Windschutzhecken in der Allerniederung zwischen Wienhausen und Osterloh gibt es davon reichlich. Und obwohl wir weder der einen noch der anderen Kirche angehören, waren wir begeistert, denn die Pfaffenhütchen-Früchte leuchteten in der Herbstsonne wie die Kugeln an einem Weihnachtsbaum.
Für uns Menschen sind die Früchte übrigens giftig, aber manche Vögel lieben sie, vor allem Drosseln,  Elstern und Rotkehlchen.

Am Wegesrand nicht zu übersehen: Die leuchtend roten Früchte des Pfaffenhütchens sind jetzt im Herbst echte Hingucker.

Freitag, 7. Oktober 2016

Begrüntes Badezimmerfenster

Als Kind war ich immer fasziniert von einem alten Haus am Stadtrand, das nahezu vollständig mit Efeu berankt war. Tatsächlich war der Efeu bis zum Dachfirst emporgeklettert, und sogar der Schornstein war schon teilweise begrünt. Mir kam das kleine Haus vor wie ein Hexenhaus, und ich dachte mir immer neue Geschichten aus, die in dem Haus spielten. Wahrscheinlich stand das Haus schon lange leer, und inzwischen ist es wahrscheinlich längst abgerissen und durch einen "sterilen" Neubau ersetzt worden.
Wenn ich später mal ein eigenes Haus haben sollte, würde ich es auch begrünen, sagte ich mir damals. Heute sind wir auf einem guten Weg in diese Richtung. An der Südseite unseres Hauses war der Efeu schon bis zum Dach geklettert, und als wir vor drei Jahren das Dach neu decken ließen, mussten ihn die Dachdecker etwas stutzen.
Aber der Efeu wächst nicht nur in die Höhe, sondern auch in die Breite. Von unserem begrünten Küchenfenster hatte ich ja schon einmal ein Foto geposted. Jetzt hat sich der Efeu es auch schon bis zum Badezimmerfenster vorgearbeitet. Bevor es ganz zuwuchert, werden wir wohl mal die Gartenschere einsetzen müssen, aber können wir aus dem begrünten Fenster zum Hof hinausschauen und uns an den Efeuranken erfreuen.

Unser begrüntes Badezimmerfenster

Donnerstag, 6. Oktober 2016

Zufall oder Achtsamkeit?

Auf der großen Pferdeweide haben wir in diesem Jahr schon etliche stattliche Exemplare gesichtet. Aber jetzt ist ein Gemeiner Riesenschirmling (Macrolepiota procera) auch auf dem Hof aufgetaucht. Er wächst im Heidesand, ausgerechnet an einer Stelle, die von unseren Tieren besonders stark frequentiert wird. Für die Pferde, Schafe und Ziegen steht der Parasol gewissermaßen direkt in der "Haupteinflugschneise" auf halben Weg zwischen Weide und Paddock. Na, der lebt dort gefährlich, dachte ich, als ich ihn vorgestern am Morgen entdeckte. Er schien war über Nacht aus dem Boden geschossen. Am Abend vorher war er noch nicht da – an der exponierten Stelle hätte ich ihn nicht übersehen können. Heute Abend ist der bestimmt platt, dachte ich, und der Gedanke daran, dass es sein unausweichliches Schicksal sein würde, buchstäblich unter die Hufe zu kommen, machte mich ein wenig traurig.

Dieser Parasol mit noch geschlossenem Schirm – in dem Wachstumsstadium wird er auch "Paukenschlegel" genannt –, steht sehr gefährlich an der "verkehrsreichsten" Stelle auf unserem Hof. Aber bislang – toi, toi, toi – wurde er noch von keinem Pferd, keinem Schaf und keiner Ziege umgerannt.
Aber am Abend, wer hätte das gedacht, stand der Pilz noch da wie eine Eins. Und am nächsten Morgen auch noch und am Abend ebenso. Drei Tage hat der Pilz nun schon unbeschadet überstanden. Obwohl es abends jetzt schon dunkel ist, wenn die Pferde von der Weide kommen und in ihren Paddock laufen, wurde der Pilz bislang noch nicht umgerannt? Zufall? Vielleicht. Aber vielleicht liegt es auch daran, und dieser Gedanke ist mir sehr viel sympathischer, dass die Tiere achtsamer sind als wir Menschen.

