Freitag, 16. Januar 2015

Jede Tasse Kaffee schwer verdient

Erst die Kurbelarbeit, dann das Kaffeevergnügen.
Es gibt kaum etwas Widerlicheres als schlechten Kaffee. Der kann einem nicht nur den ganzen Tag verderben, sondern (zumindest bei mir) auch Magenkrämpfe und heftige Kopfschmerzen hervorrufen. Der schlimmste Kaffee ist billiger Supermarktkaffee, zubereitet in einer herkömmlichen Kaffeemaschine. Wenn schon Filterkaffee, dann bitte handgefiltert unter Verwendung eines Keramikfilters.
Für guten Kaffee habe ich mich schon während meiner Schulzeit interessiert. In der Oberstufe habe ich mich im Rahmen einer Projektwoche mit der Geschichte des Kaffees, dem Anbau, der Ernte und der Röstung beschäftigt, und seitdem hat mich das Thema nicht wieder losgelassen. Vor einigen Jahren habe ich mich von einem alten Kaffeeröster in die Kunst der handwerklichen Kaffeeröstung einführen lassen. Seitdem habe ich so ziemlich jeder Kaffee-Zubereitungsart ausprobiert und mich dabei so langsam an den geschmacklich besten Kaffee herangetastet.
Für mich gibt es inzwischen keine Alternative mehr zu selbstgemahlenen Arabica-Kaffee. Die Bohnen müssen unbedingt aus Bio-Anbau sein. Den Kaffee mahle ich portionsweise mit einer hochwertigen Handmühle, und zwar so fein wie Espressopulver. Die Handmühle ist zwar teurer als die handelsüblichen elektrischen Kaffeemühlen, und das Mahlen macht mehr Arbeit. Man muss sich jede Tasse Kaffee durch minutenlanges Kurbeln schwer verdienen. Aber es lohnt sich. Die Handmühle zerhäckselt die Bohnen nicht, und durch die vergleichsweise geringe Mahlgeschwindigkeit werden die Bohnen nicht warm, was wichtig ist, um das volle Aroma zu bewahren. Ganze Bohnen sind teurer als Pulverkaffee, aber das ist durchaus berechtigt: Nur erstklassige Qualität wird in Form von ganzen Bohnen angeboten. Das Mahlen unmittelbar vor der Zubereitung verhindert, dass sich die Aromastoffe verflüchtigen. Im Gegensatz zu frisch gemahlenem Kaffee schmeckt vakuumverpackter Pulverkaffee regelrecht alt und abgestanden, sogar dann, wenn die Packung gerade erst geöffnet worden ist.
Meine wunderschöne Kaffee-
mühle von Zassenhaus aus
Solingen.
Das frisch gemahlene Kaffeepulver kommt kommt in eine Siebträgermaschine mit 16 Bar Pumpendruck und Vorbrühfunktion. Ich habe sämtliche Tests gelesen, die ich bekommen konnte, und habe mit Erstaunen festgestellt, dass es nicht unbedingt ein 1000-Euro-Modell aus italienischer Fertigung sein muss. Nein, Severin produziert ein feines, kleines Maschinchen mit der Bezeichnung KA 5991, das zwar aussieht wie ein Spielzeug, aber technisch den Luxusmodellen durchaus ebenbürtig ist. Das Beste: Es kostet gerade einmal rund 100 Euro. Ich habe mit gleich zwei solcher Maschinen gekauft, eine für unsere Frühstücksküche und eine für das Esszimmer.
"Mein" Kaffee schmeckt mir so lecker, dass ich eigentlich anderen Kaffee mehr trinken mag. In Cafés  und Restaurants trinke ich inzwischen lieber Tee, um nicht enttäuscht zu werden. Nur in einigen Bio-Cafés mache ich mal eine Ausnahme.
So wie mit dem Kaffee versuche ich es inzwischen auch mit den meisten anderen Lebensmitteln zu halten: Lieber weniger konsumieren, aber dafür lieber darauf achten, dass nur die besten Rohstoffe verwendet werden und alles auf bestmögliche Art zubereitet wird. Ich bin in dieser Hinsicht auf einer Linie mit der Slow-Food-Bewegung, nur dass es bei mir möglichst auch immer bio, vollwertig und vegan sein sollte. Gute Lebensmittel verdienen es auch, mit Sorgfalt zubereitet und mit Genuss gegessen zu werden.

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