Dienstag, 3. Dezember 2013

Bei Blech werde ich schwach

Dieser Dose mit dem frechen Jungen auf dem Schlitten
konnte ich nicht widerstehen.
Als Veganerin bin ich gegen die Verlockungen der Lebensmittelindustrie weitgehend immun – zwangsläufig, denn es scheint in den normalen Supermärkten kaum Lebensmittel zu geben, die ohne tierische Zutaten hergestellt sind. Sogar im Apfelsaft sind sie enthalten, und damit meine ich nicht die Würmer, die sich in manchen Äpfeln einnisten und mit in der Saftpresse landen. Nein, Apfelsaft wird mit Gelatine geklärt, und Gelatine wird bekanntlich aus dem Bindegewebe von Schweinen und Rindern gewonnen. Auch als ich noch Vegetarierin war, habe ich deshalb schon immer sorgfältig die Inhaltsdeklarationen gelesen, um mich zu vergewissern, dass ich nicht versehentlich ein Produkt kaufe, das Gelatine enthält. Nur dummerweise muss beim Apfelsaft nicht auf der Verpackung stehen, womit er geklärt worden ist. Zum Glück habe ich sowieso schon immer lieber ungeklärten (wie das klingt!) oder, vornehmer ausgedrückt, naturtrüben Apfelsaft getrunken.
Aber ich schweife vom Thema ab. Erzählen wollte ich eigentlich, dass ich zwar den meisten Verlockungen widerstehen kann, aber dass es natürlich auch Dinge gibt, bei denen ich schwach werde, denn: Nobody is perfect. 
Produzenten, die mich als Käuferin gewinnen wollen, können das ganz leicht mit einem einfachen Trick tun: Sie müssen ihr Produkt nur in eine schöne nostalgische Blechdose verpacken. Die landet dann schwuppdiwupp in meinem Einkaufskorb.
Meine Brandt-Zwieback-Dose mit den Zwiebackkindergesich-
tern aus vier Jahrzehnten.
Besonders stolz bin ich auf meine schöne Brandt-Zwieback-Dose. Über die freue ich mich jeden Tag, wenn ich sie im Küchenregal stehen sehe. Den Zwieback habe ich übrigens nicht gegessen, da er nicht vegan ist. Aber wir haben ja auf unserem Hof einige Tiere, die es mit der veganen Ernährung nicht so ernst einen wie wir. Wegwerfen muss ich den Zwieback also nicht.
Ob Tee, Kakao, Kekse oder Lebkuchen (ja, den gibt es auch vegan) – wir haben schon eine ganze Sammlung schöner Blechdosen. Meine neuste Errungenschaft ist eine Dose mit Em-Eukal-Bonbons. Ich esse normalerweise keine Bonbons, allenfalls mal Salbei-Bonbons, wenn ich Halsschmerzen habe, aber an dieser Dose konnte ich im Laden nicht vorbeigehen. Sie schrie mich geradezu an: Kauf mich!
Die Bonbons sind zwar für Kinder gedacht, aber das macht nichts, wenn man kein Kind mehr ist. Und ein bisschen kindisch sind wir doch in gewisser Weise noch alle, oder?
Wie die Bonbons schmecken, kann ich nicht sagen, denn ich habe noch keinen probiert. Aber ich erinnere mich noch vage an den Geschmack aus meiner Kindheit. Damals fand ich diese Bonbons, die angeblich nach Wildkirsche schmecken, durchaus lecker.
Als ich die Dose gestern Abend im Licht der Esstischlampe eingehend betrachtete, fragte ich mich plötzlich, was denn dieser merkwürdige Name zu bedeuten hat: Em-Eukal. Darauf, dass Eukal für Eukalyptus steht, kann man ja noch selbst kommen, aber wofür steht Em? Für Europameisterschaft? Nein, das ergibt keinen Sinn.
Wie gut, dass es Wikipedia gibt! Ich erfahre: Em steht für Menthol. In der Kindervariante dürften allerdings kaum Menthol und Eukalyptus enthalten sein, denn Kinder mögen eigentlich keine Hustenbonbons, die viele ätherische Öle enthalten, da sie als zu scharf empfunden werden.
Em-Eukal ist eine Marke des Nürnberger Familienunternehmens Dr. C. Soldan und seit 1923 auf dem Markt. Zunächst wurden die menthol- und eukalyptushaltigen Bonbons als Arzneimittel vertrieben. Später fanden sie dann den Weg ins Bonbonregal der Supermärkte. Die Kindervariante der Bonbons ist zwar nicht ganz so alt, aber immerhin auch schon 40 Jahre. Sie hat einen eigenen Internetauftritt und sogar eine eigene Fanseite bei Facebook.


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