Donnerstag, 19. November 2015

Beschaffungsprobleme

Aufgrund von Beschaffungsproblemen trocknet die Wäsche vorerst weiterhin
auf der teilweise schon vergrauten und mehrfach geflickten Sisalleine.
Bei dem Sturm draußen trocknet die Wäsche zwar superschnell, aber es besteht auch die Gefahr, dass schon wieder die Wäscheleine reißt, weil die Wäsche zu stark im Wind flattert. Die Leine ist nämlich nicht mehr die beste und schon mehrfach geflickt. Eigentlich hätte ich sie längst durch eine neue ersetzen müssen. Doch leider gibt es hier bei uns auf dem Land keine vernünftigen Wäscheleinen mehr zu kaufen, nur noch die schrecklichen, steifen und hässlichen Plastikschnüre. Ich war bereits in etlichen Supermärkten und in den Filialen der großen Drogerieketten. Wäscheleinen aus Sisal? Fehlanzeige! Es wird mir nichts Anderes übrig bleiben, als eine solche Wäscheleine online zu bestellen und sie uns liefern zu lassen. Transport und Verpackung versauen natürlich die Ökobilanz, mal ganz abgesehen vom Preis: Einschließlich der Versandkosten würde so eine Wäscheleine aus Naturmaterial fast das Fünffache einer Plastikwäscheleine kosten. Aber es geht ja nicht nur um den Preis und die Nachhaltigkeit. Ich mag einfach keine Plastikwäscheleinen – sowohl in optischer als auch haptischer Hinsicht. Sisalwäscheleinen sind einfach schöner anzusehen und anzufassen, und außerdem halten die Wäscheklammern besser. Die sollten natürlich auch aus Holz und nicht aus Plastik sein – sonst wäre das ja ein Stilbruch. Holzklammern sind warm und angenehm in der Hand, und das Aufhängen der Wäsche macht mir damit einfach mehr Spaß. Außerdem kann man alte Klammern immer noch im Ofen verheizen oder, ebenso wie Sisalwäscheleinen, kompostieren.
Neulich erst wurde ich mit einem ähnlichen Beschaffungsproblem konfrontiert: Ich wollte für den Gasherd einen Piezo-Gasanzünder kaufen. Die funktionieren jahrelang ohne jeglichen Treibstoff. Im Inneren des Anzünders werden beim Betätigen des Antünders durch Reibung von Metall auf Stein Funken erzeugt, mit denen sich wunderbar das Gas entzünden lässt. Aber nirgendwo gab es einen solchen Anzünder zu kaufen. Stattdessen überall schäbige Gasanzünder-Feuerzeuge. Die sind angeblich nachfüllbar, aber das Nachfüllen mit Feuerzeuggas funktioniert so gut wie nie. Die den Gasdosen beiliegenden Plastikadapter passen meistens nicht, und so verflüchtigt sich das meiste Gas beim Versuch, das Feuerzeug zu befüllen, in der Luft. Wahrscheinlich werden die meisten wiederbefüllbaren Feuerzeuge sowieso nicht nachgefüllt, sondern weggeworfen.
Statt des Plastikmülls wollte ich lieber Streichhölzer kaufen. In mehreren Supermärkten wurde ich nicht fündig und fragte danach. Die Antwort war stets dieselbe: "Streichhölzer? Nein, so etwas haben wir nicht!" Ich kam mir vor, als hätte ich gerade fettfreies Frittierfett verlangt. Mir wurde der Kauf von Feuerzeugen empfohlen. Ich lehnte dankend ab.
Endlich entdeckte ich sie in einem gut sortierten Supermarkt, im untersten Regalfach bei den Haushaltswaren: zehn Schachteln Streichhölzer im Gebinde für 25 Cent – deutlich billiger als das Dreierpack angeblich nachfüllbarer (Einweg-)Feuerzeuge, und obendrein auch noch umweltfreundlicher und unkomplizierter in der Handhabung.
Noch einmal zurück zur Sisalwäscheleine: Bis vor einigen Jahren wurden die Heuballen für unsere Pferde von Sisalschnüren zusammengehalten. Wenn man die Ballen aufgeschnitten hatte, konnte man die Schnur wunderbar für Weihnachtspakete verwenden. Inzwischen sind nur noch hässliche, blaue Kunststoffbänder im Umlauf, die beim Schleppen der Ballen unschön in die Hände schneiden. Als rustikales Geschenkband eignen sich diese Bände nicht. Wir sammeln sie trotzdem, aber nur, um sie in den Gelben Sack zu werfen, damit sie hoffentlich recycelt werden.

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