Freitag, 7. August 2015

Abends ist es jetzt am schönsten

Wenn abends die Sonne untergeht, leuchten die Blüten der Nachtkerzen wie hundert kleine Sonnen. Schön allein wegen dieser üppig blühenden und betörend duftenden Blumen muss man die lauen Sommerabende lieben.
Jeden Abend gibt es einen 
neuen Blütenzauber.
An solchen Tagen wie heute bin ich wieder einmal froh, dass ich auf dem Land und nicht in der Stadt wohne. Da hier zum Glück noch nicht alles gepflastert und asphaltiert ist, heizt es sich hier nicht so auf wie in der Stadt. Selbst die größte Sommerhitze ist noch halbwegs erträglich, und in unseren großen, alten Fachwerkhaus gibt es einige Räume, in denen es noch richtig kühl ist – so kühl, dass ich mir abends eine Jacke überziehen muss. Am wärmsten ist es in meinem Büro, und das liegt an der ganzen Elektronik hier – jedes Netzteil eine Mini-Heizung.
Am schönsten ist es bei der Hitze abends, kurz bevor die Sonne untergeht. Dann hat es sich draußen schon etwas abgekühlt, und am Gartenzaun vollzieht sich das allabendliche Ritual: Die Nachtkerzen, die in diesem Jahr besonders üppig blühen, öffnen ihre Blüten und verströmen ihren betörenden Duft, der die Nachfalter anlocken soll.

Donnerstag, 6. August 2015

Lehrbuch und Liebeserklärung

Suchbild mit Hummel(n): Die Blüten des Pizzagewürzes Oregano ziehen Hummeln magisch an.
An dieser Stelle möchte ich über ein Buch schreiben, über "Und sie fliegt doch" von Dave Goulson. (S)Eine kurze Geschichte der Hummel ist so lehrreich wie leicht geschrieben. Aber anfangen muss ich eigentlich bei einem anderen Autor, bei dem Naturwissenschaftler Bernd Heinrich, den Goulsen für dessen Feld- und Grundlagenforschung über die Hummel hoch achtet, was Goulson gleich mehrere Punkte bei mir eingebracht hat. Schließlich sind Heinrichs Werke ("Die Seele der Raben", "Ein Jahr in den Wäldern von Maine", "Die Bäume meines Waldes" und nicht zuletzt "Der Hummelstaat") wundervolle Bücher für all diejenigen, die die Wesen in der Natur lieben und mehr über sie erfahren müssen.
Schönes Cover, interessanter Inhalt.
Aber ich muss zugeben, Heinrichs "Hummelstaat" war eine harte Nuss, eine wissenschaftliche Arbeit, die zwar auch für einen Laien mit etwas Mühe zu verstehen ist, aber so ins Detail geht, dass einem ganz schwindelig werden kann im komplexen Hummelkreislauf mit feinster Temperaturregelung zwischen Thorax und Abdomen, zwischen Körpertemperaturkurven und Muskelzittern.
Danach ist Goulsons Hummelgeschichte ein Kinderspiel, eine spannende Reise nach Neuseeland, wo es noch britische Erdbauhummeln gibt, die in Großbritannien, ihrer eigentlichen Heimat, verschwunden sind, weil die Ackerflächen immer größer, die blühenden Pflanzen immer seltener wurden und dazu noch mit allerlei Gift hantiert wurde,  was ihnen den Rest gegeben hat. Eine spannende Reise auch in die komplexe Biologie der pelzigen Blütenbesucherinnen, die so viel Erstaunliches leisten: über Kilometer hinweg wieder zu ihrem Nest zu finden, Wärme für ihre Brut zu erzeugen, eine Flügeltechnik zu entwickeln, die ihrer anatomischen "Flugunfähigkeit" ein Schnippchen schlägt.
Goulson hat gleichzeitig ein populärwissenschaftliches Lehrbuch über und eine Liebeserklärung an die Hummel geschrieben – sehr englisch und einfach schön zu lesen. Goulson gründet schließlich den "Bumblebee Conservation Trust", um diesen wundervollen Geschöpfen und der Natur in seiner Heimat wieder auf die Beine zu helfen. Nachdem man sein Buch gelesen hat, weiß man warum, auch warum man es ihm mindestens im Kleinen nachtun sollte, ja, muss!