Mittwoch, 5. Oktober 2016

Das wäre ein perfekter Tag zum Segeln gewesen

Ein paar Deko-Wolken am ansonsten blauen Himmel und kühle und frische Luft, die direkt von der Küste zu kommen scheint, und die schon recht tief stehende Sonne zaubert schöne Lichtstimmungen – genau das ist es (abgesehen von der Laubfärbung, die noch auf sich warten lässt), was wir am Herbst so mögen. Als ich heute gegen Mittag mit dem Fahrrad auf dem Rückweg von einem Termin in der 25 Kilometer entfernten Kreisstadt Gifhorn kam und mir der Wind direkt ins Gesicht blies, bekam ich richtig Sehnsucht nach dem Meer und Lust aufs Segeln – als Kind bin ich mit Begeisterung gesegelt, seitdem leider nicht mehr. Doch da wir nicht an der Küste wohnen – bis dorthin sind es von uns aus 200 Kilometer –, begnügte ich mich mit einem träumerischen Blick über die Wiesen am Wegesrand. Auch nicht schlecht ...

Weite, menschenleere Landschaft bei Betzhorn in der Nähe des Löns-Steins. Auf der Rückfahrt von meinem Termin in der Stadt habe ich heute vom Fahrrad aus diesen herrlichen Herbsttag genossen.



Sonntag, 2. Oktober 2016

An der Gerdau entlang

Nicht tief, aber dafür umso schöner: die Gerdau zwischen 
Eimke und Wichtenbeck.
Inspiriert von den Tourenbeschreibungen von Niels Tümmler aus Bargfeld, der in unserem Südheide-Magazin Calluna die Kolumne "Plattdüütsch" (Plattdeutsch) schreibt und mit eigenen Fotos illustriert, haben wir uns heute auf den Weg ins Flusstal der Gerdau gemacht. Unsere insgesamt 19,6 Kilometer lange Wanderung führte uns von Bargfeld am Naturschutzgebiet Mönchsbruch vorbei nach Eimke und von dort am Westufer der Gerdau entlang flussaufwärts bis an den Rand des Kiehnmoor und dann am Ostufer zurück nach Eimke. Von dort sind wir dann durch den kleinen Ort Wichtenbeck und über den Kapellenberg zurück in Richtung Bargfeld gegangen.
Es war unsere erste längere Wandertour in diesem Herbst – im Sommer waren wir ja meistens mit dem Fahrrad unterwegs – und für die beginnende Wandersaison ein Auftakt nach Maß: Die Gegend dort ist tatsächlich so wunderschön, wie von Niels Tümmler beschrieben, und das Wetter war nicht weniger abwechslungsreich als die Landschaft. Wir hatten viel Sonne, wunderbare Wolken, einen kräftigen Regenschauer und danach einen traumhaften Regenbogen.

Blick von der "Kirchsteigbrücke" auf den Fluss.
Nachdem wir vor einigen Jahren schon auf der Gerdau von Bohlsen bis zur Mündung in die Ilmenau bei Holdenstedt am südlichen Stadtrand von Uelzen gepaddelt waren, lernten wir nun endlich auch einmal den Oberlauf des Flusses kennen – und waren fasziniert von dem kalten, klasklaren, durchaus flott fließenden Wasser und den Wanderwegen an den Ufern entlang.

Über uns scheint noch die Sonne, im Hintergrund verfinstert sich der Himmel.

Obwohl Fyffes und Fussel nach dem Sommer nicht mehr so gut im Training waren, bewältigten sie die Tour ohne ein Anzeichen von Müdigkeit. Aber geradezu phänomenal war, dass auch Fiene, obwohl erst fünf Monate alte und als Jack Russell mit kürzeren Beinen ausgestattet als die beiden langbeinigen Parson-Russell-Terrier, nicht schlapp machte und nur einmal, während des Regenschauers, mein Angebot, sie ein Stück zu tragen, annahm.

Fyffes, Fussel und Fiene auf dem Wanderweg, der am Ostufer der Gerdau entlang führt.
Heidschnuckenherde auf einer Wiese in der Flussaue.
Kaffeepause auf einer Bank am Waldrand bei Wichtenbeck.
Erlenbruchwald am Rand des Kiehnmoores.
Fyffes am Kapellenberg.
Regenbogen, als nach dem Schauer wieder die Sonne hinter den Wolken hervorkommt.