Montag, 29. Juli 2013

Pflegeleicht

Wie finden man auch für vertrockenete Pflanzen noch einen Käufer? Ganz
einfach: Man preist sie als etwas ganz Besonderes, als Rarität an.
Als ich heute meinen Einkaufswagen durch die Gänge einer nahe gelegenen Filiale des  ältesten und größten deutschen Lebensmittel-Discounters schob, fiel mein Blick auf ein handgemaltes Schild, das "Pflanzenraritäten" für 12,99 Euro anpries. Mein Interesse war geweckt, das Schild zog mich geradezu magisch an. Bei näherer Betrachtung des Raritäten-Sortiments entdeckte ich neben
einem Japanischen Palmfarn und einer Kanarischen Dattelpalme eine wirkliche Rarität, ein kleines Bäumchen, das es so wahrscheinlich in keiner Gärtnerei und in keinem Blumenfachgeschäft zu kaufen gibt: Ein vollständig dehydriertes Exemplar der Gattung Olea mit kunstvoll arrangierten, getrockneten Blättern auf Erde im Tontopf. Nicht schön, aber selten, dachte ich, und pflegeleicht obendrein. Dieses kleine Olivenbäumchen muss nie wieder gegossen werden. Es kommt garantiert ohne einen Tropfen Wasser aus.
Ich war ganz fasziniert. Sollte ich mir nicht dieses Sinnbild für die Endlichkeit des Lebens gönnen?
Der Schnäppchenpreis führte mich ernsthaft in Versuchung. Doch da ich befürchten musste, dass ich beim Anblick dieser Pflanze jedesmal sofort Durst bekomme, habe ich mich letztendlich gegen den Kauf der dekorativen Trockenpflanze entschieden.
Aber Spaß beiseite: Ist es nicht traurig, wie bei den Discountern mit Pflanzen, die ja auch Lebewesen sind, umgegangen wird?! Wenn ich in so einer Supermarktfiliale arbeiten würde, könnte ich die Pflanzen doch nicht einfach so im Laden vertrocknen lassen. Nein, ich würde sie täglich gießen, bis sie hoffentlich irgendwann verkauft sind (oder ich würde sie aus Mitleid wahrscheinlich alle selber kaufen). Aber wahrscheinlich ist es dem Personal untersagt, die Pflanzen zu bewässern. Die Mitarbeiter könnten allerdings doch wenigstens die verdursteten Pflanzen aussortieren. Sie für 12,99 Euro als "Raritäten" anzupreisen, das finde ich schon ziemlich skurril.

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