Donnerstag, 23. Februar 2017

Da flogen die Fetzen

Da haben es die Sturmböen doch tatsächlich geschafft, ein Loch in die Wolkendecke zu reißen.
Wer, wie ich, fast immer zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs ist, bekommt das Wetter hautnah zu spüren. Normalerweise stört mich das nicht, aber heute war es schon grenzwertig.
Im strömenden Regen fuhr ich in den fünf Kilometer entfernten Nachbarort, um bei unserem Verlag bestellte Bücher zur Post zu bringen. Anschließend besorgte ich noch ein paar Kleinigkeiten im örtlichen E-Center. Als ich aus dem Laden kam, schien gerade die Welt unterzugehen. Der Regen kam jetzt nicht mehr von oben, sondern von der Seite. Der Wind peitschte mir so direkt von vorne ins Gesicht, wie man es sonst meist nur an der Küste erlebt. Beim Aufsteigen hätte mich ein Sturmböe fast mitsamt dem Rad umgeworfen. Die Rücktour direkt gegen den Wind war alles andere als ein Vergnügen. Die vom Wind beschleunigten Regentropfen schmerzten wie Nadelstiche im Gesicht. Die zog die Kapuze noch etwas enger zu, aber es half nichts. Um das Gesicht zu schützen, schaute ich die meiste Zeit nach unten auf den Radweg. Aus den Augenwinkeln sah ich, wie am Himmel die Fetzen flogen. Die Sturmböen hatten ein Loch in die dichte Wolkendecke gerissen, und viele kleine Wolkenfetzen sausten, von der Sonne in Szene gesetzt, durch das gerade entstandene blaue Loch. Ich hielt kurz an, um schnell ein Smartphone-Foto zu schießen, und beeilte mich dann, nach Hause zu kommen. Dort hatte sich der Hof zwischenzeitlich in einen See verwandelt. Ich watete, das Fahrrad schiebend, hindurch. Dank meiner Regenstiefel wären meine Füße dabei trocken geblieben. Aber sie waren schon längst nass, weil der Regen auf der Fahrt an einen Beinen heruntergelaufen und so durch die Stiefelschäfte eingedrungen war. Meine Söckchen konnte ich auswringen und aus den Kurzstiefeln das Wasser ausschütten.

Lustige Wolkenfetzen sausen durch das blaue Loch.
Ja, so kann eine kurze, alltägliche Fahrt zur Post zu einem kleinen Abenteuer werden. Wäre ich mit dem Auto gefahren, hätte ich das nicht erlebt, und das wäre vielleicht ein bisschen schade gewesen.
Und während ich das hier gerade schreibe, tobt draußen immer noch der Sturm und rüttelt an Türen und Fenstern.

Während ich unterwegs war, hat sich unser Hof in einen See verwandelt.

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