Dienstag, 25. Februar 2014

Alles eine Frage der Perspektive

Auf mich wirken die heimischen Kiefern immer wie riesige Gräser.
Am Wochenende hat uns zum ersten Mal eine neue Freundin aus Schleswig-Holstein besucht. Wir machten zusammen eine kleine Wanderung durch Wiesen und Wälder.
"Was sind denn das für Bäume?" fragte die Freundin und deutete auf eine Gruppe Kiefern am Waldrand. Wir waren etwas erstaunt, dachten: Wie bitte, kennt die etwa keine Kiefern?
Nein, kannte sie tatsächlich nicht. "Wir haben bei uns an der Küste viele Buchen und dicke, alte Eichen, aber diese Bäume hier kenne ich gar nicht. Die sehen ja sehr interessant aus. Irgendwie mediterran."
Ob als Solitär (vorne) oder dicht gedrängt im Forst: Die Kiefer
ist ein druchaus interessanter und auch schöner Baum.
Wir erklärten der Freundin, dass es sich um Exemplare der Gattung Kiefern handelt, nämlich um die Waldkiefer (Pinus sylvestris), und dass diese eng verwandt sei mit der im Mittelmeerraum verbreiteten Pinie (Pinus pinea). Und auf einmal sahen auch wir die Kiefer mit ganz anderen Augen und hatten dabei Bilder aus der Provence und der Toskana im Kopf.
Wir waren unserer Freundin richtig dankbar dafür, dass sie die Bäume als etwas Besonderes wahrgenommen hatte. In der Südheide ist die Kiefer einer der am häufigsten vorkommenden Bäume. Sie wuchs als so genannter Pionierbaum auf den kargen Heideböden, auf denen außer Birken kaum etwas anderes gedieh. Mittlerweile hat sich in den Kiefernwäldern eine Humusschicht gebildet, auf der auch anspruchsvollere Bäume wie die Buche gedeihen können. Dieser Waldumbau wird besonders in den Landesforsten vorangetrieben...
Diese kleine Geschichte zeigt wieder einmal, dass alles eine Frage der Perspektive ist. Für uns, die wir hier in der Südheide leben, sind Kiefern etwas ganz Normales, überhaupt nichts Exotisches. Menschen aus anderen Regionen sehen das ganz anders.
Ein anderes Beispiel: Bei uns in der norddeutschen Tiefebene wird jeder Hügel gleich als Berg bezeichnet. Für Menschen, die in einem der Mittelgebirge oder gar im Alpenraum leben, sind unsere Berge hingegen Hügel.
Je älter der Baum, umso mehr erinnert der Stamm der Kiefer
an Elefantenhaut.

Es lohnt sich, finde ich, ab und zu mal die Perspektive zu wechseln und die "Heimat" aus der Sicht eines Fremden zu betrachten. Wenn einem das gelingt, wird man dafür auch sogleich belohnt: mit neuen Erkenntnissen und Entdeckungen und interessanten Einblicken. Als Einheimischer läuft man ja Gefahr, einen Tunnelblick zu entwickeln und das Schöne und Reizvolle um einen herum als Selbstverständlichkeit wahrzunehmen – und so weiß man es irgendwann gar nicht mehr zu würdigen.
Um auf unsere Freundin aus Schleswig-Holstein zurückzukommen: Wenn ich mal, was leider viel zu selten vorkommt, an der holsteinischen Ostseeküste bin, faszinieren mich dort immer die wunderschönen Buchwäldern und ich gehe genauso beeindruckt und begeistert durch den Buchenwald wie unsere Freundin hier in der Heide durch den Kiefernforst.

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