Mittwoch, 5. August 2015

Mottenkraut mit Waldmeisterduft

Wehrt Motten ab: ein Sträußchen Steinklee 
im Schlafzimmer. Wer empfindlich auf 
Cumarin reagiert, hängt den Steinklee 
besser im Kleiderschrank auf.
Ein Sträußchen Steinklee im Schlafzimmer ist ein altbewährtes Hausmittel, um Kleidermotten abzuschrecken. Motten reagieren sehr empfindlich auf Gerüche. Getrockneter Steinklee verströmt einen intensiven Geruch, der an Waldmeister erinnert, also von uns Menschen nicht als unangenehm empfunden wird – ganz im Gegensatz zu den Motten. Verantwortlich für diesen Geruch ist der Inhaltsstoff Cumarin.
Steinklee (Melilotus officinalis), der auch Honigklee genannt wird (daher das griechische Wort Méli = Honig im botanischen Namen) und eine gute Bienenweide ist, hilft aber nicht nur gegen Motten, sondern ist auch ein altes Volksheilmittel, das seit der Antike gegen vielerlei Beschwerden eingesetzt wurde, insbesondere bei Ödemen, da das Cumarin eine entzündungshemmende Wirkung hat. Heutzutage finden Steinklee-Präparate vor allem Anwendung bei der Therapie von Durchblutungsstörungen. Überdosiert kann das Cumarin im Steinklee allerdings Kopfschmerzen und Benommenheit hervorrufen.

Dienstag, 4. August 2015

Blütenpracht bis zum ersten Frost

Dahlien, zumindest die nicht gefüllten Sorten, wirken wie ein Magnet auf Hummeln.
Bei uns im Garten haben jetzt die Dahlien zu blühen begonnen. Bis zum ersten Frost werden sich, wenn nicht vorher ein Unwetter dazwischenkommt, immer wieder neue Blüten öffnen. Danach werden die Knollen ausgebuddelt und im Kartoffelkeller in den Winterschlaf geschickt. Drei Winter haben die Knollen schon gut überstanden.
Ein bisschen "Buddelarbeit" bedarf es schon, aber dafür bedanken sich Dahlien wirklich überreich. Die nicht gefüllten Sorten sind überdies ein Magnet für Hummeln und Schmetterlinge und halten sich lange in der Vase. Damit das Blütenwunder wirklich lange anhält, ist es gut, die ausgeblühten Samenstände (auf dem Foto gut im Hintergrund zu sehen) regelmäßig zu entfernen.
Die schönen Exoten aus Mexico haben allerdings auch echte Feinde: Schnecken im Frühjahr, die sie ratzeputz bis auf den Erdboden niederfressen, und viel zu trockene Kellerräume, in denen vielleicht noch die Heizung steht. Frostfrei und ein bisschen feucht sollte das Winterlager der Knollen sein, die mit ihren länglichen Verdickungen ein wenig an Hände mit Fingern erinnern. Auch später in der Erde sollten diese Blumen mit gelegentlichen Düngergaben und vor allem Wasser gut versorgt werden, irgendwoher müssen sie die Kraft für ihre Blüten ja schließlich nehmen.
Dass es Menschen gibt, die diese Blumen sammeln, sich an ihrem erstaunlichen Formen- und Farbenspektrum kaum sattsehen können, ist gut zu verstehen. Aber im Zweifelsfall tun es auch einige ganz einfache Exemplare, die jedes Frühjahr im Bau- oder Supermarkt angeboten werden, um Farbe in jedes Beet oder auch Kübel zu bringen.

Montag, 3. August 2015

Auf verbotenen Wegen

Kann die Schnecke denn nicht lesen? Der Weg in Pfeilrichtung ist nicht nur verboten, sondern dort droht auch der
Absturz.

Ach so, Schnecken sind gar nicht 
gemeint. Das Verbot gilt nur für 
Pferde.
Auf verbotenen Wegen habe ich gestern bei unserer Reportage-Tour am Heideflüsschen Örtze diese Weinbergschnecke erwischt. Da ist die arme Schnecke am Pfahl fast zwei Meter hoch und dann auf dem Schild bis zur Pfeilspitze entlang gekrochen, um dann festzustellen, dass es hier nicht mehr weiter geht.
Über das Verbot könnte sie sich eigentlich hinwegsetzen, denn erstens gilt das, wie man auf dem kleinen Foto sehen kann, nicht für Schnecken, sondern für Pferde, und zweitens können Schnecken gar nicht lesen. Aber es ist ganz egal, was auf dem Schild steht: In Pfeilrichtung weiter geht es jedenfalls nicht, sonst droht der Absturz. Der einzige Weg ist der Rückweg – wieder nach unten.

Sonntag, 2. August 2015

Dem "weißen Gold der Heide" auf der Spur

Auf dem Freigelände des kleinen Salz-
museums in Sülze.

Heute haben wir uns für eine Reportage, die in der nächsten Ausgabe des Callluna-Magazins erscheinen soll, auf die Spuren des "weißen Goldes der Heide" begeben. 500 Jahre lang wurde in der Südheide Salz gewonnen – bis es nicht mehr wirtschaftlich war und die Produktion eingestellt wurde. Das war im 19. Jahrhundert. Mit einer Natur- und Landschaftsführerin unternahmen wir eine Fahrrad-Exkursion zu historisch interessanten Stellen in der Landschaft.
Unsere Tour begann im Hauptort Sülze – das ist die plattdeutsche Bezeichnung für Salz –, wo sich ein kleines Salzmuseum mit Außenanlagen befindet. Vom Museum blickten wir direkt auf den Salinenplatz, wo sich einst die Quelle befand, aus der das salzhaltige Wasser, Sole genannt, geschöpft wurde. Da für die Salzsiederei Unmengen von Brenntorf benötigt wurden, den man in den umliegenden Mooren abbaute, leitete man das Wasser in kilometerlangen Röhren aus ausgehöhlten, zusammengesteckten Kiefernstämmen zum Torfstich. Für diese Pipelines wurden Dämme angelegt, deren Verlauf sich auch heute noch in der Landschaft abzeichnet. Auf einem dieser Röhrendämme sind wir heute mit dem Fahrrad gefahren.

