Montag, 21. März 2016

Reiche Ernte aus dem Großstadtdschungel

Brachflächen, Balkone, Hinterhöfe: Burkhard Bohne ist ein Fan der neuen Gemeinschaftsgärten und hat 
darüber jetzt ein Buch geschrieben. Foto: Kerstin Mumm
Berlin und Braunschweig – zwei Städte, die sonst nicht viel gemeinsam haben, außer vielleicht dem „B“ am Anfang. Berlin ist nicht nur Deutschlands Hauptstadt, sondern gleichzeitig auch noch die bevölkerungsreichste und von der Fläche her größte Gemeinde der Republik. Und noch etwas: Berlin ist die Keimzelle einer städtischen Gartenbewegung, die vor tristen Hinterhöfen nicht haltmacht und auch nicht vor fremder Leute Grundstücke. Gärtnermeister Burkhard Bohne, den wir auch schon einmal für eines unserer Gartenprojekte gewinnen konnten,  hat sich von Braunschweig aufgemacht in den Großstadtdschungel, hat Seminare gegeben, sich selbst inspirieren lassen. Die Früchte (nicht nur) seiner Hauptstadtbesuche gibt es jetzt ganz neu in Buchform: „Garden your City“, erschienen bei Kosmos.
Das neue Buch von Burkhard
Bohne.
Die Begegnung mit „Gartenaktivisten, die nicht viel wissen, aber unendlich neugierig sind“, waren eine belebende Erfahrung. Die Idee, die daraus gewachsen ist, bringt Kräuterworkshops, wie sie der Leiter des Arzneipflanzengartens der Technischen Universität Braunschweig seit Jahren gibt, mit dem Gedanken des „Urban Gardening“ zusammen. „Gerade mit Kräutern kann jeder auf kleinstem Raum einen wesentlichen Beitrag zur Eigenversorgung leisten“, sagt Bohne. Gärtnerisches Basiswissen über Boden, Mischkulturen und Pflanzenauswahl hat er in seinem neuen Ratgeber verbunden mit Anregungen für Recyclingprojekte, Kübelgärten bis hin zur Vorstellung sozialer Gemeinschaftsgärten. Die Betonung liegt auf „Ratgeber“. Lifestylebücher, die den Trend des „Urban Gardening“ besingen, aber außer ein paar hübschen Fotos wenig Substanz haben, gibt es ohnehin genug.
Die Prinzessinnengärten in Kreuzberg sind vielleicht das berühmteste Beispiel für eine ungewöhnliche, mitunter unerlaubte Landnahme. Auf der Brachfläche, die dem Land Berlin gehört, werden in Kästen und Containern – Hauptsache beweglich – Biogemüse, Obst und Kräuter gezogen. Der Pachtvertrag wird jeweils nur für ein Jahr verlängert, hier entstehen keine Gartenanlagen für die nächsten Jahrhunderte. Die Nutzung der Brachflächen ist ein organischer Prozess.
Es geht nicht nur um Gemüse, sondern um Gemeinschaft. „Der Gedanke dahinter ist, jeder kann teilhaben und mitmachen. Das kann Nachteile haben, hat vor allem aber viele Vorteile“, sagt Bohne. Diese Experimentierfelder öffnen in seinen Augen das Gärtnern für die nächste Generation. Sie überwinden Alters- und kulturelle Grenzen. „Ist das der Anfang einer neuen Gartenkultur? Ich wusste es anfangs nicht, aber es könnte sein“, meint Bohne. Diese andere Form der Gartenkultur hat etwas Zukunftsweisendes, indem sie Aspekte der Ressourcenschonung (Transportwege, Recycling) mit denen der gesunden Ernährung, der gesellschaftlichen Teilhabe, der Stadtentwicklung, der sozialen Gemeinschaft und des Umweltschutzes zusammenführt.
Bohnes Heimatstadt Braunschweig ist nicht Berlin und eher Entwicklungsland, was gärtnerischen „Wildwuchs“ auf öffentlichen Flächen oder gerade nicht genutzten Grundstücken angeht. Aber neben Fotos aus Kreuzberg zeigen andere den Bebelhof in Braunschweig. Projekte wie der Stadt(Statt-)Garten weisen den Weg, wohin die Entwicklung gehen könnte. Menschen, die sich sonst kaum begegnet wären, kümmern sich hier um die Pflanzkisten. Die Volkshochschule managt den Gemeinschaftsgarten, sodass viele Unwägbarkeiten von der professionellen Unterstützung bis hin zur finanziellen Ausstattung gleich von vornherein wegfallen. Auch das habe seine Vorteile, sagt Bohne.
Mehr Mut zu mehr Grün in der Stadt, den wünscht er sich oder mit anderen Worten: „Garden your City“.
Burkhard Bohne, Kerstin Mumm (Fotos), „Garden your City“, Verlag Kosmos, 176 Seiten, 334 Farbfotos, Klappenbroschur, ISBN 978-3-440-14971-3, 
20 Euro.

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