Blick auf den von Paddlern viel befahrenen Heidefluss Oertze.
In diesem kilometerlangen Damm verlief einst eine
Salz-Pipeline.
Eine Pipeline überquerte sogar den Heidefluss Oertze, auf dem früher Holz geflößt wurde. Damit die Flößer mit ihrer Fracht ungehindert passieren konnten, wurde die Pipeline auseinandergenommen und anschließend wieder zusammengesteckt.
Heutzutage sind keine Flößer mehr auf der Oertze unterwegs, dafür aber umso mehr Paddler. An diesem sonnigen Sommersonntag war dort fast so viel Verkehr wie auf einer Autobahn.
Auch wir sind schon mehrfach auf der Oertze gepaddelt, allerdings ist das schon viele Jahre her. Als wir heute auf der Brücke standen und auf die unter uns hindurchtreibenden Kanus schauten, bekamen wir sogleich Lust auf eine Paddeltour. Dafür würden wir uns allerdings nicht unbedingt ein Wochenende aussuchen, sondern einen Tag in der Woche, an dem es etwas ruhiger zugeht.
Aber vielleicht erkunden wir die sowohl kulturhistorisch als auch landschaftliche reizvolle Gegend erst einmal zu Fuß oder mit dem Fahrrad.


Samstag, 1. August 2015

Buchweizenpfannkuchen

Buchweizenpfannkuchen sind sehr lecker, aber keine
Hundekuchen!
Bis vor einigen Wochen haben wir uns sonnabends, wenn wir vom Einkaufen kamen, ein zweites Frühstück mit frischen Bäckerbrötchen gegönnt. Dieses lieb gewonnene Ritual haben wir jedoch abgeschafft, nachdem ich begriffen habe, dass ich keinen Weizen vertrage. Solange noch nicht geklärt ist, ob Zöliakie, Weizenallergie oder Weizensensivität die Ursache dafür ist, meide ich glutenhaltige Lebensmittel, und seitdem geht es mir deutlich besser.
Statt Brötchen gab es an diesem Sonnabend Buchweizenpfannkuchen. Der Name Buchweizen ist irreführend. Buchweizen ist nicht mit dem Weizen verwandt und auch gar kein Getreide, sondern ein Knöterichgewächs mit bucheckernförmigen Früchten. Als Pseudogetreide spielt Buchweizen in der glutenfreien Ernährung eine große Rolle.
Bei uns in der Heide war Buchweizen noch bis vor etwa 100 Jahren eines der wichtigsten Grundnahrungsmittel, da er gut auf unfruchtbaren Sandböden gedeiht. Die Menschen aßen den Buchweizen hauptsächlich als Grütze und als Pfannkuchen, und zwar beides sowohl in einer süßen als auch in einer pikanten Variante. Wir haben uns heute für die süße Variante mit Marmelade (Marion) und Pflaumenmus (Inka) entschieden.
Zu Uromas Zeiten wurde der Teig aus wenigen Zutaten blitzschnell angerührt: 125 Gramm frisch gemahlener Buchweizen wird mit einem Teelöffel Salz, einem Ei und einem Viertelliter Wasser verrührt. Ich verzichte auf das Ei und nehme ersatzweise einen Löffel Mais- oder Kartoffelstärke und einen Schuss Rapsöl. Man kann die Pfannkuchen sofort nach dem Anrühren des Teiges backen, aber besser ist es, den Teig mindestens eine Stunde ruhen zu lassen, denn Buchweizen quillt ähnlich stark auf wie Hirse.
Zum Backen der Pfannkuchen nimmt man am besten eine beschichtete Pfanne, gibt einen Schuss Rapsöl hinein und lässt es heiß werden. Mit einer Kelle wird dann die Hälfte des Teiges in die Pfanne gegeben und von beiden Seiten goldbraun gebacken.
Bei uns in der Heide wurden die Buchweizenpfannkuchen vorzugsweise mit Zuckerrübensirup oder Speck gegessen. Man kann auch Äpfel, Rosinen oder anderes Obst oder Kräuter in den Teig geben. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.
Der Eigengeschmack des Buchweizen lässt sich mit nussig nur unzureichend beschreiben. Ich finde, er schmeckt ein bisschen wie geräuchert, auf jeden Fall sehr würzig.